Rezension: Arkadien und Cornetti von Barbara Horvatits-Ebner

Nein, als Goethe-Fan kann man mich nicht gerade bezeichnen: Doch für eine Sache habe ich ihn immer beneidet: Seine 22 Monate dauernde Italien-Reise. Meine Bloggerkollegin Barbara Horvatits-Ebner hat sich ebenfalls auf eine Italien-Reise begeben: Acht Wochen lang reiste sie auf der gleichen Strecke wie Goethe durch das vielleicht schönste Land der Welt. Was sie dabei erlebte, hat sie nun in ihrem Erstlingswerk Arkadien und Cornetti: Eine Italienreise auf Goethes Spuren veröffentlicht.

Wenn ich an Goethe denke, dann sehe ich Frau D. vor mir. Frau D. war Referendarin an meiner Schule und unterrichtete mich in der zwölften Klasse im Deutsch-Leistungskurs. Oder anders: Unser als unkompliziert und nett geltender Kurs war das Versuchskaninchen von Frau D. Es gibt Referendare, die fröhlich und voller Elan zur Arbeit kommen, neue Ideen und abwechslungsreiche Lehrmethoden präsentieren. Und dann gab es Frau D. – ein trauriges Häufchen Elend, das immer ängstlich vor der Klasse stand und mit der man eigentlich nur Mitleid haben konnte.

Jeder sah, dass Lehrerin nicht ihr Beruf war, sie spürte das wahrscheinlich auch, und dennoch stand sie fünf Stunden in der Woche vor unserer Klasse und zog immer die gleiche Show ab. Sie schrieb eine Fragestellung zu Goethe an die Tafel, die wir in Gruppen erarbeiten sollten. Am Ende der Stunde folgte eine Präsentation. Immer dasselbe. Fünf Stunden die Woche Gruppenarbeit zu Goethe, fünf Stunden sinnlose Präsentationen, zu denen es meist nicht einmal Feedback gab. Aus den Leiden des jungen Werthers wurden ganz schnell die Leiden der jungen Christine. Die Wochen mit Frau D. waren der Beginn meiner ausgeprägten Goethe-Allergie. Selbst in meinem Germanistik-Studium umschiffte ich sämtliche Goethe-Seminare gekonnt, weil mein Trauma noch zu groß war.

Andererseits liebe ich aber Italien und verschlinge Bücher, die von meinem liebsten Land handeln. An Goethes Italienische Reise* traute ich mich aufgrund meiner Allergie tatsächlich erst viele Jahre nach dem Studium, und zwar zu einem Zeitpunkt als die Wunden aus der Schulzeit verheilt schienen. Dennoch ertrug ich Goethe auch hier nur häppchenweise. Goethe und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr.

Als ich hörte, dass meine Bloggerkollegin Barbara von Reisepsycho eine italienische Reise auf Goethes Spuren unternehmen will und auch ein Buch dazu plant, war ich allerdings direkt neugierig. Denn mit Barbaras Schreibstil komme ich weitaus besser klar als mit dem von Goethe. Und so wundert es auch nicht, dass ich ihr Buch Arkadien und Cornetti: Eine Italienreise auf Goethes Spuren in nur drei Abenden durchgelesen habe.

Rezension Arkadien und Cornetti: Aufbau und Inhalt

Kurz vor einem Burnout beschließt Barbara Horvatits-Ebner, sich eine berufliche Auszeit zu nehmen. Die damals 30-jährige Grazerin denkt, dass es nun an der Zeit wäre, eine Idee in die Tat umzusetzen, die ihr schon länger im Kopf umherschwirrt. Sie möchte Italien auf derselben Route bereisen wie einst Johann Wolfgang von Goethe.

Gesagt, getan. Obwohl, nein, so einfach ist es dann doch nicht. Denn Barbara ist ein absoluter Kopfmensch, der gerne alles plant. Und deshalb nimmt sie uns bei ihrem Buch von Anfang bis zum Ende mit. Der Leser ist bei den Reiseplanungen dabei, erfährt alles über ihre Zweifel und Ängste und er ist dabei, wenn sie am letzten Reisetag in Mailand in den Zug steigt, um wieder in die österreichische Heimat zu fahren. Dazwischen liegen nicht 22 Monate Italien-Reise wie bei Goethe, der vorwiegend mit der Postkutsche unterwegs war, sondern acht Wochen voller Zug- und Busreisen. Doch obwohl Barbara viel weniger Zeit im Stiefelland verbrachte, erlebte sie mindestens genauso viel wie der deutsche Dichter.

Das Buch beginnt mit einem Vorwort, in dem Barbara gleich zu Beginn klarstellt,  was der Leser erwarten kann. Barbara schildert in ihrem Werk ihre persönliche Reise auf Goethes Spuren. Sie hat nicht den Anspruch, eine literarische Reise inklusive Analyse von Goethes Werk und Weg zu liefern. Im Folgekapitel mit dem Titel “Über die Bücher“ erläutert sie noch einmal Essentielles über Goethes Buch „Italienische Reise“ und schlägt einen Bogen zu ihrem Werk. Dann nimmt sie uns auch schon mit auf ihren Weg. Es folgen die Kapitel „Planung, Vorbereitung und andere Katastrophen“ und „Die Abreise“ bis dann letztendlich die richtige Reise in Italien startet.

Die Italien-Reise selbst ist in sieben Etappen unterteilt. Etappe 1 verläuft von Sterzing nach Verona, Etappe 2 von Verona nach Venedig und Etappe 3 von Venedig nach Rom. Von Rom geht es in Etappe 4 weiter nach Neapel und dann in Etappe 5 weiter nach Sizilien. Etappe 6 führt uns dann wieder nördlich gen Heimat, es geht erst von Neapel nach Siena und dann in Etappe 7 von Siena nach Mailand.  Zu jeder Stadt, die Barbara besucht, zitiert sie in ihren Etappen aus Goethes „Italienischer Reise“ und jede Etappe schließt mit einigen Schnappschüssen. Leider sind die Bilder nur schwarz-weiß gedruckt, aber bunte Bilder der Reise kann man sich auf ihrem Blog anschauen.

Das Buch endet mit einem Epilog, einigen Fotos und Danksagungen.

Rezension Arkadien und Cornetti: Mein Fazit

Ich glaube, ich habe noch niemals ein Buch über Italien gelesen, das so persönlich und vor allem authentisch war. Barbara schreibt im Tagebuch-Stil und lässt den Leser so nicht nur an ihren Erlebnissen, sondern auch an ihren Gedanken teilhaben.

Ich habe lange überlegt, wie ich es finden soll, dass sie im kompletten Buch alles ganz genau beschreibt, also auch, was sie sich zu essen gekauft hat und wann sie duschen war oder einen Blogartikel geschrieben hat. Zwischenzeitlich habe ich mich zwar gefragt, ob es die Handlung nun voranbringt, wenn ich weiß, was auf dem Panino lag, aber nachdem nun einige Tage vergangen sind, seitdem ich das Buch gelesen habe, finde ich, dass es so gut ist, wie Barbara es gemacht hat. Denn es passt so wunderbar zu dem Gesamtwerk. Aus der anfänglichen Reise auf Goethes Spuren ist nach und nach Barbaras persönliche Reise geworden, bei der Goethe stellenweise eben keine Hauptrolle mehr innehatte. Und es ist eben auch Barbaras Buch und sie möchte uns halt lückenlos von ihren Erlebnissen und Tagesabläufen berichten.

Es war eine gute Entscheidung während der Reise Tagebuch zu schreiben und die Aufzeichnungen nach der Reise für das Buch zu verwenden. So kann man als Leser die Entwicklung von Barbara wunderbar verfolgen. Ist sie anfangs noch eine leicht verunsicherte Alleinreisende, die am liebsten alles im Voraus geplant hätte und um jeden Preis auf den Spuren Goethes unterwegs sein möchte, wird sie von Etappe zu Etappe lockerer und selbstbewusster, lacht über Fehlplanungen statt sich zu ärgern, wirft Prinzipien über Bord und  überschreitet immer wieder ihre eigenen Grenzen.

Arkadien und Cornetti zeigt nicht nur wunderbar, was eine Reise mit einem anstellen kann, man lernt auch einige Dinge für seine kommenden Italien-Reisen (zum Beispiel, dass es in Südtirol eigene Zugtickets gibt, die man an einem speziellen Automaten ziehen muss). Besonders begeistert war ich von den Florenz-Tipps, die ich mir allesamt notiert habe. Und auch die Sizilien-Etappe hat richtig Lust auf einen kleinen Abstecher gemacht.

Zur besseren Orientierung hätte mir noch geholfen, wenn Barbara – wie Goethe es auch getan hat – das jeweilige Datum in die Überschriften gepackt hätte. Manchmal schreibt sie im Fließtext, welcher Tag nun ist, aber das eher selten. Am deutlichsten vermisste ich das Datum im Venedig-Kapitel (S. 111), als sie beschreibt, wie sie sich auf Murano ein Ostergeschenk für sich selbst kauft. Ich dachte also, sie sei über Ostern in Venedig, doch später kommt heraus, dass Ostern erst noch kommt. Auch zur besseren Einordnung der Beschreibungen eines vollen oder nicht so vollen Orts wären Datumsangaben nett gewesen. Anfangs habe ich immer noch mitgezählt, welcher Tag sein müsste, das aber in der zweiten Reisewoche aufgegeben.

Ein bisschen vermisst habe ich auch ganz spezielle Fotos: An wenigen Stellen im Buch schreibt Barbara über bestimmte Fotos, die sie oder Reisebekanntschaften von ihr gemacht haben, zum Beispiel in Rom vor einem Rom-Schriftzug und in Agrigent von niedlichen Katzen. Ich hätte es schön gefunden, wenn genau diese beschriebenen Bilder auch den Weg ins Buch gefunden hätten, da ja am Ende jeder Etappe tatsächlich auch immer Bilder gezeigt werden. Dies haben sie aber leider nicht.

Aber diese beiden Punkte sind wirklich nur Kleinigkeiten. Insgesamt macht Arkadien und Cornetti unheimlich viel Lust auf Italien und ich habe mich gerade zum Ende der Lektüre mehrfach dabei erwischt, wie ich Zugverbindungen gecheckt habe, weil ich viele der beschriebenen Orte auch gerne sehen möchte. Und das ist doch fast das schönste Kompliment, das man für ein Italien-Buch bekommen kann.

Rezension Arkadien und Cornetti: Umfang und Preis

Das Buch Arkadien und Cornetti: Eine Italienreise auf Goethes Spuren von Barbara Horvatits-Ebner umfasst 436 Seiten, kostet 17,00 Euro und ist auch ein tolles Geschenk für einen Italien-Fan. Wenn du es haben möchtest oder verschenken willst, kannst du es direkt hier bestellen*.

Ich danke Barbara und dem Verlag tredition für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Meine Meinung bleibt – wie immer – dadurch unbeeinflusst.

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2 Kommentare zu “Rezension: Arkadien und Cornetti von Barbara Horvatits-Ebner

  1. Barbara / Reisepsycho

    Vielen lieben Dank für deine ausführliche Rezension! Ich gestehe: einige Verbesserungsmöglichleiten für die zweite Auflage habe ich mir schon notiert! Danke dafür.

    Schön, dass dich das Buch mitgenommen hat. Dann habe ich genau dasselbe Ziel erreicht wie Goethe bei mir damals. Manchmal braucht es eben eine Mediatorin ;-).

    Danke nochmal und ganz liebe Grüße aus Graz, Barbara

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Barbara,

      das stimmt, manchmal benötigt es wirklich eine Mediatorin, danke dafür. 😉

      Tanti saluti
      Christine

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