Verantwortungsvolles Bloggen: Über Fallstricke und Konsequenzen

Es kommt immer wieder vor, dass Blogger oder Influencer mit unangebrachten Aktionen negative Presse machen. Erst kürzlich passierte es wieder in Bayern. Eine Influencerin hat sich im Nationalpark Berchtesgaden für ein Foto unerlaubt Zugang zu einer Gumpe eines Wasserfalls verschafft. Direkt neben ihr geht es in die Tiefe. Der Weg dahin war lebensgefährlich. Die Influencerin brachte bei dieser Aktion nicht nur sich, sondern auch die Natur in Gefahr. Sie handelte völlig verantwortungslos, nur um ihren 1,2 Millionen Instagram-Followern voller Stolz diesen Schnappschuss zu präsentieren. Dieser Vorfall veranlasste meine Kollegin Andrea von Indigoblau dazu, eine Blogparade über verantwortungsvolles Bloggen zu starten. Über diese Thematik habe ich mir schon oft Gedanken gemacht. 

Die Verwaltung des Nationalparks verlangte von der Influencerin, den Post zu löschen. An der Stelle, an der das Bild entstand, soll es schon Tote gegeben haben. Zudem befürchte man nun Nachahmer, die mitten im Naturschutzgebiet Müll hinterlassen, campieren oder Lagerfeuer machen. Doch die Influencerin löschte den Post nicht. Die Gier nach Likes und Followern scheint größer als das Verantwortungsbewusstsein zu sein.

In ihrem Beitrag erzählt Andrea von Bauchschmerzen, die sie momentan hat. Ihr ist aufgefallen, dass genau die Menschen, die sonst immer fröhlich um die Welt jetteten plötzlich ihre Heimat für sich entdeckt haben. Das ist ja an und für sich nicht schlimm. Das Problem ist, dass nun jede noch so schöne und geheime oder ruhige Ecke im Internet landet und der Gefahr ausgesetzt ist, überrannt zu werden. Besonders Naturschutzgebiete sind hier besonders gefährdet.

Wie Andrea habe auch ich Bauchschmerzen. Wenn du meine Website kennst, dann weißt du, dass ich viele Wochen im Jahr am Lago Maggiore bin. Ich kenne mich am See schon fast besser aus als in meiner Heimat. Auch ich mache am See immer häufiger ähnliche Beobachtungen, die mich beunruhigen. Es hat sich etwas verändert.

Verantwortungsvolles Bloggen: Wandel und Veränderung

Ich weiß noch, als ich vor zwei Jahren zum  Lago Maggiore fuhr. Ich kam damals Mitte August am See an und war völlig geschockt. Der kleine Ort, in dem ich war, platzte aus allen Nähten. Ich war zuvor schon oft am See und natürlich ist im August in Italien Hochsaison, aber das war unnormal. Ich erzählte damals meiner Mutter von meinen Beobachtungen und sie scherzte: „Die sind alle wegen dir da, weil du immer so positiv über den Lago Maggiore schreibst!“

Natürlich war ich nicht dafür verantwortlich, aber es war tatsächlich eine italienische Influencerin, die dafür sorgte, dass es an dem Tag am See so unerträglich war. Die Dame, so erfuhr ich später in einer Facebook-Gruppe für Einheimische, war kurz zuvor in dem gleichen Ort wie ich und lockte mit ihren Fotos die Generation Instagram an den See.

Ich bin ganz ehrlich: Ich kann mit Instagram nicht so viel anfangen. Klar, ich habe einen Account, auf dem ich ausgewählte Reisebilder zeige. Ganz selten landet mal ein Bild von mir im Feed. Ich brauchte keine Likes für mein Ego und ich verstehe den Hype um Instagram-Sternchen nicht. Ich folge keinen Mädels, die sich im Bikini unnatürlich am Strand räkeln. Was bringt mir das? Und was soll überhaupt diese Verehrung von Menschen, die die ganze Zeit eine Fishing-for-Compliments-Nummer abziehen? Sollte man nicht mit Inhalten überzeugen statt mit Optik? Aber na ja. Ich schweife schon wieder ab. Fakt ist: Das Getue ist mir einfach zuwider, aber es existiert und es beeinflusst.

Damals am Lago Maggiore begriff ich zum ersten Mal, was Influencer und Blogger mit unüberlegten Postings anrichten können. Ja du liest richtig: Influencer und Blogger setze ich ausnahmsweise hier mal gleich, weil beide durch die Veröffentlichung von Fotos oder Texten Menschen erreichen und lenken können.

Verantwortungsvolles Bloggen: Influencer-Postings als Fluch und Segen

Grundsätzlich ist die Aufmerksamkeit, die manche Orte durch Instagram oder Blogposts erhalten ja nicht schlecht. Hotels und Urlaubsregionen profitieren in den allermeisten Fällen und die Popularität kann auch Arbeitsplätze schaffen. Aber manchmal geht der Schuss eben auch nach hinten los. So wie auch im vergangenen Jahr am Lago Maggiore. ….

Ich weiß nicht, ob dir der Name Chiara Ferragni was sagt. Das ist DIE Influencerin schlechthin. Sie hat 20 Millionen Follower auf Instagram und dazu mit Fedez einen der angesagtesten Sänger Italiens geheiratet. Er selbst bringt nochmal 10 Millionen Instagram-Follower mit in die Ehe. Und ausgerechnet das Ehepaar “Ferragnez“ urlaubte im vergangenen Sommer für einige Tage am Lago Maggiore und taggte so einige Orte. Generation Instagram ließ in den folgenden Wochen nicht lange auf sich warten. Fast stündlich wurden Gruppen junger Leute mit Zügen aus Mailand und Co. an den See gebracht und fluteten, wie eine Einheimische ziemlich aufgebracht im Internet berichtete, wie Heuschrecken den Ort, um nach gemachten Fotos, wieder abzuhauen. Konsumiert haben die meisten nichts, höchstens was im Supermarkt gekauft und Müll hinterlassen.

War das nicht schon fatal genug für manch kleinen Ort, der nun überrannt wurde, musste nun ausgerechnet noch Weltstar Pink fast zeitgleich fleißig Aufnahmen vom See posten und verlinkte auch besuchte Restaurants und Orte.

Influencer und Blogger meinen es ja in der Regel nicht schlecht. Aber oft sind sie sich einfach nicht bewusst, was passieren kann, wenn sie ihre pure Anwesenheit an einem bestimmten Ort in die Welt hinauströten.

Verantwortungsvolles Bloggen: Die Folgen der Aufmerksamkeit

Ich selbst war kurze Zeit nach „Ferragnez“ und Pink am See. Und ich beobachtete zu der Zeit täglich gleich mehrmals Dinge, die mich wirklich wütend machten und die ich vorher in all der vielen Zeit, die ich bisher am See verbracht habe, nie gesehen habe.

Ein Restaurant, das Pink besuchte, liegt zum Beispiel in der Nähe einer Seilbahn und an einer Bucht, von wo aus man einen wirklich wunderschönen Blick auf die Borromäischen Inseln hat. Die Bucht ist groß und es gibt unzählige Möglichkeiten, besondere Bilder zu machen. Aber eine Gruppe von vier jungen Instagrammern wollte es noch besonderer und verschaffte sich Zugang zu einem privaten Steg. Nein anders: Sie brachen ein, um auf das Privatgelände zu gelangen, das zum Glück videoüberwacht war.

Auf diesem Steg grölten sie und sprangen mit ihren Selfie-Sticks umher bis auch die peinlichste Pose im Kasten war. Um sie herum lagen leere Chipstüten und diverse Glasflaschen. Einiger Müll fiel in den See, was man mitbekommen hätte, wenn man weniger gepost hätte … Zum Glück lief ich zum richtigen Zeitpunkt an dem Steg vorbei. Denn mittlerweile war der Besitzer aufgrund der Videoüberwachung auf die Einbrecher aufmerksam geworden und hatte die Polizei verständigt, die sich nun mit den Idioten beschäftigte. Schade, dass mein Italienisch nicht ausreichte, um alles zu verstehen.

Ich frage mich echt, was so ein Verhalten soll. Wieso denken einige Menschen nur in Followern und Likes? Einige Tage nach diesem Vorfall haben mich andere Instagrammer fast von dem Steg ganz in der Nähe meiner Stammwohnung geschubst, weil sie in dem Moment, als ich da stand und ein Foto machte, auch fotografieren wollten. Anscheinend brauchte ich ihnen bei meinem einen Foto zu lange. Ist das schon ein Grund mich zur Seite zu schubsen? Warum denkt jeder nur noch an sich? Und warum nimmt man nicht einfach die freie Fotoposition ganz in der Nähe? Hatte etwa irgendein Promi vorher an “meinem” Steg fotografiert, weshalb man genau da hin musste? Oder war man so unter Zeitdruck, weil der Zug zurück nach Mailand bald abfuhr? Ich weiß es nicht.

Verantwortungsvolles Bloggen: Ferragni – die Zweite 

Unbedachte oder nicht böse gemeinte Posts, die unschöne Folgen nach sich ziehen, können jederzeit wieder passieren. Gerade in Coronazeiten ist es fatal, wenn man die Massen an Orte lenkt, die einfach nicht genug Kapazitäten haben.

Erst vergangenes Wochenende ist mir wieder schlecht geworden, als ich durch meinen Facebook-Feed scrollte. Denn Ehepaar Ferragnez war wieder am Lago Maggiore und hat fleißig gepostet. Die italienischen Kids sind geradezu ausgerastet und planen wahrscheinlich schon wieder ihre Foto-Besuche. Auch die Hoteliers der hochklassigen Häuser, von denen es in der Region geradezu wimmelt, überschlugen sich fast vor Freude. Dass das Publikum, das durch solche Posts angesprochen wird, sich diese Hotels vom Taschengeld nicht leisten kann und, wie weiter oben beschrieben, nur für einige Fotos in die Orte reist, darüber denkt wieder keiner nach. Obwohl, das stimmt so auch nicht. Die Einheimischen denken darüber nach und viele haben seit dem Ferragnez-Besuch nun regelrecht Angst, dass Generation Instagram wieder über diese kleinen Orte herfällt, wie das im vergangenen Jahr der Fall war.

Die Region hat derzeit noch eine niedrige zweistellige Zahl von Coronainfizierten, ganz im Gegensatz zu anderen Regionen, wo die Anzahl noch weitaus höher ist. Nun haben viele Einheimische Sorge vor einer zweiten Infektionswelle und einer erneuten Abriegelung ihrer Heimatorte. Das wäre schlichtweg das Aus für viele Cafés, Restaurants und Hotels.

Verantwortungsvolles Bloggen: Meine persönlichen Konsequenzen

Solche Geschichten haben mich sensibilisiert. Meine Antennen sind mittlerweile immer ausgefahren und mein Bewusstsein geschärft. Ich überlege mir gut, was ich poste und ob ich vielleicht einen Ort einfach mal nicht vorstelle.

Blogposts wie „Das sind die Instagrammable-Spots in Ort A oder B“ bringen vielleicht Klicks, aber sie ziehen genau das Publikum an, was ich persönlich nicht ansprechen will. Ich wünsche mir, dass ich Menschen erreiche, die die Natur, Menschen und bestehende Regeln respektieren. Leider habe ich ja nicht zu 100 Prozent Einfluss, wen ich erreiche, aber ich muss meine Leser ja nicht unbedingt in abgelegene Naturschutzgebiete schicken oder an Instagrammable-Spots in kleinen Orten, die dann von Massen überrannt werden.

Bei vielen meiner Kollegen weiß ich, dass sie ebenfalls genau überlegen, was sie posten und sich um einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Reichweite bemühen. Doch bei einigen anderen Menschen, ist das leider nicht der Fall. Ich würde mir wünschen, dass dort in Zukunft ein Umdenken stattfindet. Man sollte sich seiner Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst sein.

Als Blogger wandelt man oft auf einem schmalen Grat und auch ich weiß nicht immer, was denn nun richtig ist. Ich höre einfach auf mein Bauchgefühl und bin bisher auch ganz gut damit gefahren.

Viele Blogger oder Instagrammer handeln wahrscheinlich nicht mal in böser Absicht, wenn sie was in die Welt hinausposten. Dennoch sollte man doch verlangen können, dass man sich an gewisse Regeln hält. Und es gibt Dinge, wie die Sache in Berchtesgaden, die sind dann auch irgendwann nicht mehr auf jugendlichen Leichtsinn zurückzuführen. Die sind einfach nur dumm.

Jetzt bist du dran: Wie stehst du zu der Thematik? Hast du selbst einen Blog und dir schon einmal über das Thema Gedanken gemacht? Was sagst du zu der Instagrammerin in Berchtesgaden? Sollte sie ihren Post löschen?

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2 Kommentare zu “Verantwortungsvolles Bloggen: Über Fallstricke und Konsequenzen

  1. Renate

    Liebe Christine,
    manchmal habe ich das Gefühl, die ganze Welt ist verrückt geworden. Vielleicht werde ich aber auch einfach alt! Ich verstehe diesen künstlichen Hype einfach nicht. Mir ist auch völlig unklar, warum man die so anhimmelt. Selbst wenn Johnny Depp bei uns am Rhein herlaufen würde, würde ich deshalb nicht tot umfallen. Ich mag auch nicht ständig irgend welche halb nackten Damen auf Bildern posieren sehen, Männer übrigens auch nicht. Nur mal so!
    Man sollte die Instagrammerin von Berchtesgaden verklagen und nicht nur den Post, sondern den ganzen Account löschen,
    Herzliche Grüße
    Renate

    1. Christine Autor des Beitrags

      Liebe Renate,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Genau das verstehe ich auch nicht. Was haben Menschen davon, wenn sie “Prominente” treffen? Was ist so toll daran, sich andere Leben anzuschauen? Warum sollte ich “Promis” nacheifern? Sollte ich nicht mein eigenes Leben leben, eigene Erfahrungen machen, eigene Lieblingsorte entdecken? Ich habe einige Jahre mit sehr berühmten Menschen zusammengearbeitet und verstehe diesen Star-Kult seitdem noch viel weniger, zumal die meisten Promis, mit denen ich zu tun hatte, von Fans eher genervt waren und sich “hinter der Kamera” als absolute Ekel aufführten.
      Natürlich haben einige Menschen schon immer zu Stars aufgeschaut, aber durch Instagram ist das alles nochmal viel intensiver und schnelllebiger geworden.
      Ich stimme dir zu. Die Dame von Berchtesgaden sollte zur Rechenschaft gezogen werden. Ich plädiere schon lange für gewisse Gesetzesänderungen, da Instagram Gefahren und Straftaten mit sich bringt, die es vor einigen Jahren noch nicht gegeben hat. Vielleicht lernen einige Leute ja dann mal, was man macht und was man nicht macht und dass “Chill mal” und “positive vibes only” keine akzeptablen Antworten sind, wenn man ein Vergehen anspricht.

      Liebe Grüße
      Christine

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