Auf ans Meer: Zwischen Sehnsucht und Ehrfurcht

Was bedeutet das Meer für dich? Was löst es für Gefühle in dir aus? Hast du dir schon einmal gezielt Gedanken darüber gemacht? Ich nicht. Bis ich neulich den Aufruf zur Blogparade des Deutschen Historischen Museums Berlin zum Thema “Europa und das Meer” las. Ich kam ins Grübeln.

Was bedeutet das Meer für mich? Ich komme aus dem Ruhrgebiet, das bekanntlich (leider) nicht am Meer liegt. Auf ans Meer hieß es dennoch schon als Kind immer für mich. Die ersten Familienurlaube, an die ich mich erinnern kann, die wir nicht bei meinen Verwandten in der Nähe von Passau verbrachten, gingen an die Nordsee. Mein Bruder und ich lernten da viel über die Gezeiten, machten Wattwanderungen bei Ebbe und fanden es nicht gut, wenn die Flut unsere mit Liebe aufgebauten Sandburgen auffraß. Deshalb gefiel es mir auch an der Ostsee, die wir ab meinem achten Lebensjahr im Sommer ansteuerten, auch weitaus besser.

Das Meer als Sehnsuchtsort

Auf ans Meer heißt es für mich seitdem regelmäßig. Und ja, meist geht es dann an die Ostsee, vorzugsweise in die Nähe von Lübeck. Vergangenen Monat war ich erst wieder dort. Aber warum gefällt es mir am Meer so gut? Was macht die Faszination Meer aus? Warum ist das Meer ein Sehnsuchtsort?

Ganz einfach: Das Meer hat auf mich eine beruhigende Wirkung. Man kann so unendlich weit schauen und dem Rauschen der Wellen lauschen. Mal den ganzen Alltagsstress ausblenden und nur gucken. Ich könnte stundenlang aufs Meer schauen. Habe ich auch mal, als ich mit dem Schiff vom italienischen Ancona zum griechischen Patras unterwegs war. Die Zeit verging so schnell. Und wie gut kann man am und auf dem Meer bitte atmen? Das allerbeste am Meer ist diese großartige Luft.

Das Meer als Ehrfurchtsort

So lange ich am oder auf dem Meer bin, fühle ich mich wirklich gut. Im Meer dagegen ganz und gar nicht. Denn Wasser ist nicht mein Element. Paradox eigentlich, wo ich doch das Meer so gerne habe. Auf einen Badeurlaub oder noch schlimmer – einen Tauchgang – würde ich nie kommen. Nein, eine absolute Horrorvorstellung! Mehr als einen Spaziergang im Meer, wo mir das Wasser vielleicht bis zum Knöchel reicht, ist absolut nicht drin. Die Vorstellung im Meer zu sein löst bei mir hauptsächlich Angst aus.

Das Meer als Arbeitsort

Auf ans Meer heißt es täglich auch für unendlich viele Arbeitnehmer. Sie sind Fischer, arbeiten auf Ausflugs- oder Kreuzfahrtschiffen oder in den Urlaubsorten an der Küste, sie verdienen ihr Geld mit dem Meer. Das Meer als Arbeitsort habe ich als Ruhrgebietskind nie so auf dem Schirm, weil es für mich nie wirklich eine Option bei der Berufswahl war. Wie hart so ein Job auf dem Meer früher war, realisierte ich kürzlich, als ich die Passat in Travemünde besuchte. Das Frachtsegelschiff machte die Weltmeere zwischen 1911 und 1957 unsicher. Seit 1959 ist es im Besitz der Stadt Lübeck und heute ein Museumsschiff. Die Enge auf einem Schiff – insbesondere unter Deck – hatte ich immer unterschätzt. Das wäre nichts für mich. Ich bevorzuge doch lieber den Blick aufs Wasser mit seiner unendlichen Weite, Ruhe und frischen Brise.

Und nun bist du dran: Was löst das Meer für Gefühle bei dir aus? Fährst du gerne ans Meer? Oder präferierst du andere Regionen? Arbeitest du vielleicht sogar auf dem, am oder im Meer? Welche Meer-Erlebnisse haben dein Leben geprägt?

6 Kommentare zu “Auf ans Meer: Zwischen Sehnsucht und Ehrfurcht

  1. Tanja Praske

    Liebe Christine,

    vielen herzlichen Dank für deinen Zugang zu #DHMMeer!
    Am Wochenende schlug es richtig ein bei der Blogparade und just am Morgen entdeckte ich deinen Beitrag – sehr schön! Über die Angst auf dem Meer schrieb auch Julia von Italien und ich (Nr. 36) – ein verbindendes Element!
    Lübeck ist eine tolle Stadt. Ich sah nur wenig davon, aber sie hatte eine beruhigende Wirkung, ähnlich oder vielleicht begünstigt durch das Meer?

    Sehr gut! Mir fiel auch just der Blogger Kodex bei dir auf und dabei entdeckte ich eine liebe Netzbekannte Lucie Täuber. Als Bloggerclub e.V.-Mitglied, die sich ebenfalls einem Bloggerkodex verpflichtet haben, fällt mir Vergleichbares immer auf. Wichtige Initiative!

    Herzlich,
    Tanja von KULTUR – MUSEUM – TALK

  2. Christine Autor des Beitrags

    Hallo Tanja,

    vielen Dank für deine Rückmeldung.
    Ja, die vielen tollen Beiträge habe ich schon entdeckt. Ich bin gerade dabei, mich durchzuarbeiten. 🙂
    Oh ja, es wird sicher das nahgelegene Meer gewesen sein in Lübeck. 😉 Die Stadt ist aber auch sonst sehenswert. Eine der schönsten Städte in Deutschland meiner Meinung nach.
    Den Bloggerclub e.V. schaue ich mir gleich mal an.

    Ich wünsche dir einen schönen Abend,
    Christine

  3. Christine Autor des Beitrags

    Hallo Kathy,

    vielen Dank für die Blumen.
    Ich schau nachher mal bei dir rein.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Christine

  4. André Leisner

    Hallo Christine,

    was bedeutet das Meer für mich? Ein Gedanke der mir heute eine Gänsehaut zaubert. Ich bin Meer-/ Heimatverbunden. 2003 habe ich einen Wohnortwechsel vollzogen und bin nach Bayern. Bereits nach einigen Monaten merkte ich, dass ich Heimweh hatte.

    Obwohl ich bereits ein Jahr mal in Bayern zuvor gelebt habe, aufgrund einer meiner Ausbildungen, aber es ist dann doch etwas anderes komplett dort unten zu wohnen. Ein paar weitere Jahre habe ich es dann noch ausgehalten und bin dann wieder in den Norden und lebe heute in der schönen Stadt Lübeck.

    Das Meer wenige Minuten mit dem Auto entfernt, die Trave fast direkt von der Tür. Ich liebe es am Meer zu sein, den Geruch, die leichte briste und das Rauschen der Wellen. Was kann es schöneres geben, als hier zu wohnen? 🙂

    Liebe Grüße aus Lübeck
    André

  5. Christine Autor des Beitrags

    Hallo André,

    das kann ich gut verstehen, dass du das Meer dann vermisst hast. Bayern und Lübeck ist aber auch ein riesiger Unterschied.
    Ich selber mag Lübeck sehr und bin alle 1-2 Jahre dort. Es ist einfach zu schön da.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Christine

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