Maut in Italien: Wie funktioniert das eigentlich?

Wenn du in Italien Auto fährst, wirst du schnell feststellen, dass es einige Unterschiede zum Fahren in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gibt – und damit meine ich nicht, dass besonders viele Italiener meinen, sie seien Formel-1-Fahrer. Eine Sache ist die Maut in Italien, die auf einigen Autobahnen erhoben wird und die du nicht mit dem Anbringen einer Vignette begleichen kannst.

Als ich das erste Mal auf eine italienische Mautstation zufuhr, war ich etwas aufgeregt. Da ich gerne mal in Fettnäpfchen trete, hoffte ich, dass ich wenigstens die Mautstation ohne Probleme meistern konnte. Was soll ich sagen, ich habe es geschafft – und das war gar nicht so schwer. Einige Fallstricke gibt es dennoch zu beachten.

Maut in Italien: Wo wird eine Gebühr erhoben?

In der Regel gilt: Auf Autobahnen (Autostrada) wird Maut fällig, auf autobahnähnlichen Schnellstraßen nicht. Die verschiedenen Straßentypen sind leicht zu unterscheiden. Autobahnen werden mit grünen Schildern angekündigt, die mautfreien Straßen sind mit blauen Schildern gekennzeichnet.

Doch ganz so leicht ist es dann doch wieder nicht: Wenn du auf einer grünen Strecke fährst, wird nicht immer eine Gebühr erhoben. Es gibt durchaus Teilstrecken auf Autobahnen, die mautfrei sind. Grundsätzlich gilt: Im dicht besiedelten Norden fällt am häufigsten Maut an (besonders in Ballungsräumen wie rund um Mailand). In Süditalien hingegen gibt es sogar 900 Kilometer Autobahn, die von der staatlichen Straßenbetriebsgesellschaft ANAS S.p.A. betrieben werden und mautfrei sind. Auch Sardinien, wo es nur eine Autostrada gibt, ist mautfrei.

Zusätzlich zur Autobahnmaut kann es vorkommen, dass für die Nutzung von Brücken oder Tunneln eine Maut verlangt wird.

Maut in Italien: Offenes und geschlossenes System 

In Italien gibt es zwei verschiedene Systeme, nach denen die Maut abgerechnet werden kann: das offene und das geschlossene System. Letzteres ist mir bisher am häufigsten begegnet. Bis vor Kurzem war mir sogar nur das geschlossene System in Italien bekannt.

Beim geschlossenen System wird die Maut nach den gefahrenen Kilometern berechnet. Um diese abrechnen zu können, musst du zweimal durch eine Mautstation, einmal bei der Einfahrt, um ein Ticket zu ziehen, und einmal zum Bezahlen, wenn du die Autobahn verlässt.

Das offene System kommt selten vor. Bei diesem System kannst du eigentlich nichts falsch machen. Es gibt nur eine Mautstation, an der du nach Fahrzeugtyp abgerechnet wirst. Wichtig ist, dass du dich auf die richtige Spur einordnest, aber dazu weiter unten mehr.

Ich erwähnte ja schon, dass ich bis vor einiger Zeit das offene System in Italien nicht kannte. Drum wurde ich auch extrem nervös, als auf dem Weg nach Arese plötzlich eine Mautstation vor mir auftauchte, ich aber vorher kein Ticket gezogen hatte. Ich legte mir schon ein paar Erklärungssätze bzw. Wörter zurecht und war dann sehr erleichtert, dass man gar kein Ticket brauchte. 

Maut in Italien: Ein- und Ausfahrt

Beim geschlossenen System musst du – wie bereits erwähnt – zweimal durch ein Mautsystem fahren. Das erste Mal ist noch recht einfach. Du fährst an die Station ran, ziehst ein Ticket, wartest bis die Ampel auf Grün schaltet und die Schranke sich öffnet und fährst weiter. Hängt kein Ticket im Schlitz, drückst du den roten Knopf. Das Ticket musst du gut aufbewahren. Du benötigst es bei der Ausfahrt.

Die Ausfahrt ist ein klein wenig komplizierter. Das Wichtigste ist immer, dass du dich auf der richtigen Spur einordnest. Die gelbe Spur für “Telepass” kannst du schnell vergessen. Der Telepass ist ein elektronisches Abbuchungssystem für Vielfahrer. Es muss ein elektronisches Gerät im Auto mitgeführt werden, das vorher freigeschaltet werden muss (gegen Gebühr), damit die Mautgebühr automatisch vom Bankkonto abgebucht werden kann. Die blaue Spur ist für Fahrer, die mit EC- oder Kreditkarte zahlen wollen, die weiße Spur für Barzahler. 

Bist du an der Ausfahrt der Mautstation angekommen, musst du das Ticket in den Schlitz frimmeln (das gelang mir anfangs nicht auf Anhieb) und anschließend die genannte Summe zahlen. Mir ist es immer am liebsten, wenn Personal im Häuschen sitzt, das habe ich aber leider erst sehr selten erlebt.

Beim offenen System musst du dich auch auf eine der genannten Spuren einordnen und zahlst entsprechend die Summe, die auf dem Aushang für das von dir benutzte Fahrzeug angegeben ist.

Maut in Italien: Anmerkungen, Tipps und Bußgelder 

Die Schweiz-Vignette finde ich ja schon immer ziemlich teuer, aber das ist nichts im Vergleich zu den Gebühren in Italien. Ein Beispiel: Ich machte kürzlich einen Ausflug von Stresa am Lago Maggiore nach Arese zum Alfa Romeo Museum. Ich musste 70 Kilometer Autobahn fahren. Dafür zahlte ich (einmal im offenen und einmal im geschlossenen System) 6,40 Euro pro Strecke. Macht 12,80 Euro Gebühr für einen Tagesausflug in die unmittelbare Umgebung. Du solltest bei einer Reise nach Italien also immer einen gewissen Betrag für Mautgebühren einrechnen.

Außerdem rate ich dir, immer genug Kleingeld dabei zu haben, wenn du dich für die Barzahlung entscheidest. Denn alle Automaten, die mir bisher begegneten, nahmen ausschließlich Kleingeld und keine Scheine.

Ein letzter Hinweis kommt zu der Wahl der richtigen Spur, die UNBEDINGT beachtet werden soll. Ich habe schon mehrfach gesehen, wie – vor allem Menschen mit deutschem Kennzeichen – in der Mautstation zurücksetzten, um doch noch die Spur zu wechseln. Das ist nicht nur gefährlich, sondern strengstens verboten und kann auch teuer werden (bis zu 6000 Euro Bußgeld). Zusätzlich droht der Entzug des Führerscheins und eine sofortige Stilllegung des Fahrzeugs. Also lasse es besser. Wenn du dich falsch eingeordnet hast, betätige die Taste “Assistenza” an der Mautstation. Dann wird das Problem gelöst.

Jetzt bist du dran: Was hast du für Erfahrungen an italienischen Mautstationen gemacht? Hattest du schon Probleme an Stationen oder hat immer alles gut geklappt? Was kannst du von Mautstationen in anderen Ländern berichten?

Weiterlesen: Die passenden Musiktipps für deine Italien-Reise kannst du hier nachlesen.

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4 Kommentare zu “Maut in Italien: Wie funktioniert das eigentlich?

  1. Corinna

    Hallo Christine,
    Danke für diesen Artikel. Ich fahre in ein paar Wochen zum ersten mal mit dem Auto nach Italien und hatte schon viel über die Maut gelesen, es aber noch nicht ganz verstanden. Jetzt kann ich ganz beruhigt in den Urlaub fahren 🙂

    Viele Grüße
    Corinna

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Corinna,

      es freut mich, wenn ich dir helfen konnte. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne melden!

      LG und viel Spaß in Italien! 🙂

      Christine

      1. heinz

        Laut einer Aussage der ADAC-Juristen beträge die Straße beim zurücksetzen ab 449 €. Auch viel Geld. Aber wo kommt die Aussage mit 6000 € her?

        1. Christine Autor des Beitrags

          Hallo Heinz,
          Bitte richtig lesen: Die Aussage des ADAC-Juristen schließt meine Aussage (nach ausgiebiger Recherche und dem Heranziehen diverser Quellen, z.B.https://www.bussgeldkatalog.org/maut-italien/) nicht aus. Es gibt Strafen bis zu 6000 Euro. Wenn du Glück hast, ist es weniger. Aber einen Versuch würde ich dir nicht empfehlen.
          VG

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