Ribeauvillé im Elsass: Schöne Stadt mit kleinen Makeln

Ribeauvillé im Elsass Aufmacher 2 bearbeitet kleinRibeauvillé im Elsass stand schon lange auf meiner Reisewunschliste. Wenn ein Ort schon alleine vom Namen her eine schöne Stadt („beau ville“) sein soll, dann kann der Ausflug doch nur gut werden, oder? Ribeauvillé ist zumindest definitiv ein besserer Name als das deutsche Rappoltsweiler, wie die Stadt früher hieß. Kürzlich habe ich es endlich mal dorthin geschafft.

Wenn ich an Ribeauvillé denke, dann kommt mir sofort wieder die kleine rote Katze in den Sinn, die mich in den Gassen des Orts adoptiert zu haben schien. Sie saß mitten auf einer leeren Seitenstraße, die ich nur benutzte, weil ich auch gerne abseits der Touristenpfade wandle und die Hauptstraßen des Orts mir ein bisschen zu voll waren. Sie kam gleich angelaufen, als sie mich sah, rieb sich an mir und stellte sich immer wieder auf zwei Beine, wenn ich aufgehört hatte sie zu streicheln, damit sie meine Hand wieder erreichen konnte.

Solch einen niedlichen Reisegefährten hat man nicht oft und ich war schon ein wenig traurig, als ich mich einige Minuten später von ihm trennen musste. Aber ich hatte an dem Tag noch so viel vor, insbesondere die Erkundung des schönen Ribeauvillé.

Ribeauvillé im Elsass: Lage und Anreise 

Ribeauville im Elsass Bild 3 bearbeitet kleinDie 4600-Einwohner-Stadt Ribeauvillé befindet sich nur 15 Kilometer nordwestlich vom bekannten Colmar direkt an der Elsässer Weinstraße. Von Breisach am Rhein direkt an der deutsch-französischen Grenze sind es circa 40 Kilometer mit dem Auto dorthin.

Kostenlose Parkplätze findest du auf dem Platz „Parking de la Streng“ (Rue du Rem de la Streng). Dieser ist jedoch nicht so leicht zu finden, weshalb es Hinweisschilder im Ort gibt. Ich verfehlte ihn leider, weil einige „kluge Köpfe“ ihre Fahrräder direkt vor dem Hinweisschild angekettet hatten. Stattdessen parkte ich dann – kostenpflichtig – neben dem Busparkplatz (1. Place du Gén de Gaulle).

Ribeauville im Elsass Bild 4 bearbeitet kleinKleine Anekdote am Rande: Es dauerte fast 20 Minuten, bis ich einen Parkschein ziehen konnte. Das hatte einerseits damit zu tun, dass es nur einen funktionierenden Automaten für den gesamten Platz gab, aber auch mit äußerst unfähigen Menschen vor mir in der Warteschlange. Ich weiß wirklich nicht, was das Problem war. Man konnte den Automaten auf diverse unterschiedliche Sprachen einstellen, musste dann sein Kennzeichen eingeben, auswählen, wie lange man parken möchte, Geld einwerfen und fertig.

Wer kein Auto hat, kann den Luftkurort Ribeauvillé auch mit dem Bus erreichen. Der Bahnhof ist leider für Personenverkehr geschlossen.

Ribeauvillé im Elsass: Die Grand Rue 

Ribeauville im Elsass Bild 5 bearbeitet kleinHerzstück von Ribeauvillé ist die Hauptstraße Grand Rue. Wenn man sich die lange Straße und alles, was sie zu bieten hat, in aller Ruhe ansieht, kann schon einmal ein halber Tag vergehen. Zu viel ist zu sehen und zu entdecken in diesem malerischen Straßenzug. Das Wort „Reizüberflutung“ möchte ich nicht unbedingt nutzen, aber bei so viel Schönheit kann man auch leicht vieles übersehen. Oder anders ausgedrückt: Man kann Ribeauvillé auch häufiger besuchen, man wird immer etwas Neues entdecken.

Ribeauville im Elsass Bild 6 bearbeitet kleinVor allem die vielen Bauten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert sind ein Hingucker. Inbesondere die Fachwerkhäuser, die oft reich geschmückt sind mit Blumen oder anderen Verzierungen, lassen die vielen Besucher des Orts immer wieder staunen. In die Grand Rue integriert sind viele Plätze mit Brunnen aus der Renaissancezeit und in den historischen Bauten sind oft inhabergeführte Geschäfte, die allerlei Leckereien oder Kunsthandwerk aus der Region anbieten. Ein Bummel hindurch lohnt sich, nicht nur bei Regenwetter.

Mehr Tipps, was du bei einem Regentag im Elsass unternehmen kannst, verrate ich dir in diesem Blogpost.

Ribeauvillé im Elsass: Weitere schöne Sehenswürdigkeiten

Ribeauville im Elsass Bild 9 bearbeitet kleinDie Stadt Ribeauvillé ist vor allem für ihre drei Burgen bekannt. Zum Stadtgebiet zählen die Ulrichsburg (Château de Saint-Ulrich), die Burg Girsberg (Château du Girsberg) und die Burg Hohrappoltstein (Château du Haut-Ribeaupierre).

Die Burg, die du siehst, wenn du auf der Grand Rue spazierst, ist die Ulrichsburg. Wenn du genug Zeit und festes Schuhwerk hast, kannst du den steilen Weg vom Stadtkern zu ihr hinauf nehmen. Die Burg, mit deren Bau schon im 11. Jahrhundert begonnen worden sein soll, thront 510 Meter über dem Strengbachtal und besteht aus mehreren Gebäuden. Sie ist ausschließlich zu Fuß erreichbar.

Die Burg Girsberg ist im 13. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden und befindet sich ganz in der Nähe der Ulrichsburg. Leider ist das Gebäude seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr bewohnt und längst eine Ruine.

Die höchste der drei Burgen ist die Burg Hohrappoltstein, circa 645 Meter über dem Meeresspiegel gelegen. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist seit dem späten 16. Jahrhundert ebenfalls nicht mehr bewohnt.

Ribeauville im Elsass Bild 7 bearbeitet kleinEin weiteres Wahrzeichen der Stadt ist der Fleischerturm (Tour des Bouchers). Wenn man den Turm so betrachtet, glaubt man kaum, dass zwischen dem Bau des unteren Teils und des oberen Teils rund drei Jahrhunderte vergangen sein sollen. Der untere Teil soll nämlich aus dem 13. Jahrhundert stammen, der obere Teil aus dem 16. Jahrhundert. Im 29 Meter hohen Turm wurde im Mittelalter immer eine Glocke geläutet – ein Zeichen für eine nächtliche Ausgangssperre.

Nicht entgehen lassen solltest du dir in Ribeauvillé auch die Pfarrkirche Saint-Grégoire-le-Grand. Das gotische Gotteshaus wurde zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert errichtet.

Ribeauvillé im Elsass: Und sonst?

Ribeauville im Elsass Bild 8 bearbeitet kleinGut gefallen haben mir in Ribeauvillé auch die zahlreichen Restaurants und Cafés, die Köstlichkeiten aus der Region angeboten haben. Wie wäre es also, wenn du mal einen echten Elsässer Flammkuchen probierst oder dir in einer Bäckerei eine süße Leckerei aussuchst? Du wirst es sicher nicht bereuen.

Auch eine Fahrt mit der Bimmelbahn ist in Ribeauvillé eine schöne Option, vor allem, wenn du mit kleinen Kindern im Elsass unterwegs sein solltest. Bei einer Fahrt mit den kleinen Touristenzügen, die direkt am Stadtgarten (Jardin de ville, 6A Rue du Cimetière) starten, bekommst du auf eine bequeme Art und Weise einen wunderbaren Eindruck von der Stadt.

Ribeauville im Elsass Bild 10 bearbeitet kleinApropos „Eindruck“: Auf eine ganz besondere Art präsentiert sich Ribeauvillé immer am ersten Sonntag im September beim „Pfeifertag“. Bei diesem Stadtfest kommen Straßenmusikanten aus der gesamten Region nach Ribeauvillé und erinnern bei einem feierlichen Festumzug mit Blaskapellen, Festwagen und Co. an eine historische Begebenheit.

Ribeauvillé galt im Mittelalter als Stadt der Minnesänger. Doch einem Minnesänger ging mal seine Flöte kaputt. Das kann passieren, aber er konnte so seine Familie nicht mehr ernähren. Doch der Herr von Rappoltstein hörte von dem Missgeschick und schenkte dem Minnesänger Gold, damit er sich ein neues Instrument kaufen kann. Der Minnesänger dankte es ihm, indem er alle seine Kollegen zusammentrommelte. Sie liefen zur Burg des Herrn und ernannten ihn zum „König der Pfeifer“. An diese Legende erinnert man in Ribeauvillé mit dem „Fest der Stadtmusikanten“.

Ribeauvillé im Elsass: Ausflugsziele in der Nähe

Ribeauville im Elsass Bild 12 bearbeitet kleinNur fünf Kilometer von Ribeauvillé entfernt findest du ein weiteres malerisches Weindorf: Riquewihr. Der Ort mit den circa 1000 Einwohnern gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs und zwar absolut zu Recht. Wer auf Fachwerkhäuser steht, ist dort absolut richtig. Ein Haus scheint schöner zu sein als das andere. Sie sind nicht nur bunt, sondern haben oft auch schöne Verzierungen und es macht einfach Spaß durch das kleine Örtchen zu flanieren, das so viel bietet. Der mittelalterliche Stadtkern von Riquewihr ist fast vollständig erhalten und gerade das macht die Stadt so einzigartig.

Ribeauville im Elsass Bild 11 bearbeitet kleinCirca 15 Kilometer sind es von Ribeauvillé nach Kaysersberg. Die Geburtsstadt von Nobelpreisträger Albert Schweitzer gehört zu den beliebtesten Weindörfern im Elsass und bietet ebenfalls einen malerischen Stadtkern mit allerlei Shoppingmöglichkeiten und Restaurants. Und hoch über der Stadt thront eine Burg, von dessen Bergfried du eine wunderbare Aussicht auf die Region genießen kannst.

Mehr über Kaysersberg erfährst du in diesem Blogpost.

Apropos Burgen: Wenn du eine Vorliebe für Burgen und Schlösser hast, kannst du von Ribeauvillé aus auch in wenigen Minuten die Hohkönigsburg (Château du Haut-Koenigsbourg) erreichen. Eine Besichtigung ist wirklich lohnenswert.

Ribeauvillé im Elsass: Zwei Anekdoten am Rande

Ribeauville im Elsass Bild 13 bearbeitet kleinIch besuchte Ribeauvillé zum ersten Mal wenige Tage, nachdem die Queen gestorben war. Ich habe irgendwie ein Faible für das britische Königshaus, habe mir an meinem 30. Geburtstag den Buckingham Palace von innen angeschaut und wenn ich an diese Reise denke, wird mir immer zuerst der Tod der Königin in den Sinn kommen. Als ich an diesem letzten Reisetag nun durch Ribeauvillé spazierte, glänzte plötzlich etwas auf dem Gehweg vor mir: eine Münze. Ich war mir sicher, dass es sich dabei um einen Euro handeln würde, hob das Stück auf und erblickte plötzlich „Her Majesty“. Ich verwahre sie seitdem als Glücksbinger.

Ribeauville im Elsass Bild 14 bearbeitet kleinZuvor hatte ich mich schon ein wenig blamiert. Ich lasse ja auf Reisen meist kein Fettnäpfchen aus, erst recht nicht, wenn ich ein wenig müde bin. Ribeauvillé besuchte ich auf dem Rückweg aus Italien. Ich war bereits seit 2.30 Uhr auf den Beinen, als mich im Elsass drei Asiatinnen ansprachen. Doch ich verstand nicht, was sie von mir wollten. Wir standen vor einer Stadtmusikanten-Statue, als sie an mich herantraten und sie fuchtelten mit ihren Handys rum. „Klare Sache“, dachte ich, „ich soll ein Foto von ihnen vor der Statue machen“. Doch das schien es nicht zu sein, denn plötzlich schüttelten sie den Kopf. Sie hatten nämlich schon jemanden, der ein Foto machen sollte.

Dann erinnerte ich mich an die Geschichte eines ehemaligen Arbeitskollegen. Er reiste mal durch Indien und die Einheimischen wollten dauernd Fotos mit ihm machen, weil sie blonde korpulente Männer sonst nicht so oft sehen. „Gut“, dachte ich mir nun, „die wollen ein Foto mit dir“. Also gesellte ich mich zu den drei Damen auf das Bild und warf mich in Pose. Jetzt hättet ihr die geschockten Gesichter der Frauen sehen sollen. War also wieder nicht das, was sie wollten. Sie zogen mich nun aus der Szenerie. Sie wollten einfach nur, dass ich einige Schritte von der Statue weg gehe …

Ribeauvillé im Elsass: Mein Fazit

Ribeauville im Elsass Bild 15 bearbeitet kleinWarum erzähle ich diese Anekdote zum Schluss? Weil sie eine Sache zeigt, die mir in Ribeauvillé wirklich sehr auf den Sender ging und unter der die Frauen wohl auch etwas litten. Es war einfach viel zu voll. Ich besuchte das Städtchen an einem Freitagvormittag und es war schier unmöglich schöne Fotos zu machen, weil sich solche Massen durch den Ort geschoben haben. Ich habe deshalb meist nur die Seitenstraßen oder die oberen Teile von Häusern fotografiert, weil wirklich überall Menschen waren, zumindest rund um die Grand Rue.

Leider ein wenig unnötig: Vor/auf viele(n) schöne(n) Fotomotive(n) haben sich Menschen hingesetzt, um Rast zu machen. Das muss doch echt nicht sein. Da gab es genug Platz in Seitenstraßen, wo man das hätte machen können. Dort standen oft sogar Bänke. Man muss nicht auf Sehenswürdigkeiten sitzen. Ich finde das auch echt respektlos der Stadt und den Bewohnern gegenüber.

Apropos Bewohner: Ich kann die Genervtheit vieler Anwohner aufgrund der Menschenmassen absolut verstehen. Sie müssen an diesem Ort ihrer Arbeit nachgehen, Erledigungen machen, Dinge ausliefern und, und, und … Und dauernd laufen ihnen Touristen vor die Autos, stehen im Weg rum oder Instagram-Girls blockieren ganze Straßen für das vermeintlich perfekte Bild.

Ribeauville im Elsass Bild 16 bearbeitet kleinIch habe lange darüber nachgedacht, was mich an Ribeauvillé so gestresst hat und es war einfach die Tatsache, dass ausgerechnet durch die Grand Rue, also DER Straße in Ribeauvillé, ununterbrochen Autos heizten. Ich verstehe, dass Anwohner und Lieferanten hindurch müssen, aber dann sollten sie sich auch an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Tatsächlich musste ich mehr als einmal wirklich von der Straße springen, um nicht von einem Auto erwischt zu werden, und ich bin wirklich ein umsichtiger und vorausschauender Mensch, der niemandem im Weg sein will. Bürgersteige im klassischen Sinne gibt es leider nicht und oft ist die Straße verengt, weil Ladenbesitzer ihre Ware breit aufgestellt haben oder Cafés und Restaurants Stühle fast auf der Straße platziert haben. Man ist also gezwungen auf der Straße zu laufen, die auf den ersten Blick auch wie eine Fußgängerzone wirkt.

In der Hinsicht fand ich Riquewihr und Eguisheim weitaus angenehmer und stressfreier zu besuchen. Aber von diesen Makeln abgesehen, ist Ribeauvillé wirklich unbedingt einen Besuch wert und ich kann dir das Städtchen nur ans Herz legen.

Jetzt bist du dran: Bist du schon einmal in Ribeauvillé gewesen? Wie war dein Eindruck von dem Ort? War es dort auch voller Touristen oder konntest du einen halbwegs authentischen Eindruck von der Stadt gewinnen? Was hat dir in Ribeauvillé am besten gefallen?

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Weiterlesen: Weitere Highlights im Elsass stellen meine Bloggerkollegen in diesem Blogpost vor. Gerne nehme ich dich auch mit nach Mulhouse und verrate dir, welche die für mich 5 schönsten Städte im Elsass sind.

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