Stary Browar Posen: Shoppingcenter mit Wow-Effekt

Für gewöhnlich stelle ich ja an dieser Stelle keine Shoppingcenter vor. Denn um ganz ehrlich zu sein, finde ich nichts nerviger als überfüllte Einkaufstempel mit den immer gleichen Bekleidungsmarken. Doch das Einkaufszentrum mit dem Namen Stary Browar, das ich vor einiger Zeit in Posen besuchte, ist anders. Stary Browar war nämlich mal eine Brauerei.

Das Schöne am Reisen mit dem eigenen Auto ist ja, dass man auch mal spontan anhalten kann, um neue Orte zu entdecken. Als ich vor drei Jahren in Polen war, um den Geburtsort meines Vaters in der Nähe von Danzig anzuschauen, lernte ich noch viele andere polnische Städte kennen, die auf jeden Fall auch mal einen längeren Besuch wert sind. Zu diesen Orten zählt auch Posen, wo wir auf dem Rückweg nach Deutschland eine verlängerte Mittagspause einlegten. Wir informierten uns schon vor dem Halt in Posen im Internet, wo wir denn dort gut essen könnten. Bei der Recherche stießen wir immer wieder auf den gleichen Ort: die alte Brauerei (Stary Browar).

Stary Browar Posen: Ein Blick in die Historie

Die alte Brauerei ist 1844 von Ambrosius Hugger gegründet worden, einem Brauer aus dem Schwarzwald. Es war eine gute Zeit für die Bierproduktion, denn Dampfmaschinen erleichterten die Arbeit erheblich. Es lief gut, doch Ambrosius Hugger hielt sich mit Investitionen zurück. Seine Söhne allerdings nicht. Ab 1876 vergrößerten sie die alte Brauerei, kauften Land dazu und bauten unter anderem auch das Trockenhaus mit seinem charakteristischen Schornstein.

Die Investitionen zahlten sich aus. 1918 produzierte die Brauerei 72.000 Hektoliter Bier im Jahr. Auf dem Markt waren drei Marken: Cristal (helles Pils), Special (ein dunkles Münchener Bier) und Porter.

Was dann passierte, kann ich mir nicht erklären. 1926 übernahm ein Chemieunternehmen die Brauerei, 1937 kaufte sie ein Unternehmen mit 82 Aktionären, die Union Brewery of Restaurateurs. 1939 fiel die Brauerei unter deutsche Leitung. Die Bierproduktion dauerte bis 1944 an, dann wurden die Gebäude in der Schlacht um Posen stark zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei verstaatlicht. Zwar lief bis 1980 die Bierproduktion weiter, aber dann war Schluss.

Stary Browar Posen: Neue Nutzung des Gebäudekomplexes

Bis 1997 produzierte ein kleines Unternehmen Mineralwasser in der ehemaligen Brauerei, aber die Gebäude verfielen immer mehr. Als auch diese Produktion eingestellt wurde, überlegte man fieberhaft, wie der große Gebäudekomplex denn nun genutzt werden könnte.

Im Dezember 1998 kaufte eine Firma namens Fortis „Nowy Stary Browar“ den Gebäudekomplex und versprach die Errichtung eines neuen Geschäfts- und Kunstzentrums. Die Arbeiten sollten Ende 2003 abgeschlossen sein. Doch erst einmal nutze man die Räumlichkeiten anders.

Zwischen 1999 und 2002 wurden gleich mehrere Theaterstücke, unter anderem von Shakespeare, in der alten Brauerei inszeniert, und zwar mit großem Erfolg. Es gab sogar Fernsehübertragungen, so dass in ganz Polen zu sehen war, was in der alten Brauerei alles möglich ist.

2002 begannen schließlich die Bauarbeiten für das versprochene Geschäfts- und Kunstzentrum. Wichtig war den Bauherren, die alte Brauerei mit den charakteristischen roten Backsteinen zu erhalten. Viele Gebäudeteile mussten rekonstruiert werden.

Am 5. November 2003 war das Projekt fertig, also zumindest zur Hälfte. Der zweite Gebäudeteil wurde am 11. März 2007 eröffnet. Da hatte die halbfertige Brauerei aber schon längst seine ersten Preise gewonnen. 2005 wurde sie erst zum besten Einkaufszentrum in Europa gekürt, dann sogar zum besten Einkaufszentrum weltweit. Mittlerweile gehört es einer deutschen Fondsgesellschaft. 

Stary Browar Posen: Weit mehr als ein Shoppingcenter

In erster Linie ist Stary Browar ein Shoppingcenter. Insgesamt gibt es in der alten Brauerei mehr als 200 Geschäfte aus den unterschiedlichsten Branchen. Natürlich sind darunter jede Menge Bekleidungsshops, aber auch Läden mit Haushaltswaren, Kosmetik, Spielwaren, Deko und mehr. Es gibt günstige und hochpreise Läden, polnische Stores und internationale Ketten.

Wenn man nun ganz genau sein will, muss man Stary Browar eigentlich als Freizeitzentrum bezeichnen, denn neben den Geschäften gibt es in der alten Brauerei, wie schon von den Investoren angekündigt, noch viel mehr. Es finden dort zum Beispiel regelmäßig Kunstausstellungen statt. Als ich die alte Brauerei kurz vor Ostern besuchte, war die riesige Eingangshalle deshalb mit zahlreichen kleinen Osterhasen geschmückt. Sie waren keine Deko, sondern Teil einer Ausstellung. Aber es gibt in der alten Brauerei auch ein Kino, ein Hotel sowie zahlreiche Restaurants und Cafés. Und auch Konzerte finden dort manchmal statt.

Die ehemalige Brauerei ist längst ein beliebtes Veranstaltungszentrum geworden, das jährlich neun Millionen Besucher anzieht. Dies mag wohl auch an der tollen Lage im Herzen von Posen liegen. Die Shops öffnen montags bis samstags von 9 bis 21 Uhr (manche Shops freitags und samstags sogar bis 22 Uhr) und an verkaufsoffenen Sonntagen von 10 bis 20 Uhr.

Stary Browar Posen: Gut und günstig essen

Nun habe ich ja am Anfang des Texts erzählt, dass wir vor allem in Posen waren, um zu essen. In der alten Brauerei sind wir tatsächlich fündig geworden. Allerdings aßen wir in keinem inhabergeführten Restaurant, sondern einer Kette, die es in ganz Polen gibt. Aber dennoch möchte ich dir Kuchnia Marche gerne empfehlen.

Bei Kuchnia Marche handelt es sich um ein Selbstbedienungsrestaurant, in dem du zwischen diversen Suppen, Salaten, Hauptgerichten (Fisch, Fleisch, vegetarisch) und Beilagen wählen kannst. Es gibt dort auch einige landestypische Speisen, wie Piroggen mit unterschiedlichen Füllungen. Das Essen hat einen Einheitspreis, das heißt, du zahlst pro 100 Gramm eine bestimmte Summe. An der Kasse wird dein Teller gewogen (das Gewicht für den Teller wird natürlich abgezogen) und du zahlst nur das, was du auch wirklich isst.

Ich habe erst einen Teller gehabt, auf dem ich mir einige Dinge zum Probieren mitnahm und später habe ich mir einen zweiten Teller voll geholt, mit Dingen, die mir besonders gut geschmeckt haben. Günstiger als dort kannst du dich nicht durch die polnische Küche probieren.

Jetzt bist du dran: Warst du mal in Posen? Hast du weitere Tipps für mich? Hast du sogar die alte Brauerei besucht? Wie hat es dir gefallen?

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