Warum ich mich selbst ungern als Blogger bezeichne

Seit Oktober 2015 führe ich nun schon meinen Reiseblog. Ich kümmere mich täglich darum, hätte nie gedacht, wie viel Spaß, aber auch Arbeit er mir bereiten würde. Ich möchte meine Plattform nicht mehr missen. Dennoch erzähle ich anderen Menschen fast nie von meinem Blog und meiner Tätigkeit als Bloggerin.

Wenn ich anderen Menschen, die selbst nicht bloggen, dann doch von meinem Blog berichte, schiebe ich meist entschuldigend eine Einordnung hinterher. Ich betone dann meine journalistische Ausbildung, wenn derjenige nicht mehr über mich weiß, oder ordne meine Seite und meine Tätigkeit ein. Aber warum? Aus Scham.

Ja, richtig gelesen. Eigentlich ist so eine Seite ja nichts, für das man sich schämen sollte. Stolz sollte das vorherrschende Gefühl sein. Schließlich ist man Allroundtalent, kümmert sich um Texte, Fotos, Marketing und Technik. Woher kommt also das Blog-Shaming? In der Blogger-Community irren einige Menschen herum, mit denen ich einfach nicht verglichen werden möchte. Blogger ist nämlich nicht gleich Blogger.

Es ist nur eine kleine Gruppe, die die anderen Blogger in ein schlechtes und falsches Licht rückt. Aber diese kleine Gruppe scheint mir sehr präsent und ich habe das Gefühl, dass dieser Bloggertyp sich derzeit wie eine Seuche ausbreitet. Und das ist schade. Denn von den Bloggertypen, die ich für mich persönlich definiert habe, sind die Typen 1 bis 4 wirklich toll.

Bloggertyp 1: Der Vollprofi

Der Vollprofi ist von Beruf Blogger. Er veröffentlicht mehrmals die Woche neue Texte auf seiner Seite, die sprachlich und vom Layout top sind. Zusätzlich ist er auf zahlreichen Social-Media-Plattformen erfolgreich unterwegs und nimmt an Bloggertreffen oder anderen Veranstaltungen teil. Er kann von den Einnahmen seiner Seite und Tätigkeiten, die sich durch den Blog ergeben (etwa anderweitige Schreib- oder Fotoaufträge), leben. Ich habe das Gefühl, dass viele diesen Beruf anstreben, aber auch unterschätzen, dass sich die meisten Berufsblogger sieben Tage die Woche oft weit mehr als acht Stunden täglich mit ihrem Projekt beschäftigen (müssen).

Bloggertyp 2: Der Halbprofi

Der Halbprofi hat ebenfalls eine top geführte Seite und unterscheidet sich vom Berufsblogger eigentlich „nur“ dadurch, dass er neben dem Blog noch einem Beruf nachgeht beziehungsweise, der Blog neben dem Beruf läuft. Dadurch postet er nicht so oft neue Texte wie der Berufsblogger. Er hat aber auch eine große Reichweite, durch die er oft Kooperationen erhält. Voll- und Halbprofis kommen überdurchschnittlich oft aus der Medienbranche oder haben ein außerordentliches Schreibtalent.

Bloggertyp 3: Der professionelle Hobbyblogger

Der professionelle Hobbyblogger bloggt aus Spaß an der Freude, zeigt aber durch ein professionelles Logo, große Sorgfalt beim Lektorat und Schreibtalent, dass er das Zeug für mehr hätte. Er hegt aber keine Gewinnabsichten und tut sich deshalb den Stress von Kooperationen nicht an. Der Blog ist reines Hobby.

Bloggertyp 4: Der reine Hobbyblogger

Der reine Hobbyblogger hat nicht unbedingt das perfekte Händchen fürs Texten, Lektorat oder eine perfekte Bildauswahl. Muss er aber auch nicht. Er genießt, dass es die Möglichkeit gibt, seine Gedanken der Welt mitzuteilen und findet meist viele Gleichgesinnte in der Blogger-Community.

Bloggertyp 5: Der talentfreie Möchtegern-Star

Der fünfte Typ ist der, den ich überhaupt nicht leiden kann. Er startet einen Blog, weil er möglichst schnell reich und berühmt werden möchte. Er ist meist völlig talentfrei, was das Texten angeht und nimmt es mit der Rechtschreibung nicht so genau (damit meine ich keine Flüchtigkeitsfehler, die jedem passieren, sondern Dinge, die mein Patenkind, das noch in der Grundschule ist, nicht falsch machen würde). Oft ist dieser Typ nicht viel älter als 20 und stellt in Blogger-Gruppen oft Fragen wie „Wie komme ich an Gratis-*bitte beliebiges Produkt oder beliebige Dienstleistung einsetzen*. Wie viel Arbeit ein Blog macht, wird gnadenlos unterschätzt und wenn der Typ nicht bekommt, was er möchte, ist das Geheule groß.

Natürlich habe ich nun viel verallgemeinert. Die Übergänge zwischen den einzelnen Gruppen sind oft fließend und jeder ist ein bisschen anders. Aber alle diese beschriebenen Typen sind Blogger. Wer soll da noch durchblicken, wenn von „den Bloggern“ die Rede ist?

Wer oder was ist überhaupt ein Blogger?

Viele Menschen, die nicht zur Blogger-Community gehören, können mit dem Begriff des Bloggers ohnehin nichts anfangen. Sie hören ihn zwar oft, aber können ihn nicht einordnen. Mein 88-jähriger Opa weiß nicht, was ein Blogger ist oder macht. Selbst einige meiner Arbeitskollegen, die natürlich weitaus jünger sind als mein Opa, wissen es nicht genau. Sie brauchten eine genaue Erklärung, als ich ihnen von meiner Seite erzählt habe. Zumal sich heute einfach fast jeder Blogger nennt, selbst Leute, die gar keine Blogger sind.

Oft lese ich Dinge dieser Art im Netz: „Bloggt ihr auch auf Instagram?“ Schätzchen, du bist kein Blogger, wenn du auf Instagram ein paar Bildchen hochlädst. Laut Wikipedia ist ein Blogger jemand, der „Herausgeber oder Verfasser von Blogbeiträgen“ ist. Und auch der Duden betont, dass ein Blogger jemand ist, der „an einem Blog (mit)schreibt““. Instagram hingegen ist eine von vielen Social-Media-Plattformen, die ich zusätzlich zu meinem Blog nutze. Aber unfassbar viele Instagrammer nennen sich mittlerweile auch Blogger. Sie sind absolut nicht mit denen vergleichbar, die kostbare Zeit, Mühe, Liebe und auch Geld in den Aufbau und die Pflege einer Website gesteckt haben und täglich stecken.

Mit dem Begriff des Bloggers wird ebenso inflationär umhergeworfen, wie mit dem des Influencers, der derzeit allgegenwärtig zu sein scheint. Aber im Gegensatz zu Ersterem ist nicht festgelegt, ab wann sich jemand Influencer nennen kann. Deshalb macht es – gefühlt – einfach jeder, der in der Lage ist, ein Smartphone zu halten: „Influencer“ ist das neue „Schmuckdesignerin“. Es scheint, als sei ich in der Blogger-Community umgeben von vielen Möchtegern-Stars. Das ist eine Scheinwelt, zu der ich nicht gezählt werden möchte und das sind Menschen, mit denen ich nicht verwechselt werden möchte, wenn ich mich als Bloggerin vorstelle. Deshalb werde ich auch weiterhin außerhalb der Blogger-Community als Journalistin auftreten, die auf ihrer eigenen Internetseite ihre Reisetipps und Erlebnisse veröffentlicht und das Wort Bloggerin nicht so oft verwendet, um ihr Tun zu beschreiben.

Und nun bist du dran: Was denkst du über dieses Thema? Welcher Bloggertyp bist du? Kannst du dich überhaupt einordnen? Bloggst du oder hast du es irgendwann mal vor? Oder bist du kein Blogger und beobachtest die Branche von außen? Nimmst du Typ 5 auch so präsent wahr?

9 Kommentare zu “Warum ich mich selbst ungern als Blogger bezeichne

  1. Kathleen

    “Influencer ist die neue Schmuckdesignerin” 😂 Made my day, wie man heute so schön sagt! Ich kann dir in allen Dingen nur Zustimmen. Wenn ich sage, ich bin Designerin und Bloggerin, komm ich mir auch komisch vor, weil sich jeder so nennen darf. Deshalb sag ich es so gut wie nie.

  2. Barbara

    Danke Danke Danke Danke Danke Danke! Für deine Worte, die sich sicher ganz viele genauso denken, wie ich! Mir geht´s ganz gleich, und ich sage nicht “Ich bin Bloggerin” sondern “Ich habe einen Reiseblog”. Das klingt schon weniger nach mir und mehr nach der Sache, für dich ich meine Zeit opfere!

    Einordnen könnt ich mich wohl irgendwo in zwischen 3 und 4 würd ich sagen, aber jedenfalls gehen mir die Fünfer ziemlich am Geist 😉 Aber glaub mir, sowas gibt´s in jeder Branche! Weißt du wie oft ich mich als Psychologin über sogenannte “Life-Coaches” ärgere, die ein Jahr irgendeinen Schnellkurs gemacht haben und sich nun als Guru anpreisen, der die Leute von jeglicher Negativität befreit? Aber zumindest bin ich über meinen geschützten Berufsbegriff froh 😉

    LG Barbara

  3. Pia

    Ich betreibe meinen Blog rein aus Freude am Schreiben. Er ist Ventil, welches ich nicht mehr missen möchte.
    Der 5. Typ fällt mir nicht so sehr auf, aber eben die vielen “Insta Blogger“.
    Auch ich sage nicht, dass ich Bloggerin bin (außer in meiner Profilbeschreibung auf Instagram – einfach weil es kürzer ist), sondern eben, dass ich einen Blog habe.

    Ich bin wohl Typ 4, und zur Zeit auch noch recht zufrieden damit. Trotzdem arbeite ich darauf hin, etwas “professioneller“ zu arbeiten. Aber neben der Ausbildung bleibt da oft einfach keine Zeit.

    Gruß und Kuss,
    PiusLucius

  4. Christine Autor des Beitrags

    @Kathleen: Es freut mich, dass dir der Text gefällt. Ich hatte anfangs Bedenken, ob ich überhaupt über dieses Thema schreiben soll, aber dafür ist so ein Blog ja auch schließlich da: Um mal seine Gedanken und seine Meinung zu einem Thema darzustellen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so vielen anderen Kollegen ähnlich geht.

    @Barbara: Bitte. 😉 Das kann ich mir vorstellen, dass jemand, der ein langes Studium hinter sich hat, um Psychologin zu werden, sich über “Life-Coaches” und was es noch alles gibt, ärgert. Mir krümmen sich auch jedes Mal die Zehennägel, wenn jemand meint “Ich bin auch son Schreiberling wie du!” Wenn man dann nach ner Ausbildung fragt, kommt meist nicht viel. Dann komme ich mir als Mensch mit Studium, unzähligen Praktika, Volontariat und einigen Jährchen Berufserfahrung als Redakteurin echt – entschuldige bitte die Ausdrucksweise – vera*scht vor. Jemand, der ernsthaft journalistisch arbeitet, nennt sich außerdem nicht “Schreiberling”.

    @Pia: Das Zeitproblem kenne ich, das bremst mich leider auch oft aus. Zu viele Ideen für zu wenig zeitliche Ressourcen. Aber ich bin immer überrascht, wie schnell man sich mit seinem Blog weiterentwickelt und wie viel man auch lernt.

    Liebe Grüße an alle und einen schönen Sonntag!
    Christine

  5. Luise

    Liebe Christine,
    Ein sehr interessanter Beitrag!
    Ich habe es auch ganz lange geheim gehalten, dass ich gerne mal blogge. Erst als ich eine Facebookseite erstellt habe, bin ich offen auf Leute zugegangen, da das Ganze ja nicht mehr zu verheimlichen war 😀

    Ich weiß genau was du meinst. Mit manchen Leuten möchte man nicht verglichen werden, und ich habe wirklich NOCH NIE jemanden getroffen, der kein Blogger war, der mir nicht skeptisch angeguckt hat, als ich mit dem Blogger Thema um die Ecke kam.

    Allerdings merke ich, dass auch ich Berufe habe denen ich skeptisch gegenüber stehe. Ich finde es nur blöd das irgendwie alle Blogger erstmal seltsam finden 😀

    Ich hoffe sehr, dass ich mich in naher Zukunft, mehr traue meinen Reiseblog zu erwähnen. Vielleicht schreibe ich mir mal eine kleine Blogger Verteidigungsrede, damit ich für alles gewaffnet bin 😀

    Vielen Dank für den Artikel!
    Ich wünsche dir noch einen wunderschönen Tag
    Liebe Grüße
    Luise

  6. Lexa

    Ein sehr schöner Artikel. 🙂 Deine fünf Typologien stimmen absolut. Klar sind die Übergänge fließend, ich selbst könnte mich zum Beispiel nicht einordnen, da es erstens ein Hobby ist, aber mir doch ab und zu Geld bringt, aber der Grundgedanke stimmt.
    Und die Nummer 5 ist wirklich schlimm. Ich habe auch das Gefühl, dass sie immer mehr werden. Seid das Wort “Influencer” gebräuchlich ist, werden es immer mehr, die denken so schnell viel Geld und Ruhm zu erhalten. Die ruinieren den Ruf von allen anderen, die viel Zeit und Herzblut in ihre Blogs stecken.
    Von den Instagrammern fang ich lieber gar nicht erst an, da krieg ich Pickel, wenn ich nur dran denke…

    LG Lexa

  7. Christine Autor des Beitrags

    @Luise: Danke für deinen Kommentar. Das mit der Verteidigungsrede ist wirklich eine gute Idee! 😀 Das muss ich mir merken. 😉

    @Lexa: Danke für die Blumen. Ich kann mich auch nur selbst schwer bei den Typologien einordnen. Ich sehe mich derzeit so zwischen 2 und 3. Über die Instagrammer könnte man ganze Abhandlungen schreiben. Aber das würde nur wertvolle Lebenszeit kosten. Ich hoffe, dass dieser Hype bald vorbei ist.

    Liebe Grüße und euch einen schönen Abend,
    Christine

  8. Wolfram D.

    Wahrscheinlich bin ich “Typ 3” in Deinem System, wobei sich mir noch nicht erschließt, warum ich ein Logo brauchen sollte. Ich blogge seit 2006 und hatte auch immer wieder anderweitig die Rolle des professionellen Schreibers inne (im Sinne von: bezahlt.) Seitdem hat sich die Landschaft krass verändert. Von einer bunten “Blogosphäre” voller lustiger Vögel, die gegenseitig bei sich kommentieren, scheint nur noch ein Haufen verwirrter Clickbaitschlampen (m/w) übrig. Dafür gibt es ein viel genaueres Bild davon, was Bloggen angeblich ist. Kurzum, ich sehe mich selbst nicht mehr als Blogger. Dafür habe ich dieses Jahr das erste Mal seit sehr langer Zeit wieder auf einer Bühne gelesen. Diese “alte Welt” des Textes ist doch sehr erfrischend, ich hatte große Freude daran, endlich ehrliche und direkte Reaktionen auf meine Texte zu bekommen.

  9. Pingback: Linkliebe № 12 | LexasLeben

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