ITB 2020: Satz mit X, das war wohl nix

Monatelang hatte ich mich auf meine erste ITB gefreut. Ich wollte mich in den unzähligen Messehallen für meine kommenden Reisen inspirieren lassen, endlich Bloggerkollegen kennenlernen, denen ich bisher nur virtuell begegnete und potenzielle Kooperationspartner treffen. Ich freute mich wirklich sehr auf meine erste Reisemesse. Doch es sollte nicht sein. Die ITB wurde aufgrund des Coronavirus abgesagt. Eine richtige Entscheidung?

Ich hatte mich nicht nur monatelang auf meine erste Reisemesse gefreut, ich habe auch viel Zeit in die Vorbereitung investiert. Alles war neu und ich musste mich in einige Themen erstmal reinfuchsen. Wie ich mich genau auf meine erste ITB vorbereitet hatte, habe ich von Akkreditierung über Blogger Speed Dating bis zur weiteren Terminvergabe in zwei Texten genau dokumentiert (hier geht’s zu Text 1 und hier zu Text 2).

Absage der ITB 2020: Zweifel und Überlegungen

Schon einige Zeit vor der Abreise nach Berlin war meine Vorfreude etwas getrübt. Irgendwie bekam ich wegen der Ausbreitung des Coronavirus ein ungutes Bauchgefühl. Und so wirklich Lust auf mein Berlin-Programm neben der Messe hatte ich plötzlich auch nicht, obwohl ich sonst immer Lust habe, zu verreisen. Statt Vorfreude hatte ich das Gefühl, mir stünde ein Besuch beim Zahnarzt bevor. Und ich hasse Zahnärzte wie die Pest …

Einer meiner größten Schwerpunkte auf meiner Website ist Norditalien. Ich hatte vor der ITB zahlreiche Termine mit Ausstellern aus der Lombardei und dem Piemont ausgemacht und erhoffte mir einige Kooperationen. Doch ausgerechnet ein Großteil der Termine, auf die ich mich am meisten freute, wurden vor der Messe nach und nach abgesagt, weil die Aussteller aufgrund des Virus nicht zur Messe kommen wollten. Meine Zweifel begannen.

Würde sich so ein Messebesuch für mich überhaupt noch lohnen? Ich wohne immerhin in Bochum und nicht im Berliner Umland. Sollte ich nur für wenige Termine anreisen? Eine Woche vor Messestart waren meine Zweifel und die Verunsicherung groß und ich schlief durch das viele Grübeln sehr schlecht. Denn da war noch was.

Absage der ITB 2020: Gesundheitliche Vorbelastungen

Als kerngesunder Mensch hätte ich mir vielleicht nicht so viele Gedanken gemacht. Aber seit etwas mehr als 20 Jahren habe ich ein paar Probleme mit meiner Lunge. Ich hatte 1999 mehrere Operationen an der Wirbelsäule und bei einer OP musste mein linker Lungenflügel für die Stunden der Operation “außer Betrieb genommen” werden, um die Lunge nicht zu verletzen. Mir wurde es immer so erklärt, dass die Luft, wie bei einem Luftballon, herausgelassen wurde. Nach der OP wurde die Lunge wieder langsam mit Luft gefüllt und ich musste einige Zeit Atemübungen mit so komischen Masken machen, um die Lunge zu trainieren. Seit dieser Zeit habe ich regelmäßig Probleme mit der Atmung und bin sehr anfällig für Bronchitis. Auch Husten bei harmlosen Erkältungen werde ich nur schwer wieder los.

Irgendwann überwogen bei all meinen Überlegungen die Gründe, die gegen die ITB sprachen. Ich wünschte mir für meine erste Reisemesse einen Ort, der mich für neue Destinationen begeistern kann, wo ich mich treiben lassen kann, auch mal die Zeit vergesse und wo ich neue Inspiration sammeln könnte. Ich wollte keinen Besuch, bei dem ich jedes Mal zusammenzucke, wenn jemand hustet. Und ich wollte nicht ganz genau darauf achten müssen, niemandem die Hand zu geben. Eine ITB mit angezogener Handbremse? Nein, das wollte ich nicht. Erst recht die erste ITB meines Lebens sollte nicht so sein.

Kurz nachdem ich für mich entschieden hatte, die ITB 2020 nicht zu besuchen, wurde die Reisemesse offiziell abgesagt. Für eine kostenlose Stornierung meines Hotels war es da schon zu spät. Leider.

Absage der ITB 2020: Panikmache und Polemik in Medien und sozialen Netzwerken

Was mich stellenweise bei der ganzen Thematik wütend gemacht hat, war das Verhalten einiger Idioten in den Medien und (a)sozialen Netzwerken.

Auf der einen Seite gibt es die totale Panikmache: Zeitungen starten Live-Ticker und berichten minütlich über neue Verdachtsfälle und ob infizierte Menschen gegähnt, gefurzt oder sonstwas haben. Experten, und vor allem selbsternannte Experten, melden sich zu Wort und jeder, der Ahnung oder auch nicht hat, muss seinen Senf zu dem Thema dazu geben. Hauptsache, man pustet Content in die Welt. Ob der fundiert oder sinnvoll ist … geschenkt.

Und dann gibt es das andere Extrem, nämlich diejenigen, die sich, zum Beispiel auf Facebook, mit ganz viel Polemik über die sicherlich gut überlegten Entscheidungen von ITB-Absagern und die ITB-Absage selbst lustig gemacht haben.

Warum muss man alles und jeden be- und verurteilen? Ich für meinen Teil habe ganz rational überlegt und wäre auch nicht zur ITB gefahren, wenn sie nicht offiziell abgesagt worden wäre, was insbesondere an meiner vorbelasteten Lunge gelegen hätte. Und ja, ich bin – auch in anderen Situationen – lieber einmal zu viel vorsichtig als zu wenig. Aber so ist das ja in den (a)sozialen Netzwerken oft. Andere verurteilen schnell andere Leute und machen sich pauschal über sie lustig. Wenn man sonst nichts zu tun hat …

Absage der ITB 2020: Sieg der Vernunft

Ich finde, die Absage der ITB – so tragisch das auch ist – richtig und vernünftig. Insbesondere, da ich auch dem Krisenmanagement vor Ort nicht so ganz vertraut hätte. Ursprünglich war ja vorgesehen, dass alle Mitarbeiter der 10.000 Aussteller im Vorfeld einen Zettel ausfüllen und angeben müssen, ob sie 14 Tage vor der ITB in einem Coronavirus-Krisengebiet waren. Alle, auf die das zugetroffen hätte, hätten keinen Zugang zur Reisemesse bekommen.

Was genau nützt es, 10.000 Aussteller zu kontrollieren, aber 160.000 Fachbesucher nicht? Sind etwa nur Aussteller ansteckend? Genauso hätte man auch ein Schild an die Eingangstüren der Messe hängen können mit der Aufschrift: „Liebe Coronaviren! Bitte bleibt draußen!“ Das wäre ähnlich effektiv gewesen. Nein, je mehr ich darüber nachdenke, umso richtiger finde ich die Entscheidung. Auch wenn das Geld für mein Hotel nun futsch ist. Meine Gesundheit ist mir einfach wichtiger.

Absage der ITB 2020: Und jetzt?

Ich warte erst einmal ab, was die neue Woche so bringen wird. Viele Aussteller haben ja auch erst seit Freitagabend die Gewissheit, dass ihr Messebesuch endgültig nicht stattfindet. Diejenigen, mit denen Termine vereinbart waren, und mit denen ich mir auch eine Zusammenarbeit vorstellen könnte, werde ich wohl nach und nach kontaktieren. Vielleicht ergibt sich ja doch noch etwas.

Mir und auch vielen anderen bleibt nichts anderes übrig, als sich nun auf die ITB 2021 zu freuen. 2020 sollte es dann wohl einfach nicht so sein. Immerhin weiß ich nun schon, wie ich eine Akkreditierung beantragen muss und wie viele andere Dinge laufen. Die Vorbereitung auf die ITB 2021 sollte also nicht mehr so viel Zeit fressen wie in diesem Jahr.

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Weiterlesen: Wie ich versuche, die Coronakrise sinnvoll zu nutzen, erkläre ich in diesem Blogpost.

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4 Kommentare zu “ITB 2020: Satz mit X, das war wohl nix

  1. Bolle

    Liebe Christine,

    wir können deinen “Frust” voll verstehen. Wir ware auch voller Vorfreude auf die ITB. Es ist sehr sehr schade, dass sie abgesagt wurde. Am Ende ist es aber sicherlich die richtige Entscheidung, dass die Messe nicht stattfindet. Wie du schon sagtest, die vorab festgelegten “Sicherheitsmaßnahmen” hätten sicherlich auch nicht viel gebracht. Freuen wir uns eben alle auf 2021 🙂

    Liebe Grüße von der Ostsee
    Bolle

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Bolle,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, lieber einmal zu vorsichtig als am Ende der “Super-Gau”.

      Liebe Grüße aus dem Ruhrpott
      Christine

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Michelle,

      ja, das habe ich auch nicht verstanden. Da arbeitet niemand Hand in Hand, alles wirkt planlos. Unfassbar eigentlich. Man sollte bei dem Thema schon eine klare Strategie verfolgen und nicht mal so und mal so entscheiden.

      Liebe Grüße
      Christine

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