
Jeder Mensch hat Vorurteile. Beim Austausch mit meinen Lesern merke ich immer wieder, dass auch eine Menge Vorurteile über Mailand existieren. Gerne verrate ich dir in diesem Blogpost die 5 Irrtümer über Mailand, die ich am häufigsten entkräften muss.
Welche Vorurteile fallen dir spontan über Mailand ein? Ich dachte zum Beispiel immer, dass man in der Stadt gar nicht so viel Interessantes entdecken kann. Und da ich nicht so der große Mode-Freak bin, hatte ich Mailand lange nicht als Städtereiseziel auf dem Schirm.
Als ich dann Mailand das erste Mal besuchte, sprang der Funke auch nicht wirklich über. Ich reiste nämlich im Rahmen einer gebuchten Pauschalreise zum ersten Mal nach Mailand. Vor dieser beschriebenen Reise war ich beruflich so eingespannt, dass ich tatsächlich nur zum Schlafen von der Arbeit nach Hause fuhr. Es war lange nicht einmal klar, ob ich für diese Reise frei bekommen würde. Eigentlich war ich froh, dass ich mich um nichts kümmern musste, ich vertraute den Reise-Experten.
Der Ausflug nach Mailand gehörte zum gebuchten Reisepaket. Wir hatten sogar einen Reiseleiter dabei und genau der war das Problem. Immer wieder referierte dieser darüber, dass er eigentlich keine Lust auf Mailand habe und wir ihm ruhig vertrauen könnten, dass man in der Stadt nicht viel Interessantes unternehmen könne. Deshalb kürzte er uns auch die verabredete Freizeit, damit er am Nachmittag an unserem Wohnort Stresa am Lago Maggiore noch eine Grappa-Verkostung mit seinen italienischen Freunden machen konnte. Mehr als einen Spaziergang zwischen Dom, Galleria Vittorio Emanuele II und dem Castello Sforzesco schafften wir nicht. Den Dom sahen wir nicht einmal von innen, da der Reiseleiter vergessen hatte, im Vorfeld Eintrittskarten zu besorgen und die Zeit vor Ort nicht reichte, um sich anzustellen.
Bei dieser Reise habe ich sehr viel gelernt. Zum einen organisiere ich seit diesem Zeitpunkt alle meine Reisen selbst – egal wie sehr ich vorher beruflich eingespannt bin. Und zum anderen informiere ich mich mittlerweile immer sehr ausführlich vor einer Reise über den Zielort und verlasse mich nicht ausschließlich auf das Urteil eines anderen. Ich weiß, was mir gefällt, ich kann am besten einschätzen, ob es in einer Stadt was zu sehen gibt, was mir gefallen würde und niemand anderes.
Mailand habe ich seitdem unzählige Male besucht. Mittlerweile ist Mailand eine meiner Lieblingsstädte. Ich habe allerdings das Gefühl, dass Mailand in der allgemeinen Wahrnehmung bis heute ein völlig unterschätztes Städtereiseziel ist. Deshalb möchte ich mit diesem Blogpost mal ein paar Vorurteile über Mailand entkräften, die im Umlauf sind.
Irrtümer über Mailand: Die Stadt ist teuer.
Mailand ist teuer – diesen Satz höre ich mit Abstand am häufigsten, wenn ich Freunden oder Bekannten Städtereisen nach Mailand vorschlage. Oder andersrum: Wenn ich erzähle, dass ich wieder in Mailand war, fragt man mich, ob ich im Lotto gewonnen hätte, denn schließlich wisse ja jeder, dass Mailand teuer wäre. Wenn ich dann von meinen Erfahrungen berichte und einige Zahlen nenne, schaut man immer ganz ungläubig.
Wie überall auf Reisen kann man auch in Mailand sehr viel Geld ausgeben. Mit ein bisschen Vorabrecherche findet man aber durchaus bezahlbare Unterkünfte, teilweise sogar recht günstige Hotels im Zentrum von Mailand. Ich schlafe mittlerweile immer in einem Hotel ganz in der Nähe des Corso Buenos Aires, also fußläufig zum Hauptbahnhof. Zuletzt habe ich dort für ein Einzelzimmer weniger als 60 Euro bezahlt, und das mitten im Sommer. Du solltest jedoch auf dem Schirm haben, wann Großveranstaltungen wie die Fashion Week Mailand stattfinden, denn dann ist Mailand in der Tat ein teures Pflaster.
Mehr Infos zu dem Thema bekommst du in meinem Blogpost Reisezeit Mailand: Wann du in die Metropole fahren solltest.

Auch für Essen und Getränke kannst du in Mailand viel Geld ausgeben, wenn du dich nicht richtig informierst. Die Faustregel besagt: Kehre nicht in den Restaurants in der Nähe des Doms ein. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber die Gefahr, überteuerte Preise zu zahlen, ist hier am größten. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um in Mailand gut und günstig zu essen.
Mehr zum Thema verrate ich dir in meinem Blogpost Essen und trinken in Mailand: Tipps von Frühstück bis Abendessen.
Auch die Preise für Eintrittskarten zu Sehenswürdigkeiten halten sich in Grenzen, wenn du früh buchst. Wem allerdings einen Tag vor der Reise einfällt, dass man „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci sehen möchte, dem bleiben oft nur die teuren Preise der örtlichen Touranbieter.
Irrtümer über Mailand: Es ist gefährlich.

Mailand ist gefährlich – dieses Vorurteil begegnet mir vor allem im Internet immer wieder. Ich bin ja in einigen sozialen Netzwerken in speziellen Gruppen unterwegs, in denen man sich über Italien-Reisen austauscht. Dort wird immer wieder nachgefragt, wie gefährlich Mailand wirklich ist.
Ganz aufräumen mit dem Vorurteil kann ich nicht. Mailand ist eine Großstadt und dazu noch bei Touristen beliebt. Da bleibt es nicht aus, dass sich dort auch Kriminelle herumtreiben. Nun bin ich eine allleinreisende Frau mit sichtbarer Gehbehinderung. Ich kann also im Ernstfall nicht einfach weglaufen. Deshalb achte ich sehr darauf, mich nicht unnötig in Gefahr zu begeben.
Wirklich unwohl habe ich mich in Mailand bisher nur einmal gefühlt, und zwar als ich mal rund um Silvester nach Einbruch der Dunkelheit am Hauptbahnhof unterwegs war (es ließ sich leider nicht vermeiden). Das ist genau die eine Sache, von der selbst Einheimische immer wieder abraten. Nehme dir also nicht unbedingt ein Hotel direkt an der Stazione Centrale, sondern ein paar Straßen weiter.
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Ansonsten solltest du vor allem immer dann aufpassen, wenn viele Menschen zusammenkommen. Gerade in der Nähe von Sehenswürdigkeiten sind auch zahlreiche Taschendiebe unterwegs. Mache es ihnen nicht zu leicht.
Was ich in Mailand aber auch immer wieder beobachte: Gerade an den Hotspots, wo viele Taschendiebe unterwegs sind, ist die Polizei sehr präsent.
Bei meiner jüngsten Reise nach Mailand waren auf dem Domplatz zeitgleich zwei Situationen, in die die Polizei eingreifen musste. Einmal legten sie einem Taschendieb das Handwerk, der Touristen bestehlen wollte, die Tauben fütterten und Fotos machten. Sie bemerkten den Diebstahl eher als die Opfer selbst. Und zum anderen ist ein Typ auf dem Domplatz komplett ausgerastet und randalierend Richtung Domeingang gerannt. Der ist nur wenige Schritte weit gekommen, denn erst in dem Augenblick wurde klar, wie viele Zivil-Beamte auch zugegen waren und eingriffen.
Irrtümer über Mailand: Die Stadt besteht nur aus Dom und Shoppingstraßen.

Mailand ist langweilig – auch diesen Satz habe ich schon häufig gehört, wenn ich begeistert über meine Mailand-Reisen berichtet habe.
Wenn dieser Satz fällt, muss ich mich immer extrem beherrschen, auch die richtigen Worte zu wählen. Denn jeder, der diesen Satz sagt, entlarvt sich und seine Unwissenheit nur selber. Denn Mailand ist nicht langweilig. Im Gegenteil: Mailand ist die facettenreichste Stadt in ganz Italien – zumindest in meinen Augen.
Oft heißt es: Mehr als Dom und ein paar teure Modegeschäfte bietet Mailand ja nicht. Wenn man so denkt, hat man sich niemals wirklich mit Mailand beschäftigt. Mailand bietet wirklich für jeden Geschmack tolle Dinge.
Foodies sind im Viertel Chinatown bestens aufgehoben oder können sich durch die Fashion Cafés schlemmen. Wer Kultur mag, darf natürlich das Teatro alla Scala nicht verpassen und hat eine riesige Auswahl an Museen. Und Architektur-Freunde dürfen in keinem Fall das Viertel Porta Nuova auslassen. Selbst für Kinder bietet Mailand eine Menge. Und ja, Shoppingfreunde kommen in Mailand natürlich auch auf ihre Kosten. Ich persönlich liebe ja das Navigli Viertel, denn im Kanal-Quartier wirkt Mailand ein bisschen wie Venedig.
Mehr Infos zu dem Thema verrate ich dir in dem Blogpost Die schönsten Viertel in Mailand.
Irrtümer über Mailand: Die Einwohner sind oberflächlich und arrogant.
Mailänder sind super arrogant – dieses Vorurteil über die Bewohner Mailands hält sich sehr hartnäckig. Oft wird Mailand als die Stadt des schönen Scheins dargestellt und Mailändern wird vorgeworfen sehr kühl zu sein. Ganz ehrlich: Dieses Vorurteil über Mailand wurde mir so oft erzählt, dass ich es zwischenzeitlich schon fast selber geglaubt hatte.
Und ja: Es kann durchaus passieren, dass du rund um den Dom-Platz im Goldenen Viertel in den teuren Mode-Boutiquen oder in angesagten Restaurants recht seltsam angeschaut wirst, wenn du den Laden betrittst und nicht gerade nach Geld aussiehst. Ist mir auch schon passiert. Aber diese Orte sind eben nicht ganz Mailand.
In den vergangenen Jahren habe ich in der Regel sehr nette und hilfsbereite Menschen in Mailand erlebt. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Kassierer im Teatro alla Scala, der mich und meine Eltern zum absoluten Sonderpreis ins Museum gelassen hat, obwohl er für eine meiner Begleitpersonen den vollen Preis hätte nehmen können (ich selbst habe einen Schwerbehindertenausweis und bekomme für mich und eine Person Rabatt). Im Teatro selber hat ein Mitarbeiter uns eine Loge freigeräumt, damit wir die Generalproben von „Ali Baba und die 40 Räuber“ bequemer verfolgen konnten. Im Bus helfen mir wirklich immer Mailänder Geschäftsmänner mit meinem Gepäck, und zwar völlig selbstverständlich und unaufgefordert. Ich könnte noch viele weitere positive Beispiele aufzählen. Blöd dagegen waren nur einmal eine Kassiererin am Stadion San Siro, eine Mitarbeiterin im Armani-Store und ein Kellner im Sophia Loren Restaurant.
Hilfreich ist in vielen Situationen übrigens, wenn du ein bisschen Italienisch kannst. Man kann sich zwar in Mailand sehr gut auf Englisch verständigen, aber zumindest ein „Ciao“ oder „Buongiorno“ kann man ja lernen, oder? Es ist zumindest eine sehr schlechte Idee, Italiener einfach ganz selbstverständlich auf Deutsch anzuquatschen. Auch das habe ich schon oft erlebt und mich sehr fremdgeschämt. Dann wundert es mich auch manchmal nicht, wenn es eine Reaktion der Einheimischen gibt, die man als arrogant werten könnte.
Irrtümer über Mailand: Die Stadt ist un-italienisch.

Mailand wirkt nicht wie Italien – dieser Satz ist mir ebenfalls schon häufiger begegnet. Anfangs habe ich gar nicht richtig verstanden, was damit gemeint ist. Denn in meinen Augen ist Mailand Italien pur: Es gibt schöne Kunst, wunderbare kulturelle Einrichtungen, großartiges Essen, wahnsinnig gut angezogene Menschen und so weiter. All das sind Dinge, die ich mit Italien verbinde.
Doch selbst viele Italiener lästern über Mailand und bezeichnen es als un-italienisch. Statt „La dolce vita“ und dem „Dolce far niente“ liege der Schwerpunkt zu sehr auf Arbeit. Mailand ist immerhin das wirtschaftliche Zentrum von Italien. Hier läuft vieles geordneter und strukturierter ab als im restlichen Land. Deshalb lästern viele Italiener, dass es eher preußisch sei als italienisch. Dabei hat Mailand so viel Italienisches, den Aperitivo, den Style und wer einmal im Navigli Viertel ausgegangen ist und das pure Leben dort gesehen hat, würde nie auf die Idee kommen, dass dieses Vorurteil stimmen könnte.
Das Vorurteil, dass Mailand un-italienisch sei, kommt auch daher, dass die Stadt als kalt und grau gesehen wird. Hier soll es mehr Nebel geben als im restlichen Italien und auch das Wetter ist natürlich nicht immer so gut wie im Süden. Grau ist Mailand aber ganz und gar nicht. Es gibt so viel coole Street Art und Farben an jeder Ecke. Und wer das Meer und Palmen vermisst, ist nur eine kurze Zugfahrt davon entfernt.
Jetzt bist du dran: Fallen dir spontan Vorurteile über Mailand ein? Oder kennst du weitere Irrtümer über Mailand? Warst du schon in Mailand? Wenn ja: Was hast du für Erfahrungen in Mailand gemacht? Wenn nein: Könntest du dir vorstellen, Mailand zu besuchen?
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