Pleiten, Pech und Pannen: Ein Tag am Gardasee

Es gibt ja manchmal so Tage, da hätte man lieber im Bett bleiben sollen. Ich erlebte heute so einen Tag. Ich bin gerade für drei Tage am Gardasee. Und heute, am zweiten Tag, ging alles schief, was irgendwie schiefgehen konnte. Obwohl? Nicht alles! Ich bin nicht vom Speedboat gefallen, mein Handy ist nicht ins Wasser geplumpst und im Fahrstuhl bin ich auch nicht stecken geblieben. Das war es aber dann auch schon mit den positiven Dingen an meinem Tag in Desenzano und Sirmione. Ich erlebte Stunden voller Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee.

Das kennst du vielleicht auch: Manche Reiseziele sind zwar objektiv schön, aber sie packen einen nicht. Es fehlt das gewisse Etwas. Irgendwas stört, um sich gänzlich wohlzufühlen. Ich hatte schon vor meinem Aufenthalt am Gardasee irgendwie ein ungutes Gefühl, sogar tagelang Bauchschmerzen. Deshalb hatte ich ohnehin schon meine geplante 4-Tages-Reise auf 3 Tage gekürzt.

Ein bisschen Reisefieber habe ich eigentlich immer, aber das legt sich meist, wenn ich denn erstmal am Urlaubsort angekommen bin. Nicht so bei meiner Reise zum Gardasee. Ich kam sonntags am Mittag in Desenzano an und war einerseits überwältigt von der Postkartenkulisse, die sich mir am See bot. Auf der anderen Seite war ich entsetzt. So ein unsoziales Publikum kannte ich bis dato nur vom Ballermann. Ich hatte ja keine Ahnung, dass das noch der angenehme Teil des Mini-Trips zum Gardasee gewesen sein sollte.

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Das missglückte Frühstück

Eigentlich ging mein zweiter Tag am Gardasee echt gut los. Weil ich schon früh nach Sirmione wollte, war ich um 6.50 Uhr unten in der Hotel-Lobby. Da es erst ab 7 Uhr Frühstück geben sollte, wollte ich noch kurz in der Lobby warten, aber der Mitarbeiter an der Rezeption sagte mir, dass ich mich schon in den Frühstücksraum begeben dürfe. Dort empfing mich schon eine ältere Dame. Da ich H-Milch absolut nicht vertrage, fragte ich sicherheitshalber auf drei Sprachen (Italienisch, Englisch, Deutsch) bei ihr nach, ob der Kaffee mit H- oder Vollmilch zubereitet wird. Sie versicherte mir hoch und heilig, dass es Vollmilch sei, woraufhin ich einen Cappuccino trank.

Was soll ich sagen: Es war keine Vollmilch! Ich schaffte es nach dem Frühstück gerade noch in mein Zimmer zurück. Den Rest überlasse ich deiner Fantasie. Da hatte ich – und das Wortspiel kann ich mir leider nicht verkneifen – den Kaffee eigentlich schon auf. Aber es kam ja noch viel “besser”.

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Ein falscher Schritt

Durch den Zwischenfall nach dem Frühstück war ich zeitlich etwas in Verzug, was mein Schiff nach Sirmione anging. So eilte ich schnellen Schrittes zum Bootsanleger, war kurz unaufmerksam, übersah eine Kante und purzelte erstmal schön auf den Asphalt beziehungsweise mein Knie. Glaube ja nicht, dass mir irgendeiner der zahlreichen Passanten geholfen hätte. Ein deutschsprachiger Jogger hat mich sogar angeblafft, weil er da herlaufen wollte, wo ich gestürzt war. Ja, habe ich auch extra gemacht, du Idiot!

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Falsche Zeiten und italienische Gemütlichkeit

Mit lädiertem Knie schaffte ich es – wie ich dachte – pünktlich zum Schiff. Wenn das Schiff denn so abgefahren wäre, wie im Internet angegeben. Die Zeiten im Netz beziehungsweise der gedruckten Broschüre stimmten nämlich nicht mit der eigentlichen Abfahrtszeit überein. Heißt: 35 Minuten Wartezeit. Der ganze Stress umsonst.

Ich wollte mir dann wenigstens schon ein Ticket fürs Schiff kaufen. Als ich an der Reihe war, schloss der Mitarbeiter der Schifffahrtsgesellschaft allerdings sein Kassenhäuschen und ging zum anderen Anleger. Er müsse da helfen, wenn gleich das andere Schiff kommt, meinte er. Ich war die einzige Person, die noch hätte bedient werden müssen und das Boot am anderen Anleger war noch nicht da. Es war noch nicht einmal zu sehen. Meine Laune verschlechterte sich minütlich. Er ließ mich 20 Minuten warten.

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Ein Gerüst am Foto-Hotspot

Die Überfahrt nach Sirmione verlief ohne Zwischenfälle. Natürlich wollte ich die Burg sehen, die in jedem Reiseführer abgedruckt ist. Als ich die Burg sah, traf mich fast der Schlag. Das erste Stückchen, was ich erblickte, war hinter einem Gerüst verborgen. Das war es mit den Bilderbuch-Foto, dachte ich mir. Die ganze Mühe umsonst. Nur deshalb war ich eigentlich nach Sirmione gefahren. Zum Glück war nur die eine Seite hinter dem Gerüst verschwunden. Also nochmal Schwein gehabt.

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Noch mehr Gemütlichkeit

Als ich nach Desenzano zurück wollte, erlebte ich einen noch unverschämteren Mitarbeiter der Schifffahrtsgesellschaft als vorher. Vor seinem Kassenhäuschen hatte sich in der Mittagszeit eine riesige Schlange gebildet. Denn wenn erstmal Mittagspause ist, fährt locker 2 Stunden kein Schiff. Deswegen wollte ich frühzeitig nach Desenzano zurück. Ich war 30 Minuten vor der Abfahrt meines Schiffs am Anleger. Ich bekam mein Schiff schließlich nur, weil es 15 Minuten Verspätung hatte. Warum? Der Herr spielte das gleiche Spielchen wie sein Kollege in Desenzano. Das heißt, kurz bevor ich an der Reihe war, schloss er das Kassenhäuschen und war 20 Minuten weg beziehungsweise saß er am Anleger und spielte am Handy. Sein Kollege, der neben dem Häuschen stand, hätte vielleicht übernehmen können, aber er musste rauchen. Muss man auch Verständnis für haben. So standen wir da alle schön in der prallen Sonne. Am Lago Maggiore sind die Kassenhäuschen wenigstens meist noch überdacht, sodass du vor der Sonne geschützt bist.

Das war echt der Punkt, an dem ich richtig wütend wurde. Die Menschen hier verdienen ihr Geld mit den Touristen, doch viele liefern keinen guten Service. Am Lago Maggiore ist es komplett anders und unter anderem deshalb mag ich die Region ja auch so.

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Eine unverschämte Sitznachbarin

Endlich zurück in Desenzano wollte ich nur auf einer Bank im Schatten sitzen und erstmal runterkommen. Einfach meine Ruhe haben und nichts machen. Es dauerte nicht lange, da kam eine Oma angewackelt. Obwohl drei Bänke neben mir frei waren, setzte sie sich fast auf meinen Schoß, sodass ich ihr Platz machte. Sie saß noch nicht ganz und entschuldige, dass ich das so schreiben muss, da begann die Dame laut zu flatulieren. Gut, andere Länder, andere Sitten. Ich dachte zwar erst, ich höre nicht richtig, aber vielleicht flatuliert man hier in der Region ja zur Gesprächseröffnung. Wer weiß? Jedenfalls begann die Stinkmorchel nach ihrer Showeinlage munter draufloszuquatschen. Ich, eh schon aufgrund sämtlicher Begebenheiten des Tages EXTREM genervt, sagte auf Italienisch, dass ich nicht viel Italienisch könne und außerdem meine Ruhe haben will. Sie fragte, woher ich komme und ich entgegnete “Germania”. Daraufhin fing die Tante an, mich zu beschimpfen, sodass ich aufstehen und gehen musste.

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Vorsicht, Touristenfalle!

Ich beschloss, zum Hotel zurückzugehen. Auf dem Weg dahin wollte ich noch Postkarten kaufen, weil ich, trotz WhatsApp und Co., immer schriftliche Grüße nach Hause schicke. Besonders mein bald 90-jähriger Opa, der zwar ein Handy, aber kein Smartphone hat, freut sich dann immer. Im Tabacchi wollte ich also die Karten, die ich ausgesucht hatte, bezahlen, als die Dame mir eine horrende Summe nannte. Ich meinte, dass ich nur die Karten und keine Briefmarken möchte. Sie meinte dann, dass es nur beides bei ihr zusammen gebe. Tja, dann halt nicht.

Warum ich keine Briefmarken bei ihr kaufte? Weil das eine der größten Touristenfallen Italiens ist. Schau mal hier in meinen Text über Friend Post Italien. So ließ ich die Karten bei ihr und schlug ein paar Läden weiter zu.

Pleiten, Pech und Pannen am Gardasee: Baulärm im Hotel

Endlich im Hotel zurück, wollte ich einfach nur meine Ruhe haben. Und was ist? Im Nachbarzimmer waren Handwerker. Spätestens als ich die Bohrmaschine hörte, habe ich echt überlegt, ob ich nicht einen Lottoschein abgeben soll. Nach so viel Pech an einem Tag kann man doch einfach nur Glück haben, oder?

Das heißt jetzt nicht, dass ich den Gardasee verfluche. Um Gottes willen. Auf keinen Fall. Erstens kenne ich nur einen kleinen Teil des Sees und zweitens sind auch die Städte, die ich besucht habe, absolut sehenswert, weshalb ich bei Gelegenheit natürlich ausführlich an dieser Stelle über Desenzano und Sirmione berichten werde. Und auch die anderen Orte am See, halten viele Highlights bereit, wie mir einige Blogger-Kollegen hier mal verraten haben.

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8 Kommentare zu “Pleiten, Pech und Pannen: Ein Tag am Gardasee

  1. Steffi

    Oh nein, das hört sich wirklich nach mehr als Pech an. Wir sind früher oft nach Italien gefahren und wie du schon sagst es kommt auf die Region an. Manchmal sind die Italiener freundlich und dann wieder nicht. Der Gardersee ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ich hoffe du hast beim nächsten Besuch mehr Glück 🙂

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Steffi,

      ich fahre ja auch oft und echt gerne nach Italien, deswegen hat mich das Verhalten der Menschen in dieser Region ja so erschrocken. Das kannte ich bisher aus Italien nicht. Ich hoffe, dass es beim nächsten Mal dort besser läuft, aber in so naher Zukunft habe ich erstmal keine Lust auf den Gardasee …

      Liebe Grüße
      Christine

  2. Silvana

    Also ich kann von meinen Reisen am Gardasee nur positiv schwärmen. Sowas ist mir, in über 20 Jahren Bardolino, echt noch nie passiert. Bin gerade etwas “erschrocken” was du berichtest. Aber vielleicht hätte ich die letzten Jahre einfach Glück 🙃

    Liebe Grüße Silvana von pferdigunterweg.com

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Silvana,

      Bardolino ist ja schon wieder eine andere Ecke. Vielleicht ist es da nicht so schlimm.
      Dennoch habe ich erstmal nicht vor, das auszutesten. 😉

      Liebe Grüße
      Christine

  3. Martina

    Hallo Christine,
    das liest sich ja wirklich furchtbar. Aber tatsächlich habe ich bisher die einzigen schlechten Erfahrungen in Italien auch nur am Gardasee gemacht. Ich war zwar immer nur auf Tagesausflügen dort, aber irgendwas mit Abzocke war dort immer. Das reichte von den Erfahrungen beim Postkarten kaufen, die du auch machen musstest, bis zu Hammerpreisen bei Kaffee und Kuchen, die so nie auf der Karte standen. Außerdem habe ich nirgendwo in Italien so unfreundliche Einheimische erlebt, wie am Gardasee.
    Eigentlich schade, denn die Landschaft dort gefällt mir schon.
    Liebe Grüße
    Martina

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Martina,

      ich danke dir für deinen Kommentar.
      Es tut mir leid, dass du am Gardasee ähnliche Erfahrungen machen musstest. Auf der anderen Seite bin ich auch ein bisschen erleichtert. Denn die meisten Menschen, denen ich von meinen Erlebnissen berichtete, meinten, dass dies nicht vorgefallen sein könnte, weil sie ja mal an einem anderen Ort am Gardasee waren und da die Leute ja anders gewesen wären. Das hat mich teilweise sehr wütend gemacht, weil ich hier immer von meinen selbst gemachten Erfahrungen berichte.
      Mir hat die Landschaft auch sehr gefallen, deshalb fand ich es so schade, dass die Menschen dort so sind. Ich habe zumindest erstmal keine Lust auf einen zweiten Urlaub dort. Vielleicht, wenn einige Zeit ins Land gegangen ist.

      Liebe Grüße
      Christine

  4. Regina

    Hallo Christine,
    Vielen Dank für Deinen Urlaubsbericht. Mir ging es ähnlich. Wir waren bis vor 2 Tagen am Gardasee in Malcesine. Auch hier habe ich mehrfach Einheimischen Menschen erlebt die von den Touristen genervt sind! Unhöflich Kellner z. B und verkäufer die sehr unhöflich darauf aufmerksam machen dass sie um 12.00 schliessen. Ich kam um 11.50 in den Laden und mir wurde sofort die uhr gezeigt. Also Ich fand Malcesine der absolute Urlaubnep, überteuert und nicht gut. Nie wieder. Lg Regina

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Regina,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Es tut mir leid zu lesen, dass du ähnliche Erfahrungen am Gardasee machen musstest.
      Manchmal ist es ja eben so. Dann weiß man leider auch, dass man dort nicht wieder hin muss.
      Dafür gibt es zu viele andere schöne Gegenden.

      Liebe Grüße
      Christine

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