Coronavirus am Lago d‘Orta: Was du nun wissen musst

Das Coronavirus hat uns derzeit fest im Griff. In Europa ist besonders Italien von der Ausbreitung des Krankheitserregers betroffen. Am 8. März riegelte die italienische Regierung vor allem Gegenden in Norditalien ab. Zwei Tage später wurde Italien komplett zur roten Zone. Aber was heißt das eigentlich? Da ich vor allem in den Provinzen Verbano Cusio Ossola und Novara gut vernetzt bin, erkläre ich dir gerne, was dies für Einwohner und Touristen am Lago d’Orta bedeutet.

Der Lago d’Orta, auch Ortasee genannt, liegt in Norditalien, wenige Kilometer westlich des Lago Maggiore. Er ist deshalb auch ein beliebtes Ausflugsziel für Urlauber, die eigentlich am Langensee zu Gast sind. Der Ortasee ist 13,5 Kilometer lang und 2,5 Kilometer breit und damit der siebtgrößte See Italiens. Die beliebteste Sehenswürdigkeit ist sicherlich die Isola San Giulio, eine Insel, die du am besten von Orta San Giulio aus erreichst.

Coronavirus am Lago d‘Orta: Die wichtigsten Regeln

Es gibt derzeit zahlreiche Regeln, die für alle in der Sperrzone (also ganz Italien) gelten und zusätzliche Regeln, die die einzelnen Provinzen aufstellen.

Die wichtigste Regel ist wohl die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Italiener. Jeder soll möglichst an seinem Wohnort bleiben und auch nur dort einkaufen. Reisen sind nur aus wichtigen beruflichen oder familiären Gründen möglich.

An Autobahnausfahrten werden strenge Kontrollen durchgeführt. Wer die Autobahn verlässt und nicht in der Nähe wohnt, muss den Beamten erklären, warum er gerade dort ist und gegebenenfalls ein Schreiben vom Arbeitgeber vorlegen, das belegt, dass ein Aufenthalt rechtens ist. Kann derjenige es nicht, können Haftstrafen von bis zu drei Monaten und eine Geldstrafe von 206 Euro verhängt werden.

Derzeit „flüchten“ zum Beispiel viele Menschen aus Mailand und wollen fernab der Großstadt ihre Ferienhäuser am Lago d’Orta und am Lago Maggiore beziehen. Laut Dekret ist dies verboten, weshalb es zum Beispiel in Stresa am Lago Maggiore einigen Ärger gab.

Coronavirus am Lago d‘Orta: Weitere Einschränkungen

Auch das öffentliche Leben findet nicht mehr statt. Es sollen alle Situationen vermieden werden, in denen viele Menschen aufeinandertreffen. Das heißt: Kindergärten, Schulen, Universitäten, Kirchen, Theater und Museen sind geschlossen. Dazu auch Sporthallen, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Kinos, Diskotheken und Wettbüros. Sportveranstaltungen sind vorerst abgesagt.

Supermärkte haben nur noch von Montag bis Freitag geöffnet (sonst sieben Tage die Woche). Alle anderen Geschäfte (Boutiquen etc.) bleiben geschlossen. Die Märkte am Lago d‘Orta sollten eigentlich vorerst weiter stattfinden. Doch am 10. März wurden auch diese bis zum 3. April abgesagt.

Da der Ortasee in zwei Provinzen liegt (Verbano Cusio Ossolo und Novara) unterscheiden sich die Regeln manchmal von Ort zu Ort. Außerdem kocht jede Stadt nochmal ihr eigenes Süppchen. Warum sollte es auch in Italien anders sein als in Deutschland?

Ein Beispiel ist Omegna: Eigentlich ist es erlaubt, dass Restaurants und Bars zwischen 6 und 18 Uhr öffnen. Die Betreiber müssen allerdings darauf achten, dass die Besucher immer einen Meter Abstand voneinander halten. Am 10. März verkündete die Stadt Omegna allerdings überraschend, dass ab sofort alle Restaurants und Bars in der Stadt geschlossen bleiben.

Edit: Mittlerweile wurde angeordnet, dass auch in allen anderen Orten alle Restaurants und Bars geschlossen bleiben müssen.

Am Ortasee nehmen die Menschen die Situation wirklich sehr ernst und hoffen sehr darauf, dass nach dem 3. Mai wieder Normalität einkehrt und Neuerkrankungen wie Verbreitung durch den selbstauferlegten Shout Down eingedämmt werden konnten.

Edit: Die Ausgangsbeschränkungen wurden mittlerweile bis zum 3. Mai verlängert.

Da sich die Sachlage täglich ändert und meine Zeit nur begrenzt ist, aktualisiere ich den Text nicht mehr. Auch die vielen unterschiedlichen und teils sehr unverschämten E-Mails, die ich zu diesem Text erhalten habe, werde ich nicht beantworten. Ich stelle nicht kostenlos Infos zur Verfügung und wühle mich stundenlang durch italienischsprachige Dekrete, um mich dann beschimpfen zu lassen, weil ich einen Text mal zwei Tage nicht aktualisiere. Das tut mir leid für alle diejenigen, die sich vernünftig verhalten haben, aber ich bin echt schockiert und enttäuscht über den Umgangston. 

Auch im restlichen Italien sind die Hoffnungen groß, dass es besser wird, wenn man denn nur zu Hause bleibt. Es wurde sogar eine Kampagne gestartet. Prominente, wie der Ex-BVB-Spieler Ciro Immobile, verkünden unter dem Hashtag #iorestoacasa („Ich bleibe zu Hause“), dass auch sie ihr Heim vorerst nur verlassen, wenn es absolut notwendig ist.

Coronavirus am Lago d‘Orta: Was du als Tourist wissen musst

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass du derzeit noch als Tourist in der Gegend unterwegs bist, musst du dir keine Sorgen machen, dass du nicht mehr nach Hause kommst. Touristen dürfen zu ihren Wohnorten zurückkehren. Das wurde auch dem Auswärtigen Amt offiziell zugesichert. Du wirst also nicht am Ortasee unter Quarantäne gestellt.

Gleichzeitig ist aber bis voraussichtlich Ostern natürlich keine Einreise als Tourist möglich. Ein Aufenthalt würde auch weder Sinn noch Spaß machen, denn am Ortasee, wie fast überall in Italien, herrscht gerade eine absolute Ausnahmesituation. An Urlaub ist nicht zu denken, so tragisch das leider ist.

Jetzt bist du dran: Hast du in nächster Zeit eine Reise zum Ortasee geplant? Konntest du umbuchen oder stornieren? Hattest du überhaupt einen Aufenthalt vor Ostern geplant? Oder soll es erst später im Jahr für dich zum Lago d’Orta gehen? Hast du Sorgen oder Ängste aufgrund des Virus? Kommst du aus der Gegend und kennst ein neues Dekret, das weitere Bestimmungen enthält?

Zwei Hinweise zum Schluss: Du hast eine Reise zum Lago d’Orta gebucht, die in der Zeit der Reisesperre stattfinden sollte? Dann erkundige dich bitte direkt bei deinem Reiseveranstalter, Reisebüro oder Hotel, wie die Stornierungsbedingungen sind. Ich bin in diesem Fall die falsche Ansprechpartnerin und beantworte auch keine Anfragen dieses Thema betreffend.

Außerdem hatte ich den Text anfangs noch regelmäßig aktualisiert. Aber die italienische Regierung veröffentlicht fast täglich neue Dekrete mit neuen Regeln. Für dich als potenziellen Touristen ist im Grunde unwichtig, ob die Italiener derzeit alleine in den Supermarkt dürfen, oder nicht möglich. Fakt ist: Reisen ist derzeit nicht. Und wie oben schon erwähnt: Ich aktualisiere den Text vorerst nicht mehr.

Weiterlesen: Meine Italien-Reisepläne für die Zeit nach Corona habe ich hier aufgeschrieben. Wie ich versuche, die Coronakrise sinnvoll zu nutzen, erkläre ich in diesem Blogpost.

5 Kommentare zu “Coronavirus am Lago d‘Orta: Was du nun wissen musst

  1. Kullartz

    Wir hatten ab dem 18. 4. In Porto gebucht. Unsere Vermieter haben uns angerufen und abgeraten (vor der Sperre)wir sind zwar traurig, fahren aber später hin

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Horst,

      das war vom Vermieter aber schon sehr weitsichtig.
      Aufgeschoben ist ja zum Glück nicht aufgehoben. 😉

      Viele Grüße
      Christine

  2. Cristina Pandolfi

    Hallo Christine,

    meine Bekannten haben ein eigenes Ferienhaus in Trarego- Viggiana am Lago Maggiore. Sie wohnen in Bayern und würden so gerne wieder in ihr Haus fahren.
    Die Frage ist; dürfen sie im Mai dorthin fahren?
    Gibt es noch Einschränkungen an der Schweizer und italienischen Grenze?
    Vielen Dank im voraus.
    Cristina

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Cristina,

      bitte informieren Sie sich beim Auswärtigen Amt über die aktuellen Regelungen: https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/italiensicherheit/211322

      Ich zitiere aus den derzeitigen Bestimmungen: “Die Einreise nach Italien ist nur gestattet, wenn es sich um nachweisbare berufsbedingte Fahrten, gesundheitliche Gründe oder sonstige absolute Notwendigkeit handelt. Dies müssen Reisende in Form einer schriftlichen, überprüfbaren Einreiseerklärung darlegen. Für den Güterverkehr ist eine modifizierte Form der Einreiseerklärung vorzuweisen.”

      Auch wenn es seit Montag einige Lockerungen gibt (Freunde von mir durften erstmals das Haus verlassen, um zum Discounter zwei Orte weiter zu fahren), ist an einen Urlaub absolut nicht zu denken. Auch wenn man Sehnsucht hat, das habe ich auch. Die Regeln in Italien sind viel strenger als in Deutschland, weil gerade Piemont und Lombardei extrem von Corona betroffen waren bzw. noch sind. Aber mehr möchte ich dazu auch nicht schreiben. Wie gesagt: Bitte informieren Sie sich immer auf den Seiten des Auswärtigen Amtes über die aktuelle Lage.

      Viele Grüße
      Christine

      1. Cristina Pandolfi

        Liebe Christine, herzlichen Dank für Ihre Information.
        Habe Ihre email und den Link an meine Freunde weiter gegeben.
        Ciao

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