Musicals in London: Warum du unbedingt eine Show im West End besuchen musst

Leute, wir müssen reden: über Musicals. Ja, ich liebe Musicals. Ich hoffe, du liegst aufgrund dieser Info jetzt nicht lachend auf dem Boden, aber es konnte nicht anders kommen. Ich komme aus Bochum, also DER Musicalstadt. Na ja, zumindest läuft hier mit Starlight Express seit 1988 das erfolgreichste Musical der Welt – und zwar ohne Unterbrechung. Doch am liebsten besuche ich Musicals in London. Und auch du solltest unbedingt eine Show im West End anschauen, wenn du in London bist. 

Ich habe das Gefühl, dass Musicals in Deutschland gerade im Trend sind. Jedenfalls wird derzeit aus wirklich jedem – sorry – Furz – ein Musical gemacht. Letztens sah ich sogar Plakate, die ein Wolfgang-Petry-Musical bewarben. Eine Show über den legendären Heinz Erhardt, die zum Jahresende in Bochum stattfinden soll, wird auch als Musical angepriesen. Der plötzliche Musical-Boom scheint auch damit zusammenzuhängen, dass man für die Eintrittskarten gerne mal exorbitante Preise aufrufen kann. Mir dreht sich jedenfalls immer der Magen um, wenn ich die Ticketpreise für diese ganze Reihe an Shows sehe, die angeboten werden.

Was ein gutes Musical für mich ausmacht

Meine erste Musicalshow sah ich im Alter von acht Jahren. Natürlich war es Starlight Express*. Ich war so begeistert: die Musik, die facettenreiche Geschichte, die Kostüme, die Mischung aus Gesang, Tanz und Rollschuhrennen sowie die gut durchdachten Charaktere. Ich kann gar nicht sagen, wen ich am liebsten mag. Der erste Auftritt von Electra ist immer ziemlich spektakulär. Das ist definitiv immer meine liebste Szene. Aber die anderen Charaktere gefallen mir auch. Mittlerweile ist die Zahl meiner Starlight-Express-Besuche zweistellig. Eigentlich müsste ich mal wieder hin …

Gute Musicals habe ich danach nicht viele gesehen. Dabei muss ich auch sagen, dass ich sehr anspruchsvoll bin. Eine gute Show muss erstmal eine gute Story haben. Bitte haut mir ab mit reinen Love Storys. Das ist mir zu flach, da bin ich raus. Ich möchte was Geheimnisvolles und tragische Helden. So etwas wie das Phantom der Oper, Tanz der Vampire oder Jekyll & Hyde. Und genau diese Shows sind – neben Starlight Express – meine absoluten Lieblingsmusicals.

2004 habe ich Jekyll & Hyde* in Köln gesehen und hatte keine großen Erwartungen. Der Hauptdarsteller (ich weiß leider nicht mehr, wer es war) war absolut großartig und man hat ihm tatsächlich die vielen Verwandlungen abgenommen. 2006 habe ich Tanz der Vampire* zum ersten Mal in Berlin im Theater des Westens gesehen. Damals gehörte unter anderem Alexander Klaws zum Cast. Auch diese Show hat mich begeistert. 2009 habe ich den Tanz der Vampire in Oberhausen gesehen. Die Besetzung war leider viel schwächer als in Berlin, dennoch war es noch gut. Das Phantom der Oper* habe ich zum ersten Mal 2006 in Essen angeschaut. Uwe Kröger spielte das Phantom und war grandios.

Doch es gibt auch Shows, die mir so gar nicht gefallen haben. So viel Respekt und Dankbarkeit ich auch für Andrew Llyod Webber aufgrund von Starlight Express und dem Phantom der Oper empfinde, eine Frage muss erlaubt sein: Was hat er sich bitte bei Cats gedacht? Ich sah es – ich meine 2010 – in Oberhausen und fand es schrecklich. In der Pause habe ich erstmal gegoogelt, was die Katzen den jetzt eigentlich für ein Problem haben. Die Story sollte eigentlich klar sein, ohne dass man sie nachlesen muss. Ich lese extra vor dem Musical nicht vorher, worum es geht. Dann kann ich besser beurteilen, ob die Story auch richtig rübergebracht wird.

Darf ich vorstellen: Christine – die Albtraum-Zuschauerin

Bei all den Schilderungen muss ich auch dazu sagen, dass ich eine sehr unangenehme und anspruchsvolle Besucherin bin: Erstmal habe ich eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne. Auf Filme kann ich mich nur bis zum Ende konzentrieren, wenn die Story wirklich unterhaltsam ist (was so gut wie nie vorkommt). Ein Theaterstück war dann für mich gut, wenn ich während der Vorstellung nicht einmal auf die Uhr geschaut habe.

Im Musical steht und fällt für mich alles mit der Stimme des männlichen Hauptdarstellers. Ist diese zu hoch oder kann er nur hohe oder nur tiefe Töne singen, würde ich am liebsten sofort aufstehen und gehen. Gleiches gilt, wenn jemand den Takt nicht halten kann oder zu viel Eigeninterpretation in die Lieder legt und eigenständig einige Töne länger oder kürzer singt. Die ersten Minuten eines Musicals entscheiden also immer für mich, ob es ein gelungener Abend werden wird. Ich glaube, ich bin aufgrund dieser Spleens der Albtraum für jeden Showmacher. Mich sollte man wohl niemals als Kritikerin in eine Show lassen … Oder vielleicht gerade aufgrund meines hohen Anspruchs auf diesem Gebiet?

Musicals in London: Christine im Paradies

Wenn ich in London abends durch das wuselige West End laufe, fühle ich mich immer ein Stück weit wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Am liebsten würde ich von allem probieren, muss mich aber für eine der zahllosen Shows entscheiden. Meist habe ich schon vor meinen London-Reisen ausgiebig alle aktuell laufenden Musicals gecheckt und dennoch fällt die Auswahl bei der großen Anzahl oft nicht so leicht.

Das Gute: Ich habe in London noch nie eine schlechte Show gesehen. Du bekommst als Verantwortlicher für die Aufführungen im West End halt die Besten der Besten, die Stars der Branche. Wenn ich mich als Darsteller zwischen Bochum und London entscheiden müsste, würde ich doch auch London wählen. Leider gehen meine London-Reisen ja sowieso immer schon so schnell vorbei, sodass ich mehr als eine Show pro Aufenthalt noch nie geschafft habe.

Musicals in London: Meine Premiere

Als ich 2012 zum ersten Mal nach London reiste, musste ich natürlich auch eine Show ansehen. Ich wollte etwas sehen, was es in Deutschland noch nicht gab. Deshalb fiel meine Wahl sehr schnell auf Let it be, ein Beatles-Musical, das erst drei Wochen vor meiner Reise im Prince of Wales Theatre Weltpremiere feierte.

Die erste positive Überraschung erlebte ich direkt bei meiner Ankunft am Theater: Da die Show am Abend meines Besuchs nicht ausverkauft war, wurde meine Karte kostenlos in ein Ticket der teuersten Preiskategorie umgetauscht – in Deutschland undenkbar. Die Show selbst war absolut großartig. Die Darsteller von Paul McCartney und John Lennon hatten klasse Stimmen und wirkten so echt. Unfassbar. Dazu gefielen mir vor allem die Kostüme, die die unterschiedlichen Phasen der Fab Four rüberbrachten.

Auch die Stimmung war so anders als in Deutschland. Am Ende des Abends saß keiner mehr auf den Theatersitzen, sondern alle standen, klatschten, sangen mit. So muss es bei einem Beatles-Konzert in den 1960er-Jahren zugegangen sein. Nur kreischende Mädels waren – zum Glück – keine da. Ich erlebte gleich bei meiner Musical-Premiere in London einen rundum gelungenen Abend, und das für nicht einmal 25 Euro. Schau mal nach, was die günstigste Karte in Deutschland bei den einschlägigen Shows derzeit kostet. Ich bin sicher, dass du kein Musical für den Preis besuchen kannst. Noch nicht einmal den Wolfgang-Petry-Quatsch.

Übrigens: Ein Jahr später tourte Let it be – mit anderer Besetzung – durch Deutschland. Ich besuchte es in Köln und war schwer enttäuscht. Schlechte Darsteller, völlig überteuerte Tickets und sehr unfreundliche Mitarbeiter vor Ort. Nein, das war kein Besuch, den ich weiterempfehlen würde.

Musicals in London: Meine liebste Show

Meine absolute Lieblingsshow ist das Phantom der Oper. Ich bin sogar so begeistert von den Londoner Aufführungen, dass ich das Phantom der Oper nicht mehr auf deutsch anhören möchte. Nicht nur die Show selbst begeistert mich übrigens immer wieder, sondern auch das Drumherum. Das Her Majesty’s Theatre, indem ich das Phantom of the Opera immer gesehen habe, ist ein prachtvoller Bau von 1897, innen absolut edel ausgestattet und das Personal bedient alle Klischees der höflichen und zuvorkommenden Engländer.

Gleich bei meinem ersten Besuch freute sich der Mitarbeiter an der Kasse übrigens ganz besonders, als ich meine von Deutschland aus bereits vorbestellte Eintrittskarte abholen wollte. “Oh my God, Christine. That’s the best name to visit this show”, brüllte er, einem hysterischen Anfall nahe. Wer es nicht weiß: Die weibliche Hauptfigur im Phantom der Oper heißt Christine Daaé. Deshalb fühle ich mich in der Show auch dauernd angesprochen … Dieses Musical würde ich übrigens unfassbar gerne mit Sierra Boggess und Ramin Karimloo in den Hauptrollen sehen. Sie spielten auch zusammen die Jubiläumsshow zum 25. Geburtstag 2011. Aber das nur nebenbei …

Musicals in London: Sparen bei den Tickets

Ich gehöre ja eher zu der Sorte Mensch, die sich schon vor der Abreise nach London Shows aussucht und sich direkt die Tickets sichert. Geld sparen kannst du, wenn du dich spontan für eine Show entscheidest. Am Leicester Square findest du den TKTS-Ticketschalter, wo du stark reduzierte Eintrittskarten für West-End-Shows kaufen kannst, die am selben oder den beiden folgenden Tagen stattfinden. Dies ist eine tolle Chance für Kurzentschlossene, eine Show im West End zu sehen. Der TKTS-Ticket-Shop ist sieben Tage die Woche geöffnet, und zwar montags bis samstags zwischen 10 und 19 Uhr sowie sonntags zwischen 11 und 16.30 Uhr. An Feiertagen können die Öffnungszeiten abweichen.

Und nun bist du dran: Bist du Musical-Fan? Welche ist deine liebste Show? Hast du vielleicht sogar schon einmal eine Show im West End gesehen? Wie hat es dir dort gefallen?

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4 Kommentare zu “Musicals in London: Warum du unbedingt eine Show im West End besuchen musst

  1. Katie

    Ui cool! Definitiv auf meiner “Nochmal lesen bevor ich nach London flieg”-Liste. Ich mag Musicals, Opern und Ballett total gerne… und ich kann deine Ansicht bzgl zu viel Eigeninterpretation etc. total verstehen *gg*

  2. Christine Autor des Beitrags

    Hallo Katie,

    hach, ich bin also mit meiner Musical-Vorliebe nicht alleine. 😉 Wann geht es denn nach London? Ist schon was geplant?

    Liebe Grüße
    Christine

  3. Christine Autor des Beitrags

    Hallo Christina,

    das muss also direkt auf deine Bucket Liste. 😉 Bei meiner ersten London-Reise habe ich direkt um die Ecke von dem Theater gewohnt, in dem Wicked gespielt wurde. Das würde ich auch gerne mal sehen. Ich kenne einige Lieder und die haben mir bisher alle gefallen.

    Liebe Grüße
    Christine

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