Kurztrip nach Montpellier: Südfrankreich im Dezember

Was kommt dir zuerst in den Sinn, wenn du an Montpellier oder generell Südfrankreich denkst? Weiße Sandstrände, Sonne satt und blaues Mittelmeer? Mir fällt sofort der Weihnachtsmarkt ein, den ich bei meinem Aufenthalt vor sechs Jahren dort besucht habe. Mitte Dezember gab es dort gebrannte Mandeln bei unnormal milder Außentemperatur. Doch nicht nur deshalb ist mir der Kurztrip nach Montpellier genau in Erinnerung geblieben.

Immer wenn ich nach Frankreich fahre, habe ich gemischte Gefühle. Eigentlich mag ich Frankreich. Nein, anders. Ich mag Französisch. In der Schule hatte ich die Sprache viel lieber als Englisch, fühle mich sehr wohl, wenn ich sie sprechen kann und höre zwischendurch auch gerne mal französische Musik. Doch mit Frankreich-Aufenthalten hatte ich bisher nie Glück. Nein, wieder anders. Ich hatte bisher weniger Glück mit dem Verhalten der Franzosen, was ich in diesem Paris-Beitrag mal näher beschrieben habe. Drum löste die Mitteilung, dass es für mich auf Dienstreise nach Montpellier geht, keine Freudensprünge bei mir aus. Neugierig war ich aber selbstverständlich schon. Wann habe ich sonst schon die Möglichkeit einen Ort kennenzulernen, der eigentlich gar nicht auf meiner Bucket List steht?

Dienstreise nach Montpellier: Der erste Eindruck

Du kennst den Spruch vielleicht: “Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.” Montpellier – oder besser gesagt – die Menschen, auf die ich zuerst in Montpellier traf, machten da weiter, wo die Pariser aufgehört hatten. Falls du es nicht weißt, ich bin ausgebildete Redakteurin und war in Montpellier, um über eine Sportveranstaltung zu berichten. Genauer gesagt, war ich für die Online-Berichterstattung zuständig. Da ich mich nie auf andere verlassen möchte, klärte ich vorher mit dem Hotel in Montpellier, ob ich auch definitiv WLAN haben werde. “Aber natürlich”, war die schriftliche Antwort, schließlich seien mit mir noch mehrere Duzent weitere Journalisten aufgrund dieses Sportevents anwesend, die ja ebenfalls arbeiten müssten. Ich flog halbwegs beruhigt nach Frankreich.

Beim Einchecken im Hotel wurde ich schließlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Als ich nach dem WLAN-Passwort fragte, erntete ich nur fragende Blicke. Ich berichtete von meinem Schriftverkehr mit der Rezeption, die mir und den schreibenden Kollegen Internetzugang versprochen hatte. Die grandiose Antwort des Hotelmitarbeiters: “Letzte Woche war das hier noch ein anderes Hotel. Das können wir ja nicht wissen, dass Sie Internet brauchen.” Nö, kann man heutzutage nicht wissen, vor allem, wenn man von einer Agentur als Pressehotel angemietet wird. Beschwerdemanagement: zéro points.

Nach dieser Szene hatte ich den Kaffee schon auf. Da war sie wieder, diese französische Freundlichkeit. Da ich flexibel bin, habe mich während meines Aufenthalts schließlich mit meinem Verhalten angepasst. Wenn sie es mir schwer machen, mache ich es ebenso. Ich sprach nur noch Englisch mit den Mitarbeitern. Meine Arbeit konnte ich – dank WLAN am Ort des Sportevents – und dank Hilfe von einer in Deutschland sitzenden Arbeitskollegin, dennoch erledigen. Aber das konnte ja nicht Zweck des Ganzen sein. Fairerweise muss ich sagen, dass wir in den folgenden Tagen fast ausschließlich auf freundliche Franzosen trafen. Insbesondere unser Busfahrer war äußerst bemüht und gastfreundlich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das in Frankreich mal erleben würde.

Ein kleiner Stadtrundgang: Montpellier von oben

Ziemlich nett war auch unsere Fremdenführerin. Am zweiten Tag unseres Aufenthalts hatten wir ein paar Stunden Freizeit und nutzten diese für einen Stadtrundgang. Das Schöne in Montpellier ist nämlich, dass du die meisten Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß erreichen kannst.

Wir starteten am Place de la Comédie, der zwischen Hauptbahnhof und Altstadt liegt und der wichtigste Platz der Stadt ist. Der Platz selbst hat die Form eines Eis, weshalb er auch l’oeuf ( = das Ei) genannt wird. Auf ihm findest du den sehenswerten Brunnen der drei Grazien, bekommst aber auch einen wunderbaren Eindruck von der wunderschönen Architektur in Montpellier.

Wir schlenderten weiter durch die Straßen und unsere Fremdenführerin erzählte so viel, dass ich irgendwann keine Infos mehr aufnehmen konnte. Besonders im Gedächtnis ist mit geblieben, dass es in Montpellier 60.000 Studenten geben soll, was bedeutet, dass jeder vierte Bewohner der Stadt Student ist. Beeindruckend fand ich auch den Aquädukt St-Clément, der im 18. Jahrhundert fertiggestellt wurde und die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte.

In schöner Erinnerung geblieben ist mir die Besichtigung des Triumphbogens (Porte du Peyrou), der gleich neben dem prächtigen Justizpalast zu finden ist. Denn wir sahen ihn nicht nur von außen, sondern wir bestiegen ihn auch. Das ist allerdings nur möglich, wenn du mit einem Führer des städtischen Fremdenverkehrsamts unterwegs bist. Nachdem ich die schmale Treppe passiert hatte, wurde ich mit einem grandiosen Ausblick auf die Stadt belohnt. Dieses Erlebnis kann ich nur empfehlen. Es war für mich der einprägsamste Moment der gesamten Reise.

Montpellier auf eigene Faust: Auf der Suche nach etwas Individualität

Nach dem Stadtrundgang blieb sogar noch etwas Freizeit bis zu Beginn des Sportevents. Ich schlenderte mit einer Arbeitskollegin durch die Gassen. Ihr Mann wollte unbedingt, dass sie ihm einen Magneten aus Montpellier mitbringt. Wir hätten nicht gedacht, dass dies so eine schwere Aufgabe sein würde. Was andere Städte an Souvenir- und Ramschläden zu viel haben, fehlt in Montpellier völlig. Ich hätte das gut gefunden, wenn wir nicht auf der Suche nach so einem blöden Magneten gewesen wären. Wir wurden schließlich in einem Kiosk fündig und meine Kollegin zahlte stolze sechs Euro.

Als wir das Teil endlich hatten, bummelten wir weiter durch die Stadt. Eines fiel mir dabei leider sehr negativ auf. Ich fand so gut wie keine inhabergeführten Geschäfte. Montpellier war voll von den Läden, die du überall auf der Welt findest. Ich hätte genauso gut durch Paris, London oder Mailand laufen können. Wenn Innenstädte so – ich nenne es mal amerikanisiert – sind, und jeglichen individuellen Touch einbüßen, finde ich das immer sehr schade.

Wir brachen den Shoppingbummel ab, um noch einen kurzen Abstecher zum Weihnachtsmarkt zu unternehmen. In Stimmung waren wir bei circa zehn Grad Außentemperatur zwar nicht gerade, aber der kleine Markt unweit des Place de la Comédie hatte tatsächlich seinen Charme. Es gab schönes Kunsthandwerk und keine Kirmesstände, so wie mittlerweile auf den Ruhrpott-Weihnachtsmärkten leider viel zu oft.

Eine Stadt im Schnelldurchlauf zu erkunden, ist ja ohnehin immer schwierig. Vor allem, wenn man nicht drei Tage Freizeit hat, sondern beruflich unterwegs ist und die freie Zeit ein sehr rares Gut ist. Mein Gesamteindruck von Montpellier hätte besser sein können. Aber ich bin mir sicher, dass es sehr viele schöne Ecken dort gibt und es nicht schwer ist, sie zu finden.

Und nun bist du dran: Warst du mal in Montpellier? Wie hat es dir gefallen? Kannst du mir ein paar Sehenswürdigkeiten empfehlen? Warum sollte ich Montpellier unbedingt noch einmal besuchen?

Übrigens: Meine Kollegin Julie von “Julie en voyage” war ebenfalls in Montpellier. Zu ihrem Bericht gelangst du, wenn du hier klickst.

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2 Kommentare zu “Kurztrip nach Montpellier: Südfrankreich im Dezember

  1. Jürgen Theiner

    Hallo!
    Ich war im Mai 2018 in Montpellier – Zwischenstation auf unserer Cabrio-Rundreise durch Südfrankreich. Die Stadt hat uns sofort in ihren Bann gezogen, die Durchfahrt durch den Triumphbogen in die Altstadt war auch für uns sehr speziell.

    Die beeindruckende Architektur aus dem hellen Stein, der in der Altstadt überall zu sehen ist, ließ meine Kamera heißlaufen, gewaltig die Kathedrale St. Pierre.

    Wir haben das abendliche Bummeln durch die vielen engen Gassen genossen – und wurden dabei von der Enttäuschung, die uns Aix-en-Provence beigebracht hat, mehr als entschädigt.

    Beste Grüsse,
    Jürgen von http://www.motorprosa.com

  2. Christine Autor des Beitrags

    Hallo Jürgen,

    das hört sich so an, als müsste ich auf jeden Fall nochmal nach Montpellier, ohne den Druck einer beruflichen Aufgabe im Hinterkopf.
    Ich fotografiere auch sehr gerne und stelle mir Montpellier im Frühling bei Sonnenschein toll vor. Insbesondere aufgrund der vielen hellen Bauten.

    Viele Grüße und noch einen schönen Abend,
    Christine

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