Roadtrip nach Polen: Auf nach Danzig, Posen und Co.

Selten war ich vor einer Reise so neugierig, wie vor meiner ersten Polen-Reise. Denn diese Reise war kein reiner Urlaub, sondern eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Da ich den Geburtsort meines Vaters sehen wollte, der ganz in der Nähe von Danzig liegt, machte ich mich im März vor drei Jahren zusammen mit meinen Eltern auf zu einem Roadtrip nach Polen.

Irgendwie hatte sich ein Besuch der Region vorher nicht ergeben. Ist ja manchmal so. Und deshalb war ich besonders gespannt auf die Orte, die ich bisher nur aus Erzählungen kannte.

Ein klassischer Roadtrip war unsere geplante Reise vielleicht nicht gerade. Laut Definition ist ein Roadtrip nämlich eine „weite Reise mit dem Auto ohne feste Streckenplanung“. Wir hatten immerhin ein klares Ziel vor Augen: Danzig. Dort hatten wir eine knappe Woche eine Wohnung unweit der wunderbaren Altstadt gebucht. Von da aus planten wir Ausflüge. Aber auch auf der Strecke nach Danzig und auf dem Weg nach Hause steuerten wir so allerhand Ziele an.

Roadtrip nach Polen: Übernachtung in Torzym

Von Bochum nach Danzig sind es gut 1050 Kilometer mit dem Auto, was theoretisch in einem Rutsch machbar wäre. Aber warum sollte man den Urlaub schon stressig beginnen? Zumal es immer zu Stau und damit erheblichen Verzögerungen auf der Strecke kommen könnte.

Mein Vater war einige Monate vor unserer Polen-Reise mit meinem Opa in Danzig. Auch sie fuhren mit dem Auto und hielten damals für eine Zwischenübernachtung in Torzym, einem kleinen Ort kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze, wo wir diesmal wieder einkehren wollten. Die Hotelzimmer in Polen sind erheblich günstiger als in Deutschland und wir zahlten für ein Dreibettzimmer im Motel Paradies* inklusive Frühstück (die Pfannkuchen sind toll) und bewachtem Stellplatz keine 50 Euro.

Aber bevor wir zur Übernachtung in Torzym ankamen, steuerten wir ein anderes Ziel an: Magdeburg. Ich habe schon oft in Magdeburg Mittagspause gemacht, etwa auf dem Weg nach Berlin, und die Stadt sofort in mein Herz geschlossen. Weil wir Magdeburg schon ganz gut kannten, war der Aufenthalt nicht ganz so lang wie sonst. Wir steuerten erst das wunderbare Hundertwasserhaus an und aßen dann einen Happen. Das Restaurant war ein Volltreffer: günstig, lecker und mit ganz viel DDR-Charme. Im „Rouladen Rössl“ blieben keine Wünsche offen. Selbstverständlich wählten wir in der Imbiss-Küche Rouladen und wurden nicht enttäuscht. Der Laden war nicht umsonst rappelvoll und so saßen wir zwischen Geschäftsleuten und Studenten und ließen es uns schmecken.

Obwohl wir gut durchkamen, dämmerte es bereits, als wir in Torzym ankamen und eincheckten. Trotz Müdigkeit war ein kleiner Abstecher noch drin: Gleich um die Ecke des Hotels war ein Laden der polnischen Supermarktkette Biedronka. Und wenn ich eins wirklich gerne habe, dann ist das der Besuch von ausländischen Supermärkten. Und das hat wirklich Spaß gemacht, nicht nur wegen der niedrigen Preise, sondern auch wegen der vielen mir unbekannten Produkte.

Roadtrip nach Polen: Mittagessen in Swiecie

Am nächsten Morgen ging es nicht ganz so früh Richtung Danzig. Groß beeilen mussten wir uns nicht, da unsere Wohnung in Danzig ohnehin erst am frühen Nachmittag bezugsfertig war. Deshalb hatten wir genug Zeit für das Frühstück und die tollen Pfannkuchen (ja, ich werde nicht müde, die Pfannkuchen hervorzuheben …).

Das macht jetzt vielleicht den Eindruck, als hätten wir nur zum Essen angehalten. Da ich so gerne esse, kann ich mich halt an diese Zwischenstopps sehr gut erinnern. Und natürlich gab es auch an Reisetag 2 eine Mittagspause, und zwar in Swiecie, einer 25.000-Einwohner-Stadt mit einem tollen Schloss aus dem 14. Jahrhundert (Deutschordenschloss), das wir uns aber nicht angeschaut haben.

In Swiecie wären wir wahrscheinlich nie gelandet, wenn mein Vater nicht ein Jahr zuvor schon einmal mit meinem Opa zufällig dort gehalten hätte und ein gutes Restaurant entdeckt hätte. Also kehrten wir auch ins „Stare Miasto“ ein. Dieses Restaurant hatte, wenn man es umrechnete, ungefähr deutsches Preisniveau, was für polnische Verhältnisse teuer war. Es war edel eingerichtet, der Service war exzellent und mein Schnitzel war unfassbar lecker. In Deutschland habe ich vielleicht nur in der Fischbratküche in Travemünde ein ähnlich leckeres Schnitzel gegessen. Das hört sich vielleicht nun sehr dämlich an, dass ich im Fischrestaurant Schnitzel gegessen habe, aber ich meine das Lob wirklich ernst. Der Fisch schmeckt da aber auch, aber das nur am Rande.

Von Swiecie aus ging es weiter nach Danzig, wo wir unweit der Altstadt und einen Steinwurf vom Riesenrad Gdansk Eye entfernt unsere Wohnung bezogen. Von da aus war ganz Danzig für uns zu Fuß zu erkunden, was wir abends auch gleich taten. Das Auto stand sicher in einer Tiefgarage und war nur zu befreien, wenn man gleich mehrere Schlösser und Türen aufschloss. So eine Hochsicherheitsgarage habe ich noch nie zuvor gesehen.

Roadtrip nach Polen: Wohnort Danzig

Es war eine gute Entscheidung eine Wohnung in der Nähe der Danziger Altstadt als feste Bleibe und Ausgangspunkt für Ausflüge zu mieten. Zumal Danzig nicht mal eben mit einem Ausflug erkundet werden kann. Die Hansestadt bietet unzählige tolle Sehenswürdigkeiten und ist wahrscheinlich im Frühling oder Sommer noch einmal schöner.

Bei unserer März-Reise hatten wir zwar nur wenige Sonnentage, aber den Vorteil die Altstadt in Ruhe entdecken zu können. Viele andere Touristen verirrten sich scheinbar noch nicht nach Danzig. Und so erkundeten wir die Langgasse mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie Neptunbrunnen und Artushof, das Krantor, die Marienkirche, die Bernsteingasse und vieles mehr. Danzig hat wirklich eine tolle Altstadt. Was du nicht verpassen solltest, habe ich in diesem Blogpost zusammengefasst.

Einen besonderen Eindruck hinterließ bei mir das Museum der Polnischen Post. Denn dort begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Über das Museum habe ich einen eigenen Text geschrieben, den du hier lesen kannst.

Roadtrip nach Polen: Spurensuche in Mierzeszyn

Der eigentliche Grund der Reise war aber, dass wir Mierzeszyn besuchen wollten. Das ist ein ganz schöner Zungenbrecher, oder? Auf Deutsch heißt der Ort Meisterswalde und der deutsche Name war im Ort selbst auch noch manchmal zu finden.

Meisterswalde im Jahr 2017 war ein anderer Ort, als das Meisterswalde von 1964, das mein Vater, seine Geschwister und meine Großeltern verlassen haben. Im Dorf selber hast du so gut wie keine Möglichkeiten zu arbeiten, sodass die jungen Menschen gezwungen sind, nach Danzig zu gehen. Leider wirkte auf mich deshalb vieles trostlos und tot. Es fehlte an vielen Dingen, die man für das tägliche Leben braucht. Ich sah keine Apotheke, keine Post, keinen Friseur, keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Tankstelle und noch nicht einmal etwas, was eine Arztpraxis sein könnte.

Aber ich bin ja nicht nach Meisterswalde gefahren, um dort zu leben. Ich wollte ein paar bestimmte Orte anschauen und so sah ich das Wohnhaus meines Vaters, in dem nun eine Art Tante-Emma-Laden untergebracht ist (der einzige Laden, den ich überhaupt sah) und das Haus, in dem er geboren wurde. Und auch an den Gräbern meiner Urgroßeltern, die nach so langer Zeit noch existieren, habe ich gestanden.

Roadtrip nach Polen: Ausflug nach Sopot

Die positivste Überraschung unseres Roadtrips nach Polen war für mich definitiv der Ausflug ans Meer, und zwar nach Sopot. Ich zittere zwar heute noch, wenn ich an diesen bitterkalten Wind denke, der an diesem Tag im März wehte, aber schön war es dennoch. Das Ostseeheilbad Sopot hat nicht umsonst den Ruf einer der beliebtesten Urlaubsorte an der polnischen Ostsee zu sein.

Besonders in Erinnerung blieben mir die 511,5 Meter lange Mole, die damit die längste hölzerne Brücke Europas ist und das schiefe Haus. Letztgenanntes gilt als Wahrzeichen von Sopot und wir haben ein bisschen länger gebraucht, um es zu finden, wie ich in meinem Blogpost über Sopot näher erläutert habe.

In Sopot hast du eine riesige Auswahl an allerhand Restaurants. Egal, ob du polnisch, chinesisch oder italienisch essen möchtest, in Sopot kannst du es. Und natürlich gibt es auch allerhand Fischrestaurants. Allerdings waren die Preise in den Restaurants in Sopot im Gegensatz zu anderen polnischen Städten nahe am deutschen Niveau, also sehr hoch. Wir aßen in Sopot in einem Laden der Kette „Sempre Pizza e Vino“ und waren sehr zufrieden.

Ach, ein Tipp fällt mir bezüglich Sopot noch ein: Wenn du gerne fotografierst und auf der Suche nach einem kostenlosen tollen Ausblick bist, dann besuche das Tourismusbüro. Von dort kannst du wunderbar Mole und Strand einsehen.

Roadtrip nach Polen: Besichtigung der Marienburg

Am nächsten Tag stand ein Ausflug zum größten Backsteinbau Europas auf dem Plan: der Marienburg in der gleichnamigen Stadt. Auf Polnisch heißt die Stadt mit den knapp 40.000 Einwohnern Malbork.

Mein Bruder war im Oktober zuvor in Malbork, um sich die Marienburg anzuschauen und berichtete von Menschenmassen. Auch mein Vater und mein Opa erlebten die Burg im Sommer zuvor voller Touristen. Und wir? Wir hatten Glück. Außerhalb der Saison Anfang März verirrten sich nur wenige Menschen dorthin. Wir hatten das Burgareal fast für uns alleine. Am Eingang bekamen wir Audio-Guides, die uns die vielen Ausstellungen und Ausstellungsstücke auf Deutsch erklärten. Besonders in Erinnerung blieb mir die riesige Bernsteinsammlung. Sowas hatte ich zuvor nie gesehen. Aber auch ansonsten bot die Burg der Superlative so viel, dass ich es kaum in Worte fassen konnte. Ich habe es dennoch versucht, und zwar in diesem Blogpost.

An dieser Stelle sei mir noch ein kleiner Tipp erlaubt. Wenn du auf der Suche nach einem kleinen Bernsteinmitbringsel bist oder dir selber ein Andenken kaufen möchtest, dann schaue mal im Shop der Burg vorbei. Dort bekommst du tollen Bernsteinschmuck und zahlst viel weniger als in der Danziger Bernsteingasse oder an der Uferpromenade in Sopot.

Auf dem Rückweg nach Danzig machten wir noch einen wirklich kleinen Halt in Tczew (Dirschau), der Partnerstadt meiner Geburtsstadt Witten. Aber in Erinnerung blieb mir leider nichts. Dazu war der Halt zu kurz und ich bekam auch nichts zu essen dort, weshalb mein Hirn wahrscheinlich den kompletten Stopp gelöscht hat.

Roadtrip nach Polen: Zwischenstopp in Posen

Nach einer knappen Woche Aufenthalt in Danzig ging es zurück Richtung Ruhrpott. Nicht aber, ohne uns auf dem Weg nach Hause noch ein bisschen was anzusehen. Die Zwischenübernachtung war wieder für Torzym geplant, was ich ganz angenehm fand, nicht nur wegen der Pfannkuchen. Mich beruhigt es immer, wenn ich weiß, dass ein vernünftiger Schlafplatz inklusive ordentlichem Frühstück auf mich wartet. Doch 140 Kilometer vor Torzym hielten wir noch in der fünftgrößten polnischen Stadt: Posen.

Auch in Posen wollten wir, wie schon auf dem Hinweg in Swiecie, eigentlich nur etwas essen. Doch es blieb zum Glück noch Zeit für eine kurze Besichtigung und einen klitzekleinen Shoppingbummel, was bei den niedrigeren Preisen in Polen einfach viel mehr Spaß macht. Shopping ist übrigens ein gutes Stichwort. Am meisten blieb mir in Posen nämlich ein Shoppingcenter in Erinnerung, das, wie ich erst im Nachhinein erfuhr, schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Denn das Einkaufszentrum in Posen war mal eine Brauerei. In der Stary Browar wurden wir dann auch fündig, was das Thema Mittagessen anging, und aßen wirklich gut und günstig inmitten von zahlreichen Einheimischen.

Auch sonst machte Posen wirklich Lust auf mehr. Die bunten Krämerhäuser am Alten Markt gefielen mir besonders gut, aber ich habe tatsächlich vergessen, sie zu fotografieren. Sowas passiert mir sonst nie. Da muss ich wohl nochmal nach Posen, diesmal aber definitiv mit mehr Zeit im Gepäck.

Roadtrip nach Polen: Über Wittenberg nach Bochum

Von Torzym aus ging es dann am Vormittag des nächsten Morgens weiter Richtung NRW. Auch diesmal suchten wir uns im Vorfeld eine Stadt aus, die wir uns in einer Mittagspause anschauen wollten. Die Wahl fiel auf Wittenberg, was zwar einen kleinen Umweg bedeutete, sich aber definitiv lohnte.

Aufgrund von Enttäuschungen bei Mittagspausen in Eisleben und Nordhausen erwartete ich nicht viel von Wittenberg. Aber schon nach einem kurzen Spaziergang merkte man, dass Wittenberg wirklich schön ist. Selbstverständlich suchten wir in der Lutherstadt zuerst die Kirche, an dessen Tür Martin Luther 1517 seine berühmten 95 Thesen schlug. Wir mussten zwar etwas suchen, da Wittenberg mehr als eine tolle Kirche hat, fanden den historischen Ort aber dann doch. Anschließend erwischten wir mit „Il Castello“ einen wirklich tolles italienisches Restaurant mitten in der Innenstadt.

Die leckere Pizza war das letzte Highlight dieser Reise, was natürlich ein wenig untypisch ist, wenn man bedenkt, dass es nach Polen ging. In sehr kurzer Zeit haben wir extrem viel gesehen und ich habe wieder einmal gemerkt, wie schön es ist, individuell und mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein.

Jetzt bist du dran: Hast du mal eine Reise unternommen, um familiäre Wurzeln zu erkunden? Warst du mal in Polen? Welche Städte hast du besucht? Welche Orte haben dich überrascht? Welches Reiseziel kannst du mir empfehlen? Bist du gern mit dem eigenen Auto unterwegs?

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