Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Ein Erfahrungsbericht (Teil 2)

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten ist anders als sonst. Aber wie ist er denn nun? Das kann ich dir gerne berichten, denn ich war kürzlich für eine Woche da.

Im ersten Teil meiner Artikelreihe habe ich über die Reiseplanung, die Anreise zum See und Erfahrungen in einem Hotel, dem Regina Palace, berichtet. In diesem zweiten Teil erzähle ich dir gerne über meine Erfahrungen in meinem zweiten Hotel, beim Einkaufen, beim Besuch von Sehenswürdigkeiten und was mir sonst noch so aufgefallen ist.

Ein kleiner Hinweis auch in diesem Text: Ich diskutiere nicht über Sinn oder Unsinn der bestehenden Coronaregeln. Ich beschreibe lediglich meine subjektiven Erfahrungen während meiner einwöchigen Reise zum Lago Maggiore.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Der Aufenthalt im Primavera

Mit meinem ersten Hotel, dem Regina Palace, war ich insgesamt zufrieden, auch wenn es ein paar Abstriche gab. Weniger zufrieden war ich dagegen in meinem zweiten Hotel, dem Primavera, einem 3-Sterne-Hotel mitten im Zentrum von Stresa, in dem ich auch schon häufig war und bisher eigentlich immer zufrieden war.

Leider wurden die Coronaregeln im Hotel nur sehr halbherzig eingehalten. Schon als ich ins Hotel kam, wunderte ich mich. Zwar gab es an der Rezeption einen Spuckschutz, aber kein Mitarbeiter trug eine Maske bzw. die Maske korrekt. Auch Desinfektionsspray suchte ich. Ich fand irgendwann welches, aber es war sehr versteckt.

Der Check-in erfolgte recht flott, aber bis ich ins Zimmer kam, hatte ich nicht eine einzige Möglichkeit, mir die Hände zu desinfizieren. Negativ fiel mir auch auf, dass das Personal keine Handschuhe trug und immer fröhlich die Schlüssel für die verschiedenen Zimmer ein- und ausgab. So kann man Viren auch gut verteilen. Zum Vergleich: Bei mir auf der Arbeit dürfen wir Kollegen noch nicht einmal denselben Kugelschreiber anfassen, damit wir uns nicht anstecken. Die Sache mit dem Zimmerschlüssel war im Regina Palace sehr viel besser geregelt. Man hatte seine Zimmerkarte und die hatte man die ganze Zeit über.

In meinen Kopf hat sich auch eine Szene eingebrannt, in der die Rezeptionistin, selbst keine Maske tragend, Schweizer Touristen recht unhöflich darauf hinwies, dass man sich in einem geschlossenen Raum befinde und da ja wohl Maskenpflicht bestehe. Wer im Glashaus sitzt …

Frühstück nahm ich im Primavera nicht zu mir und auch hier verzichtete ich darauf, ein Zimmermädchen in die Nähe meiner Sachen zu lassen.

Mein negativer Eindruck vom Hotel wurde bei meinem Check-out bestätigt. Als ich nachts aufbrach, um Richtung Heimat zu fahren, nahm mich der Nachtportier nicht nur ohne Maske in Empfang, er kam mir auch extrem nahe und tatschte meine Hand an, als er mir den Schlüssel abnahm.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Einkaufen

Erinnerst du dich, wie ich im ersten Teil des Texts geschrieben habe, dass ich gleich zu Beginn echt geschockt war am Lago Maggiore? Diesen Schock holte ich mir in Castelletto sopra Ticino und in Dormelletto, wo ich, um Zeit bis zum Hotel-Check-in zu überbrücken, schon einige Teile meiner langen Einkaufsliste besorgen wollte.

In den beiden genannten Orten an der Uferstraße im Süd-Westen des Lago Maggiore sind einige kleine Einkaufszentren. Es ist einer der wenigen Teile am See, der nicht sehr touristisch ist und wo 90 Prozent Einheimische rumlaufen und einkaufen. Und das taten sie an diesem Montagmorgen auch, ohne Abstand oder Masken über der Nase. Wenn nicht einige Menschen doch korrekt eine Maske getragen hätten, hätte man meinen können, Corona sei nicht existent. Und das in Norditalien, wo doch so oft die Italiener in letzter Zeit für ihre angebliche Disziplin gelobt werden. Ich konnte es nicht glauben und hatte echt Sorge vor den kommenden Tagen. Dass vor allem auch Mitarbeiter der Geschäfte die Regeln so konsequent missachteten, schockte mich sehr.

Doch nun kann ich dich beruhigen. Dieser Eindruck war lokal auf diese beiden Orte und zum Teil noch auf Arona, wo ich einen Tag später war, begrenzt. Je touristischer ein Ort am See wurde, desto disziplinierter wurden die Regeln eingehalten. Klar, ein paar Idioten sind immer dabei, aber die gibt es ja überall, auch in meiner Heimat.

Ach ja: Ich habe oft gelesen, dass in einigen Geschäften am See Fieber gemessen wird, bevor man in den Laden darf. Ich erwischte keinen einzigen Laden, bei dem dies gemacht wurde, und ich war ich vielen Geschäften in der einen Woche. Eine Maskenpflicht und Abstandsregeln galten überall. Zudem gab es in vielen Supermärkten auch Plastikhandschuhe, ob sie nun verpflichtend waren, kann ich nicht sagen, sie wurden nur von sehr wenigen Menschen getragen.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Restaurantbesuche

Natürlich war ich in meiner Woche am Lago Maggiore auch essen. Tatsächlich besuchte ich aber nur zwei Restaurants und holte mir sonst Essen am Imbiss, im Supermarkt oder zwischendurch mal ein Eis.

Einige Leser haben mir im Vorfeld begeistert berichtet, dass sie in Stresa Restaurants besucht hätten und keine Maske tragen brauchten. Ich konnte diese Begeisterung nicht teilen. Im Gegenteil: Ich fand diese Berichte sehr beunruhigend und wollte mir deshalb selbst ein Bild machen. Zumal Mitte August auch ein sehr bekanntes Lokal im Ort für einige Zeit von den Behörden geschlossen wurde, weil es das Personal eben mit den Hygieneregeln nicht so genau nahm.

Bei der Wahl des Restaurants solltest du am Lago Maggiore die Augen deshalb wirklich offen halten. Viele Restaurants haben – trotz Verordnung – die Tische noch genauso eng stehen wie vor Corona. Andere halten sich aber auch strikt an die Anweisungen. Mein Highlight war ein Kellner in Intra, der mit Maßband zwischen den Tischen herlief, um zu messen, ob auch jeder Gast wirklich einen Meter vom anderen entfernt ist und ob Gäste nicht Tische verrückt hätten.

Ich selbst habe zweimal in Stresa gegessen. Einmal saß ich draußen im Marconi Beach mit Blick auf den See. Ein anderes Mal war ich im Caffè Torino. Beide Male wurden alle Hygienevorschriften vorbildlich eingehalten. Allerdings haben beide Lokale nun Coperto eingeführt, eine Gebühr, die in italienischen Restaurants oft nur für das Gedeck entrichtet werden muss, aber in vielen Restaurants am See oft entfiel, um Urlauber anzulocken.

Eine gute Idee hatten viele Eisdielen. Damit die Kunden möglichst wenig Zeit im Laden verbringen, sind Eissorten nun auf großen Aufstellern vor dem Laden aufgelistet, so kann man in Ruhe draußen überlegen, was man will.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Besuch von Sehenswürdigkeiten

Die großen Sehenswürdigkeiten habe ich in diesem Jahr vermieden. Eigentlich fahre ich zum Beispiel immer mit dem Zug nach Mailand, wenn ich am Lago Maggiore bin und auch den Borromäischen Inseln kann ich bei schönem Fotowetter oft nicht widerstehen.

Stattdessen war ich am einzigen wirklichen Sonnentag während meiner Woche am See in der Villa Taranto, dem für mich schönsten botanischen Garten am Lago Maggiore, den du in Pallanza findest.

Am Eingang beim Kartenkauf traf ich dann doch noch auf ein Fieberthermometer und bekam einen kurzen Schock. Nachdem man sein Ticket bezahlt hat, muss man zum Fiebermessen. Als ich an der Reihe war, blinkte das Fieberthermometer plötzlich rot auf und gab einen lauten Ton von sich. „Na super“, dachte ich, „das war es wohl für mich”. Aber ich täuschte mich. Die nette Dame an der Kasse machte mich darauf aufmerksam, dass das Fieberthermometer bei kleinen Menschen wie mir oft spinne. Also musste ich mich ganz weit nach oben recken und versuchte es nochmal. Und diesmal leuchtete das Thermometer grün, nachdem ich mir die Hände desinfiziert hatte, durfte ich hinein.

Die Villa Taranto war an dem traumhaft schönen Sonnentag gut besucht. Die meisten Menschen hielten sich auch sehr gut an die Abstandsregeln, bis auf ein Ehepaar. Die Frau hustete jedes Mal, wenn sie bei einem Fotomotiv vorgelassen werden wollte, in die Menge und amüsierte sich über „die Dummheit der Menschen“. Anschließend belehrte sie ihren Begleiter: „Siehste, so geht das!“ Wieder mal unfassbar.

Außerdem besuchte ich noch das Granit Museum in Baveno. Es befindet sich im gleichen Gebäude wie die Touristeninformation, ein Besuch ist gratis. Ich war der einzige Gast und hatte somit keine Probleme, die Hygieneregeln einzuhalten. Damit Menschen sich bei größerem Andrang nicht in die Quere kommen, wurden Einbahnstraßenregelungen eingerichtet, Desinfektionsmittel gab es auch ausreichend.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Sonstige Erfahrungen

Die restliche Woche hielt ich mich vor allem an See auf, wobei man sagen muss, dass die Uferpromenaden unfassbar leer waren und es wirklich gar kein Problem war, dort Regeln einzuhalten. Außerdem besuchte ich gleich drei Märkte.

Auf dem Markt in Arona wurde mittels zahlreicher Schilder explizit auf Abstände und Maskenpflicht im Freien (die auch in der Fußgängerzone galt) hingewiesen. Bei Zuwiderhandlung drohten Strafen von 400 Euro. Dennoch hielt sich auf dem Markt kaum jemand an die Regeln. Allerdings war der Markt in Arona auch der einzige Ort, an dem ich endlich mal Polizeikontrollen gesehen habe. Direkt vor meinen Augen wurde zum Beispiel ein sehr unverschämtes Covididioten-Paar aus Deutschland zur Kasse gebeten, die die Masken verweigerten und auch rotzfrech meinten, dass die Polizisten erstmal Deutsch lernen sollten, wenn sie schon mit ihnen reden. In solchen Situationen schäme ich mich jedes Mal zutiefst fremd.

Auf den Märkten in Stresa und Intra habe ich keine Schilder gesehen, die auf Masken hinwiesen, was dazu führte, dass die meisten Einheimischen mit Masken über den Markt schlenderten und viele Touristen ohne. Die Stände waren in Stresa viel weiter auseinandergestellt, einige Händler fehlten. In Intra dagegen gab es Gänge, wo ein Abstandhalten bei größerem Andrang schlichtweg nicht möglich gewesen wäre.

Wie schon gesagt, habe ich das Gefühl, dass in den sehr touristischen Orten, die Regeln ernster genommen wurden, als weiter weg. Denn Corona hat den See hart getroffen. In Stresa zum Beispiel hatten an der Uferstraße gleich drei große Grand Hotels geschlossen, zudem viele Hotels im Ort selber. Auch einige Geschäfte sind pleite oder öffneten nur am Wochenende. Zwischen Montag und Freitag war der Ort ab circa 19 Uhr gespenstisch leer. Am Samstag dagegen war es in Stresa so rappelvoll, dass selbst auf dem großen Parkplatz am Schiffsanleger nichts mehr frei war.

Einige Restaurants hatten auch deutlich kürzere Öffnungszeiten, was manchmal mit meiner Tagesplanung schwer zu vereinbaren war. Viele haben die Preise erhöht oder – wie schon erwähnt – Coperto eingeführt.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Mein Fazit

Diese Reise zum Lago Maggiore war anders, aber dennoch schön. Ich bin wirklich froh, dass ich sie gemacht habe. Denn ein Jahr ohne Lago Maggiore hätte ich nur schwer aushalten können. Ich vermisse den See schon jetzt wieder sehr, obwohl ich erst ein paar Tage wieder hier bin.

Wenn man ein bisschen umsichtig ist und sich an die Regeln hält, kann man dort auch in Coronazeiten sehr gut in den Urlaub fahren. Und das sage ich, die aufgrund ihrer vorbelasteten Lunge lieber einmal zu vorsichtig ist als einmal zu sorglos.

Etwas geschockt und traurig war ich allerdings aufgrund des Verhaltens einiger Einheimischer fernab der klassischen Touristenorte, die ohne Maske, Abstand oder sonst was in Läden marschierten oder, noch schlimmer, dort arbeiteten. Diese Sorglosigkeit kann ich nicht nachvollziehen und ich hoffe sehr, dass ich einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war und allen Covididioten der Region auf einmal begegnet bin.

Jetzt bist du dran: Warst du seit dem Corona-Ausbruch am Lago Maggiore? Wo bist du gewesen? Wie hast du die Situation vor Ort wahrgenommen? Hast du dich sicher gefühlt?

Lust bekommen? Hier erhältst du weitere Inspiration für Ausflüge am Lago Maggiore.*

Du suchst ein Hotel am Lago Maggiore? Hier wirst du sicher fündig.*

Auf der Suche nach passender Urlaubslektüre? Dann empfehle ich dir gerne Die Tote am Lago Maggiore* von Bruno Varese.

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2 Kommentare zu “Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Ein Erfahrungsbericht (Teil 2)

  1. Steffi

    Hallo Christine, ein sehr interessanter Artikel. Wir kommen tatsächlich gerade vom Gardasee und haben sehr andere Erfahrungen mit den Italienern gemacht. Die überwiegende Mehrheit trug Maske – teilweise selbst im Freien in der Fußgängerzone. Ein Bild, das man aus Deutschland eher gar nicht kennt. Im Hotel wurde überall desinfiziert und man wurde selbst auch aufgefordert dies vor Betreten der Rezeption oder des Frühstückraums zu tun. Also alles in allem können wir vom Gardasee wirklich positiv berichten. Jene, die keine Masken trugen (oder das Prinzip nicht verstanden hatten) waren vor allem Deutsche und Österreicher… Ich finde es wirklich interessant, wie unterschiedlich Länder und Regionen damit umgehen. Lg Steffi

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Steffi,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Schön, dass du gute Erfahrungen am Gardasee gemacht hast. Mich freut insbesondere, dass ihr auch vom Personal darauf hingewiesen worden seid, dass man die Regeln befolgen soll. Das fehlte mir fast überall am Lago Maggiore. Verstoße gegen die Richtlinien wurden einfach hingenommen, was oft zu einem Dominoeffekt führte nach dem Motto “Wenn der da drüben mich nicht durch ne Maske schützt, nehme ich meine nun auch ab.”

      Aber wie schon geschrieben, es gab auch einige Leute, die sich der Problematik bewusst waren und das ganze Thema und die Umsetzung der Regeln ernst genommen haben.

      Liebe Grüße
      Christine

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