Beliebt am Lago Maggiore: Ein Ausflug zum Schirmmuseum in Gignese

Selten habe ich bei einem Ausflug am Lago Maggiore so viele verschiedene Gefühle durchlebt. Als ich an einem sonnigen Nachmittag im September das Schirmmuseum in Gignese ansteuern wollte, war vieles dabei, vor allem Erstaunen, Wut, Unbehagen, Freude und Dankbarkeit – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Dabei hätte mein Besuch in Gignese von mir aus ruhig etwas weniger aufregend sein können. Aber mich fragt ja mal wieder keiner …

Ich bin immer noch überrascht wie sich ein vermeintlich langweiliger Nachmittag, an dem es lediglich in ein weniger spannend wirkendes Schirmmuseum gehen sollte, in so eine aufregende Sache entwickeln konnte. Ich meine, ich war nicht Bungeespringen, einen Adrenalin-Kick gab es trotzdem. Aber am besten von Anfang an …

Nach Gignese wollte ich schon ziemlich oft mal fahren. Das dort ansässige Schirmmuseum wird immer als weltweit einziges seiner Art angepriesen. Dank meines Lesers Uwe weiß ich, dass dem nicht so ist. Er wies mich darauf hin, dass in der französischen Stadt Cherbourg etwas Ähnliches existiert, nur ein wenig kleiner (vielen Dank nochmal an dieser Stelle). Dennoch gehört der Ort Gignese, der oberhalb von Stresa liegt, zu den Sehenswürdigkeiten am See, die man nicht verpassen sollte – glaubt man den einschlägigen Reiseführern. Aber den glaube ich schon lange nicht mehr und mache lieber meine eigenen Erfahrungen.

Ausflug zum Schirmmuseum in Gignese: Das große Staunen

Theoretisch kannst du Gignese von Stresa aus auch mit dem Bus ansteuern. Dieser verkehrt aber nicht gerade sehr häufig. Ich entschied mich für eine Fahrt mit meinem Auto. Einfach gesagt, liegt Gignese von Stresa aus gesehen acht Kilometer den Berg (Mottarone) rauf. Es gibt zwei Wege dorthin: einen steilen und einen richtig steilen. Ich wählte den steilen Weg.

Die Straße war nicht sehr befahren, nur selten kam mir ein Auto entgegen und so eng, wie ich befürchtet hatte, war die Straße nicht. Insbesondere der Ausblick auf den Lago Maggiore war nach einigen Kurven wirklich atemberaubend. Zum Glück war die Straße an einem Aussichtspunkt sogar so breit, dass ich anhalten konnte, ohne den Verkehr aufzuhalten, um ein paar Fotos zu machen. Ja, man konnte wirklich sagen, dass mir der Ausflug an diesem Punkt noch richtig viel Spaß machte. Vor allem aufgrund des wunderbaren Blicks auf meinen liebsten See. Doch der Spaß währte nicht lange …

Ausflug zum Schirmmuseum in Gignese: Die große Wut

Als ich circa fünf Kilometer des Wegs absolviert hatte, schlug meine Stimmung schlagartig um. In dem Örtchen Levo kam mir plötzlich frontal ein riesiger LKW durch die kleine Gasse entgegengeschossen. Dass die Straße aufgrund der Enge für LKW gesperrt ist, muss ich nicht sagen, oder? Ich konnte gerade noch bremsen. Doch wohin nun? Der LKW-Fahrer fuchtelte nur wie wild mit seinen Armen rum. Ich fuchtelte zurück und gab ihm deutlich zu verstehen, was ich von seinem Verhalten hielt. Es hätte theoretisch für mich eine Ausweichmöglichkeit gegeben, aber – Überraschung – dort parkte direkt vor dem Halteverbotsschild ein Auto. Und selbst wenn der Platz frei gewesen wäre, wäre es Millimeterarbeit gewesen. Hinter mir auf der Stoßstange hing mittlerweile ein Opa, der so blind schien wie der Maulwurfmann aus den Simpsons. So sah er jedenfalls aus. Beruhigend, dass er ein Auto steuerte.

Was fehlt in so einer verfahrenen Situation noch? Genau. Ein Unbeteiligter, der sich einmischt. In meinem Fall war das eine Oma. So eine Frau, die auch gut bei uns in Bochum hätte rumlaufen können, ganz in beige gekleidet und wahrscheinlich nie selbst Fahrzeugführerin. Sie brüllte mir die ganze Zeit nur “Calma!” (= Ruhe) entgegen. Klar, ich bin gerade knapp einem schweren Unfall entgangen, den der LKW-Fahrer durch die Missachtung des Fahrverbots verursacht hätte, aber ICH sollte mich beruhigen. Die hatte echt Humor. Außerdem: Wenn ich schon in Italien nicht wild gestikulierend schimpfen darf, wo bitte dann? Und den Mund lasse ich mir schon mal gar nicht verbieten. 

Mir blieb nur eine Möglichkeit: Ich musste wenden und den gesamten Weg zurück. Als ich drehte, kam ich direkt an der “netten” Oma vorbei und ließ die Gelegenheit nicht aus, um ihr eine Nachricht zu hinterlassen. Ich kurbelte das Fenster runter und brüllte: “Calma? Calma am Arsch!” Ja, ich weiß, das war nicht die galanteste Möglichkeit, um mit der Situation umzugehen, aber die gesündeste. Ein Magengeschwür blieb mir so nämlich erspart.

Ausflug zum Schirmmuseum in Gignese: Das große Unbehagen

So tuckerte ich also nach Stresa zurück, um von dort aus den zweiten Weg zu nehmen. Den wollte ich eigentlich unbedingt vermeiden. Die Minibusse, die dich vom Flughafen in Mailand-Malpensa abholen und nach Stresa bringen, müssen ihn nehmen, weil er auch zur Autobahn A26 führt. Deshalb wusste ich, was auf mich zukommt. Eine ganze Menge enger, nicht einsehbarer Kurven. Alle bergauf. Da kannst du so vorsichtig fahren wie du willst, wenn derjenige, der dir entgegenkommt mit überhöhter Geschwindigkeit den Berg runterdonnert (und das machen leider viele), nützt dir das im Zweifel wenig.

Ich fuhr also langsam den Mottarone hinauf und hatte bis kurz vor Gignese wieder Angst, dass mir ein LKW den Weg versperren könnte. Aber nein, diesmal hatte ich Glück. Kurz vor Gignese kam mir sogar noch jemand mit Bochumer Kennzeichen entgegen. Er winkte. Ich winkte zurück.

Kurz hatte ich Bedenken, dass ich das Schirmmuseum in Gignese nicht gleich finden würde. Doch da es sich um die größte Sehenswürdigkeit des Orts handelt, war es schon lange vor Gignese ausgeschildert. Vor dem Museum selbst, das du schon von weitem an den vielen bunten Schirmen davor erkennst, waren nur wenige Parkplätze, die alle besetzt waren. Ich stellte mein Auto gegenüber vom Schirmmuseum am Straßenrand ab. Weitere Parkplätze findest du, wenn du nach dem Schirmmuseum die erste Abzweigung links nimmst.

Ausflug zum Schirmmuseum in Gignese: Die große Freude

Als ich mein Auto abschloss, war ich froh den Weg trotz der Hindernisse gemeistert zu haben. Ich betrat das Museum und war überrascht: Es war kleiner als ich erwartet hatte. Ich zahlte die 2,50 Euro Eintritt und die Dame an der Kasse erklärte mir, dass es noch ein oberes Stockwerk gäbe, wo weitere Ausstellungsstücke zu sehen sein würden.

Bei Beginn meines Rundgangs hatte ich das Museum fast für mich alleine. Neben mir liefen lediglich nur noch zwei weitere Personen die Schaukästen ab. Im Museum findest du wirklich alles zum Thema Schirme. Mir gefielen vor allem die sehr alten Ausstellungsstücke aus dem 19. Jahrhundert und die Tatsache, dass es deutsche, englische und französische Übersetzungen der Erklärungen gab. Das hätte ich in einem kleinen Museum so weit ab vom Schuss nicht erwartet.

Bei meinem Rundgang erfuhr ich vieles über die Herstellungstechniken von Schirmen, über den Schirm als Modeaccessoire, sah skurrile Schirmgriffe und wunderschön bemalte Ausstellungsstücke. Im oberen Geschoss gefielen mir vor allem die antiken Werkzeuge und Kunstwerke, auf denen Schirme eine Rolle spielten. Mit viel Liebe zum Detail kannst du im Schirmmuseum in Gignese wirklich alles anschauen, was es zum Thema Regen- oder Sonnenschirm zu geben scheint. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Sujet so vielschichtig ist.

Die aktuellen Öffnungszeiten des Schirmmuseums in Gignese kannst du übrigens hier nachlesen. 

Ausflug zum Schirmmuseum in Gignese: Die große Dankbarkeit

Nach meinem Museumsbesuch, der circa 45 Minuten dauerte (und ich ließ mir wirklich viel Zeit), wollte ich mir noch den Ort Gignese näher anschauen. Viel zu sehen gab es leider nicht. Insgesamt präsentierte sich Gignese als toter Ort, lediglich ein Kiosk und die Kirche neben dem Schirmmuseum waren geöffnet. Viele Häuser wirkten unbewohnt. Die schwer zu erreichende Lage zwischen Lago d’Orta und Lago Maggiore sorgt wohl dafür, dass sich nicht viele Leute hier her verirren.

Also trat ich meine Rückfahrt schneller an als erwartet. Wieder stand ich vor der Entscheidung: Nehme ich den steilen Weg zurück oder den ganz steilen? Ich befürchtete, dass sie in Levo schon mit brennenden Fackeln auf mich warteten, nahm aber dennoch diesen Weg. Der andere war mir einfach zu gefährlich. Diesmal passierte ich die Straßen ohne besondere Vorkommnisse. Zurück in Stresa war ich einfach nur froh, heile angekommen zu sein, ohne Kratzer am Auto und Fackeljagd durch Levo. Auf einen weiteren Besuch verzichte ich allerdings bis auf Weiteres.

Und nun bist du dran: Warst du schon einmal im Schirmmuseum in Gignese? Wie hat es dir gefallen? Oder hast du mal ähnlich nervenaufreibende Anfahrten zu einer Sehenswürdigkeit erlebt?

Lust bekommen? Hier erhaltet ihr weitere Inspiration für Ausflüge am Lago Maggiore.*

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