Autopanne in Italien: Ärger mit Antje

Autopanne in Italien Aufmacher 2 bearbeitet kleinIrgendwie hofft man ja, dass es einem nie selber passiert, aber wenn man mit dem Auto in den Urlaub fährt, besteht natürlich auch immer die Gefahr einer Panne. Ich verreise seit vielen Jahren mit meinem Auto, bisher hatte ich immer Glück. Bis vor drei Tagen: Ich hatte eine Autopanne in Italien.

Für mich ist ein Auto nicht selbstverständlich. Ich weiß, es ist ein Gebrauchsgegenstand, aber es dauerte einige Zeit, bis ich während des Studiums so viel Geld gespart hatte, dass ich mir ein Auto leisten konnte. Ich habe mich damals so sehr gefreut, dass ich endlich – mit fast 24 – ein eigenes Auto hatte, dass ich ihm einen Namen gab. Mein niederländischer Onkel besorgte es mir in der Nähe von Rotterdam bei einem Händler aus dem Bekanntenkreis. Und da ich einen typisch niederländischen Namen wollte, fiel die Wahl auf Antje.

Mein erster Wagen wurde leider nur dreieinhalb Jahre alt. Ein betrunkener Mensch hat es zu Schrott gefahren, als es vor meiner Wohnung parkte. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich bekam mein zweites Auto und taufte es wieder Antje, Antje 2.

Antje 2 und ich sind eigentlich ein gutes Team. Mittlerweile hat sie hin und wieder altersbedingt ein paar Wehwehchen, aber wenn es ernst wurde, konnte ich mich immer auf sie verlassen. Vor Reisen lasse ich sie natürlich immer checken. Mein Vater kümmert sich netterweise darum, er versteht einfach mehr davon. Doch bei aller Vorsicht kann man manche Dinge einfach nicht verhindern.

Autopanne in Italien: Ein platter Reifen im Nirgendwo

Autopanne in Italien Bild 3 bearbeitet 2 kleinMeine Autopanne passierte an einem Tag, an dem ich tatsächlich morgens schon beim Aufstehen keine Lust mehr hatte. Ich hatte einen kleinen Ausflug vom Lago Maggiore zum Ortasee geplant, wollte dann wieder rüber zum Lago Maggiore, um in Arona den Schokoladenoutlet von Laica zu besuchen, der sich zwei Tage später in eine vierwöchige Sommerpause verabschieden wollte. Ich wollte möglichst früh wieder in meinem Wohnort Stresa sein, da ich noch ein bisschen was wegarbeiten musste.

Wenn ich mir unbekannte Strecken in Italien fahre, dann versuche ich, möglichst früh zu starten, um nicht ganz so viel Verkehr zu haben. Viele Italiener fahren leider als säßen sie in einem Panzer und würden in den Krieg ziehen. Der Vergleich kommt übrigens nicht von mir. Er stammt aus einer Facebook-Gruppe, in der sich Einwohner von Stresa austauschen und eine Einwohnerin formulierte es so. Leider sehr treffend, wie ich finde.

Mit dem richtig frühen Start wurde es nichts, weil ich den Wecker überhörte. Als ich dann aufwachte und dies bemerkte, schoss ich wie eine Bekloppte ins Bad, machte mich fertig und startete um 6.30 Uhr meinen Ausflug. Es würde ja nicht lange dauern, dachte ich da noch. Zwei, höchsten drei Stunden und ich würde wieder in Stresa sein – von wegen.

Die Fahrt zum Ortasee verlief ohne Probleme, am Ortasee war ich dann aber sehr genervt. Am Westufer waren diverse Straßen, die den Namen gar nicht verdient hatten, es gab Schlaglöcher ohne Ende. Es war eng, dunkel und obwohl es früh morgens war, drängelten, hetzten und beschimpften mich die wenigen anderen Autofahrer, wenn ich mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielt oder bei Überholverbot vor einer Kurve in den Bergen den Rollerfahrer nicht überholte, sondern wartete, bis ich freie Sicht hatte. Wie das in Italien so ist.

Als ich endlich den Ortasee hinter mir gelassen hatte, die Straßen breiter wurden und ich quasi zwischen beiden Seen war, passierte es. Ich hörte ein komisches Geräusch. Antje lief nicht rund. Ich fand eine Haltebucht, stieg aus und sah das Malheur. Aus dem Reifen hinten rechts trat Luft aus. Und zwar verdammt viel und das sehr schnell. Man hörte es richtig zischen.

Natürlich passiert so etwas immer mitten in der Pampa. Ich fragte Google Maps, wo ich mich überhaupt befinde und sah eine Tankstelle, keine 800 Meter von meinem Standort entfernt. Mit Warnblinkanlage und im Schneckentempo rettete ich mich bis zur Tankstelle, um dann auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. An dieser Tankstelle würde mir niemand helfen, heute nicht, morgen nicht und übermorgen auch nicht: 24 Stunden Selbstbedienung. Nicht einmal Toiletten gab es. Herzlichen Glückwunsch.

Autopanne in Italien: Anruf beim Pannendienst

Autopanne in Italien Bild 4 bearbeitet kleinDas ist ja auch so ein Unding, was mich unglaublich nervt. In der Schweiz und in Italien ist das mittlerweile unheimlich verbreitet, dass an Tankstellen nur noch Zapfsäulen und Kreditkartenschlitze sind. Eine Tankstelle ist für mich immer ein Anlaufpunkt, wenn ich Fragen zur Umgebung habe, im Zeitalter vor Google und Smartphone konnte man da nach dem Weg fragen, auf Toilette gehen und oft gab es noch eine kleine Werkstatt nebenan. Dieser immer mehr verbreitete Personalabbau in Personalunion mit weniger Service schmeckt mir nicht. Und das schreibe ich nicht nur, weil es mich hier besonders traf. Das ist so eine Sache, die mich generell sehr stört. Es gibt Orte und Situationen, da benötigt man Menschen und keine Maschinen.

Nun stand ich also da mitten in der Pampa mit meinem platten Reifen. Noch bevor ich beim Pannendienst anrief, telefonierte ich mit meinem Vater. Ich musste einfach erstmal erzählen, was passiert war. Dann kam die Notfallkarte aus meinem Portemonnaie zum Einsatz. Meine Versicherung für das Auto inkludiert nämlich einen Pannenschutz. Und der zahlte sich in dem Fall aus.

Ich rief die deutsche Servicenummer auf der Notfallkarte an und sprach mit jemandem, der mir in gebrochenem Deutsch erklärte, dass ich falsch sei und mich weiterverband. Auch der Herr, der nun am anderen Ende dran war, war nicht zuständig, aber er verstand meine Sprache und verband mich mit einer Mitarbeiterin. Und diese Frau war mein Glück.

Kurz nach dem Gespräch war ich noch irritiert, weil es mehr als eine halbe Stunde dauerte, bis wir Standort und andere Infos ausgetauscht hatten. Mittlerweile freue ich mich sehr über ihr akribisches Nachfragen, und das mehrfache Absichern von ihrer Seite aus, ob sie auch wirklich meinen richtigen Standort hatte. Nicht auszudenken, wenn sie den nicht gehabt hätte. Leider habe ich ihren Namen nicht, ich hätte mich nämlich noch gerne bedankt, aber ich werde der Versicherung mal schreiben, vielleicht bekommen sie ja raus, mit wem ich geredet habe. Das Gespräch soll immerhin aufgezeichnet worden sein.

Die nette Dame am Telefon bereitete mich auch darauf vor, dass es jetzt etwas länger dauern könnte, sie sprach von mehreren Stunden. Zum Glück hatte ich morgens bei aller Hektik noch nach meiner Powerbank und einem Ladekabel gegriffen …

Autopanne in Italien: Antje wird abgeschleppt

Autopanne in Italien Bild 5 bearbeitet kleinWarten ist ja so überhaupt nicht mein Ding. Es gibt fast nichts Schlimmeres für mich als das. Aber dann auch noch in so einer Situation warten zu müssen, war pure Folter. Die Pessimistin in mir hat in der Zeit schon einmal überlegt, welches Gebüsch sich im Umkreis für eine Pipi-Pause anbieten würde, wenn es nötig wird, und nach wie vielen Stunden des Wartens ich wohl noch einmal nachfrage, ob auch wirklich jemand kommt.

Tatsächlich dauerte es nur 90 Minuten, bis jemand kam. Und auch mit diesem Menschen hatte ich Glück. Der Mann vom Abschleppdienst war vielleicht 50 Jahre alt, etwas korpulent, freundlich und sehr gemütlich. Er winkte schon von weitem, als er mich sah. Zwar konnte er kein Englisch oder Deutsch und ich habe in der Aufregung fast meine kompletten Italienisch-Kenntnisse vergessen, aber es klappte alles.

Er signalisierte mir, dass er sich um alles kümmern werde. Ich durfte mich auf den Beifahrersitz setzen und er fuhr meine Antje auf den Abschleppwagen. Schneller als ich dachte, ging es von der Pampa zurück in die Zivilisation. Nur wohin?

Autopanne in Italien: Die Reparatur

Autopanne in Italien Bild 6 bearbeitet kleinDie Dame von der Pannenhilfe hatte mich am Telefon sogar nach meinem Wohnort in Italien gefragt und meinte, dass es auch sein könne, dass mich der Abschleppdienst dorthin fährt. Nur war Stresa 30 Kilometer weg. Wäre es nicht einfacher, zur nächsten Werkstatt zu fahren?

Ich fragte nicht nach. Ich war irgendwie einfach nur froh, dass mich der Fahrer in kein Gespräch verwickelte. Dazu war ich zu platt. Wir fuhren durch Borgomanero und dann Richtung Arona. Plötzlich kamen wir an genau dem Schokooutlet vorbei, der mein Ziel gewesen war. Wir schauten beide in die Richtung des Outlets und seufzten. Und zum ersten Mal musste ich an diesem Tag lachen.

Drei Minuten später standen wir in Arona in einer großen Werkstatt. Der Mann vom Abschleppdienst redete mit dem Chef und dieser machte ein riesiges Theater. „Einen Reifen wechseln? Wo soll ich den hernehmen“, brüllte er. Kann man auch nicht erwarten, dass eine Werkstatt Reifen vorrätig hat. Er meinte zu mir, ich sollte 200 Meter die Straße runter laufen, einen Reifen kaufen und ihm den bringen. WAS? Noch als ich überlegte, ob der Typ das gerade ernst meint, brüllte der Mann vom Abschleppdienst einige nicht so nette Worte Richtung Werkstatt-Chef, hielt mir die Beifahrertür seines Abschleppers auf und wir saßen wieder im Auto.

Der Mann vom Abschleppdienst zückte sein Handy und telefonierte. Dann reichte er es mir: „Soccer Alex“ stand auf dem Display. Er hatte wohl einen Kumpel aus dem Fußballverein angerufen. Und der konnte Englisch. Er reichte ihn mir und er fungierte als Übersetzer. Ich wusste nun, dass wir zu einer anderen Werkstatt fahren, die allerdings wieder einige Kilometer weiter weg war, schon fast wieder an der Stelle, wo ich die Panne hatte. Ich frage mich besser nicht, warum wir da nicht zuerst hingefahren sind …

Angekommen in der Werkstatt erwartete uns wieder ein rotzfrecher Chef. Beim Anblick meines Reifens meinte er, ich sollte zugeben, dass ich wochenlang mit einem platten Reifen gefahren sei. Das war an Frechheit nicht mehr zu überbieten. Wenn es um mein Auto geht, bin ich der absolute Monk. Gerade im Ausland. Selbst wenn ich einen Tag nicht fahre, schaue ich immer am Parkplatz nach, ob auch alles in Ordnung ist. Selbst die Reifen checke ich ironischerweise immer.

Zum Glück waren die anderen Mitarbeiter alle sehr freundlich, es gab genug Reifen dort und ich wurde schnell dazwischen geschoben. Ein Porschefahrer, der wegen mir warten musste, fand das nicht so witzig …

Keine halbe Stunde später war meine Antje wieder wie neu. Also hoffentlich. Ich bin noch so geschockt, dass ich jeden Tag dreimal zu meinem Auto renne und gucke, ob die Reifen alle Luft haben …

Beim Bezahlen in der Werkstatt wurde es übrigens noch ein bisschen absurd. Denn nicht etwa eine Mitarbeiterin nahm mich in Empfang, sondern ein grauer Papagei. Der schaute ganz schön blöd, als ich ihn fragte, wer er sei. Deutsche Kunden laufen da wohl nicht so oft rum. Irgendwann kam dann aber auch eine Mitarbeiterin und ich konnte einen weiteren unerfreulichen Teil der Geschichte hinter mich bringen.

Leider war der Mann vom Abschleppdienst plötzlich verschollen. Ich wollte ihm noch ein Trinkgeld geben …

Autopanne in Italien: Epilog und Tipps für Auto-Reisende

Autopanne in Italien Bild 7 bearbeitet kleinNatürlich verlief auch die Rückfahrt nach Stresa nicht ohne Probleme. Nach einigen Kilometern war plötzlich die Uferstraße gesperrt. Also durfte ich den ganzen ekligen Weg durch das Kreisverkehr-durchseuchte Arona wieder zurück, um zur von mir so verhassten italienischen Autobahn zu kommen.

Eine gute Sache hatte das aber. Ich stand plötzlich doch wieder vor dem Schokooutlet, den ich eigentlich ansteuern wollte. Und er hatte vor der Mittagspause noch 30 Minuten geöffnet. Emotional angeschlagen wie ich war, habe ich anschließend mehr gekauft, als ich eigentlich wollte … Aber damit hatte ich – trotz Panne – alle Dinge, die ich an diesem Tag erledigen wollte, doch noch geschafft.

Bei der Panne hat es sich tatsächlich mal ausgezahlt, dass ich meinen Kofferraum nicht aufgeräumt hatte. Einige Dinge helfen dir, so eine Situation besser zu meistern beziehungsweise es schont deine Nerven, wenn du nicht noch zusätzliche Baustellen hast.

Schaue, dass du immer Getränke im Auto hast, auch eine Kleinigkeit zu essen schadet nicht. In Italien habe ich für den Notfall zum Beispiel immer eine Packung dieser fertigen Croissants im Kofferraum, die man an jeder Ecke kaufen kann. Vielleicht deponierst du auch ein Ersatzladekabel* im Handschuhfach und einen KfZ-Adapter*, der in den Zigarettenanzünder passt. Eine Decke* und eine Powerbank* sind auch nie verkehrt, ebenso ein Mini-Urinal*. Immer dabei haben solltest du außerdem deine Kreditkarte und eine Notfallnummer deiner Autoversicherung.

Jetzt bist du dran: Hattest du schon einmal eine Autopanne in Italien? Wo ist es passiert und was war kaputt? Oder hattest du mal in einem anderen Land eine Autopanne?

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