Koningsdag in den Niederlanden: Holland im Ausnahmezustand

Viele Menschen reisen absichtlich zum Koningsdag in die Niederlande. Im ganzen Land finden dann nämlich Veranstaltungen und Festumzüge zu Ehren von König Willem-Alexander statt. Doch nicht immer muss das eine für alle Seiten spaßige Angelegenheit sein. Denn mein kurzer Holland-Trip anlässlich des Tulpenfestivals in Flevoland wurde aufgrund des niederländischen Nationalfeiertags zum Horror-Trip.

Irgendwie ist Willem-Alexander noch nicht so ganz bei mir im Kopf als niederländischer König angekommen. Ich habe immer Königin Beatrix vor Augen, muss dann sofort an Hape Kerkeling denken und dann lachen. Wegen Beatrix ist in meinem Kopf auch noch der 30. April als niederländischer Feiertag abgespeichert. Das habe ich schließlich so über viele Jahre gelernt und du kennst das vielleicht: Alte Gewohnheiten lassen sich nur sehr schwer aufgeben.

Koningsdag: Tulpentrip am niederländischen Nationalfeiertag

Schon mein niederländischer Onkel hatte mir vor einigen Jahren mal geraten, dass ich an diesem Feiertag besser nicht nach Holland fahren sollte. Doch wegen Beatrix hatte ich den Koningsdag im Februar bei der Planung meines Ausflugs zum Tulpenfestival nach Flevoland mit meiner Mutter (ich hatte ihr den Trip zu Weihnachten geschenkt) einfach nicht auf dem Schirm. Viel mehr war es schon schwierig genug im vergangenen Jahr überhaupt einen Termin zu finden. Die Rahmenbedingungen passten schließlich für uns beide am Wochenende rund um den 27. April 2018, einem Freitag, der unser Abreisetag war. Ich hatte ja keine Ahnung, dass diese Wahl nicht gut war. Nein, überhaupt nicht gut …

Einige Tage bevor es zum Tulpenfestival ging, stellte ich fest, dass wir uns ausgerechnet den Koningsdag für unser Vorhaben ausgesucht hatten. Fürs kostenlose Umbuchen war es da schon zu spät. Deshalb hofften wir, dass uns der Koningsdag nicht wirklich tangieren wird. Die großen Veranstaltungen sind ja ohnehin immer in den Großstädten wie Amsterdam und dort, wo sich die Königsfamilie für einen Besuch ankündigt. Rund um die Tulpenroute in Flevoland war kein royaler Auftritt geplant, weshalb wir von einem ruhigen Kurztrip ausgingen. Zuerst schien es tatsächlich so, als ob uns der niederländische Nationalfeiertag nicht betreffen würde.

Koningsdag: Zunächst schien alles in bester Ordnung …

Wir fuhren freitags morgens im Ruhrpott los und es wurde auf den Straßen immer leerer je näher wir unserem Ziel kamen. Auch die Tulpenroute an sich war angenehm leer. Auf unseren zahlreichen Besichtigungspausen bekamen wir immer schnell einen Parkplatz und in einem Café sogar aufgrund des Feiertags eine großartige Oranje-Torte, die nach Orange schmeckte. Ich hatte den Koningsdag schon fast vergessen, bis wir in unserem Hotel in Emmeloord einchecken wollten. Als ich das Hotel beziehungsweise den Vorplatz sah, traf mich fast der Schlag.

Weil ich während der Autofahrt auf der Tulpenroute plötzlich sehr heftige Kopfschmerzen bekam, fuhren wir schon gegen 16.30 Uhr zum Hotel. Dieser Tag war mein erster freier Tag seit fast vier Monaten (die Wochenenden klammere ich mal aus, da stand auch meist der DSGVO-Wahnsinn auf dem Programm). Ich freute mich auf Balsam für die Augen (die Tulpen) und ein wenig Ruhe. Den Balsam für die Augen bekam ich, Ruhe in den folgenden Stunden leider überhaupt nicht.

Koningsdag: Prostituierte im Hotel-Foyer

Der Platz, der eigentlich der große Parkplatz vor dem Hotel sein sollte, war voll. Auf der einen Seite war eine Kirmes aufgebaut, auf der anderen Seite standen mehrere Bierwagen und Hunderte Ange- und Betrunkene. Auch das Gebäude, das bei der Hotelbuchung als wunderschönes Hotelrestaurant guter Klasse angepriesen wurde, hatte nichts mehr mit dem zu tun, was auf dem Bild im Internet zu sehen war. Die niedliche kleine Stadt, die ich im Netz gesehen hatte, war ebenfalls nicht mehr zu erkennen. Wir suchten einen Parkplatz, wurden einige Querstraßen weiter mit viel Glück fündig, schleppten unser Gepäck zum Hotel und versuchten zur Rezeption zu gelangen. Das Vorhaben erwies sich jedoch als gar nicht so leicht.

Ich habe mir bei einem Mallorca-Urlaub vor einigen Jahren mal den Ballermann angeschaut und fand es dort einfach nur scheußlich. Doch das, was ich am Ballermann erlebte, war nichts im Gegensatz zum Koningsdag in Emmeloord. Um in das immerhin mit drei Sternen ausgewiesene Hotel zu kommen, mussten wir erstmal einige Alkoholleichen umrunden (nachmittags vor 17 Uhr!!). Beinahe stolperte ich noch über eine Gruppe unbeaufsichtigter Kleinkinder, die zwischen leeren Bierdosen mit – hoffentlich – Spielzeugpistolen hantierten und sie hin und wieder auf Menschen richteten.

“Pistole” ist übrigens ein gutes Stichwort: Ich war ganz schön geladen, als ich an der Rezeption ankam. Denn im Hotel kam es noch besser: Im Foyer versuchten tatsächlich einige Prostituierte einen schnellen Euro zu machen und boten den anwesenden Herren zwischen Kleinkindern, Ehefrauen und anderen Hotelgästen aktiv ihre Dienste an. Das konnte jawohl alles nicht deren Ernst sein!

Koningsdag: Nicht einmal im Kölner Karneval sah ich so viele Betrunkene

An der Rezeption angekommen, hatte die diensthabene Dame wenig Verständnis für meine höflich vorgetragenen Fragen und Wünsche (und für die der anderen Gäste ebenfalls nicht, wie ich später mitbekam). Ich fragte lediglich nach einem möglichst ruhigen Zimmer und einem Ausweichparkplatz. Immerhin hatte ich extra ein Hotel mit Parkplatz gebucht. Auf die Zustände im Hotel-Foyer angesprochen, bekam ich nur ein Schulterzucken und ein: “Ist jetzt halt so”. Meinem Parkplatzwunsch wurde ein: “Müssen sie sich einen suchen, sie sehen ja, dass da heute abgesperrt ist” entgegnet. Ein Freund von mir arbeitet in einem Vier-Sterne-Hotel am Lago Maggiore. Ihm habe ich die Story erzählt – inklusive grandiosem Beschwerdemanagent. Er war fassungslos.

Da wir ja so unfreundlich zu der Dame waren, gab sie uns ein Zimmer mit direkter Kirmesbeschallung von rechts und direkt über dem Saufgelage. Weil ich es schon nach wenigen Minuten nicht mehr aushielt, flüchteten wir in die Stadt – wieder ein Fehler. Ich habe keine Ahnung, was die Bewohner von Emmeloord vor unserer Ankunft dort veranstaltet haben. Die süße kleine Stadt war nur noch ein riesiger Müllhaufen voller Betrunkener, die regelmäßig aus den kleinen Gässchen torkelten. Noch nicht einmal an Karneval in Köln habe ich so viel Müll und so viele Betrunkene auf einem Haufen gesehen. Vormittags muss zudem noch ein Flohmarkt in den Straßen gewesen sein. Was nicht verkauft wurde, wurde als Sperrmüll zurückgelassen. Es sah aus, als hätte eine Bombe in der Stadt eingeschlagen. Spätestens jetzt war ich sicher: Der Erfinder der Flodders brauchte keine große Phantasie. Er hat sich einfach das Treiben beim niederländischen Nationalfeiertag – vielleicht sogar in Emmeloord – angeschaut. Das bot ihm direkt Stoff für mehrere Filme.

Koningsdag: Die unruhigste Nacht meines Lebens

Da wir also auch in der Stadt keine Ruhe fanden, kehrten wir zum Hotel zurück. Die Anzahl der Prostituierten hatte sich mittlerweile noch vermehrt. Ich musste beide Hände einsetzen, um die Damen so zur Seite zu schieben, damit wir überhaupt zum Fahrstuhl kamen. Auf Ansprache unsererseits reagierten sie nämlich nicht. Die Rezeption war natürlich gar nicht mehr besetzt. Die wussten wohl warum. Wir waren nämlich nicht die einzigen Gäste, die aufgrund des Tulpenfestivals da waren und unverhofft in diesem zum Puff umfunkionierten Haus landeten.

Wir hofften, dass der Lärm unten bald ein Ende haben würde. Da ich alleine schon beim Gedanken an die folgende Nacht wütend werde, mache ich es kurz: Die Kirmes lief bis weit nach 0 Uhr. Ruhe gab es danach nicht. Denn sämtliche Fahrgeschäfte wurden noch in der Nacht lautstark abgebaut. Von den vielen Besoffenen, die rumgrölten, fange ich gar nicht erst an. Diese Nacht war die wohl unruhigste Nacht meines Lebens (auf Reisen) und ich habe schon mal bei extremen Windböen an Deck einer Fähre schlafen müssen. Aber das ist eine andere Geschichte …

Was war ich erleichtert, dass wir am nächsten Tag diesen Ort des Grauens verlassen konnten. Wir beendeten die Tulpenroute und schauten uns noch Urk am Ijsselmeer an. Ich bin froh, dass ich – trotz des Schlafentzugs – das Auto und selbstverständlich meine Mutter sicher nach Hause gebracht habe. Für mich ist klar: Zum Koningsdag werde ich so schnell nicht mehr in die Niederlande reisen.

Koningsdag: Ein kleiner Hinweis zum Schluss

Eine Anmerkung darf mir erlaubt sein: Ich bin meist die Erste, die sich darüber aufregt, wenn die Niederlande fälschlicherweise als Holland bezeichnet werden, denn Holland ist nur ein Teil der Niederlande. Aber es hat sich gezeigt, dass der Begriff Holland in Deutschland einfach gebräuchlicher ist als Niederlande, drum habe ich mich auch an manchen Stellen zu der – eigentlich falschen – Bezeichnung hinreißen lassen. Ich hoffe, es sei mir verziehen.

Warst du mal zum Koningsdag in den Niederlanden? Was hast du erlebt?

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