Rezension Azzurro von Eric Pfeil: Mit 100 Songs durch Italien

Rezension Azzurro Aufmacher 2 bearbeitet kleinWenn ich „Azzurro“ von Adriano Celentano höre oder „Felicità“ von Al Bano und Romina Power, dann erscheinen vor meinem geistigen Auge sofort prächtige Palmen, lebendige Strände, malerische Altstadtgassen und ein Glas voll mit Aperol Spritz. Kaum etwas bringt mich gedanklich so schnell in mein Lieblingsland wie italienische Musik. Und das geht ziemlich vielen Menschen so. Wer mehr über die Interpreten der berühmtesten italienischen Gassenhauer oder die Entstehungsgeschichte der Songs wissen möchte, kann sich diese Infos nun leicht besorgen. Eric Pfeil stellt in seinem Werk Azzurro 100 italienische Lieder und die Geschichten dahinter vor.  

Dass man in Italien ein ganz spezielles Verhältnis zur Musik hat, habe ich schon häufig erlebt. Seitdem ich 2015 mein Herz an den Lago Maggiore verloren habe, verbringe ich in jedem Jahr mehrere Wochen und manchmal sogar Monate in Norditalien. Und es scheint mir, als sei dort fast jeder Mensch ein ausgezeichneter Sänger. Bisher verging zum Beispiel keine Fahrt vom Flughafen in Mailand-Malpensa nach Stresa, während der der Busfahrer nicht inbrünstig zur Musik im Radio gesungen hat. Und das auch noch ziemlich gut.

Auch wenn ich morgens um 6 Uhr meine Wohnung verlasse, um den ersten Rundgang durch Stresa zu machen, singt mir der für „meine“ Straße zuständige Müllmann regelmäßig Stücke aus bekannten Opern vor. Würde er statt seiner Arbeitsuniform einen schicken Anzug tragen, könnte man ihn auf diversen Bühnen dieser Welt auftreten lassen, ohne dass auch nur ein Zuhörer zweifeln würde, dass es sich bei dem Mann um einen echten Tenor handelt.

Ich schätze diese Vorliebe für Musik der Italiener sehr und italienische Musik mag ich ohnehin. Als ich sah, dass Eric Pfeil mit Azzurro ein Buch über italienische Songs geschrieben hat, war mir klar, dass ich mir dieses Werk in jedem Fall näher anschauen möchte.

Rezension Azzurro: Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit einem ausführlichen Vorwort, in dem Autor Eric Pfeil erklärt, wie seine Liebe zu Italien und italienischer Musik entstand. Und natürlich verliert er auch ein paar Worte darüber, was er auf den folgenden Seiten vorhat. Er stellt direkt klar, dass er sich nicht anmaßen möchte, seinen Lesern Italien zu erklären. Vielmehr möchte er sich selbst Italien erklären und lässt den Leser dabei zuhören.

Dann geht es auch schon los mit dem ersten von insgesamt 100 Kapiteln, in denen einzelne Lieder und Infos zur Entstehungsgeschichte oder Sonstigem stehen. Die vorgestellten Songs stammen aus den Jahren 1916 bis 2020. Ein Inhaltsverzeichnis, das einen Überblick über die vorgestellten Lieder geben würde, gibt es leider nicht. Das ist sehr schade und unpraktisch. Gerade bei einem Buch, was aus 100 Häppchen besteht, bietet es sich an, es nicht chronologisch von vorne bis hinten zu lesen, sondern sich zum Beispiel zunächst nur die Lieder rauszupicken, die einen besonders interessieren. Wonach die Songs ausgewählt und angeordnet worden sind, erschließt sich dem Leser leider nicht. Eine Erklärung dazu fehlt im Vorwort.

Das Buch schließt mit Quellenangaben, einem ausführlichen Schlagwortregister und einer Danksagung.

Rezension Azzurro: Mein Fazit

Wer auf der Suche nach Songs für seine Italien-Playlist ist, wird im Buch Azzurro definitiv fündig werden. Es werden dort viele bekannte, aber auch – zumindest mir bisher – unbekannte Songs besprochen. Vielleicht machst du dir ja schon vor der Lektüre eine Playlist mit genau diesen 100 Songs fertig und hörst sie bei der Lektüre?

Man merkt schon in den ersten Kapiteln, dass Eric Pfeil liebt, worüber er schreibt und ein immenses Wissen hat. Er erklärt nicht nur viel über Musik und Songs, sondern auch über die Kulturhistorie von Italien und andere Themen.

Er selber beschreibt Italien zu Beginn des Buchs im Vorwort als „Zuviel-Land“ und auch Pfeil gibt oft „zuviel“ beim Schreiben, was dem Leser, der eben nicht über ein so großes Wissen wie er verfügt, bei der Lektüre leicht zum Verhängnis werden kann.

Ein Beispiel: Pfeil nutzt extrem oft Fachbegriffe, die sich mir zum Beispiel häufig nicht erschlossen. Der Autor hat beim Schreiben anscheinend vergessen, dass die meisten Leser nicht einmal annähernd so viel Ahnung von der Materie haben wie er. Klar, ich kann auch googeln, wenn ich etwas nicht verstehe. Aber wenn ich ein Buch lese, dann möchte ich kein technisches Gerät in meiner Nähe haben müssen, dass mir Fragen zum Buch beantwortet. Jeder Autor sollte im Hinterkopf haben, dass er für den Leser schreibt und das sein oberstes Gebot sein sollte, verstanden zu werden. So habe ich es zumindest mal beigebracht bekommen.

Auch viele Namen, die im Buch vorkommen, werden oft nicht eingeordnet. Für den Leser wäre es ein schöner Service gewesen vor bestimmten Namen einfach die Funktion („Schauspieler“, „Produzent“, „Sänger“) einzufügen. Ich hatte während meiner Lektüre leider oft sehr viele Fragezeichen im Kopf und habe auch viele Kapitel aus diesem Grund abgebrochen, weil ich nicht mehr durchblickte.

Zudem ist der Schreibstil recht hochgestochen und überladen: Pfeil scheint unbedingt sein ganzes Wissen in dem Werk unterbringen zu wollen, was ja sehr löblich ist. Aber wenn ich einen Satz dreimal anfangen muss zu lesen, weil immer mehr Verschachtelungen, Fremdwörter und (unwichtige) Infos folgen, die nicht unbedingt nötig wären, um die Geschichte zu verstehen, dann nimmt mir das einfach sehr schnell die Lust am Lesen.

Leider muss ich noch einen weiteren Punkt anfügen, der mir nicht gefallen hat. Klar, über Geschmäcker lässt sich streiten. Für meinen Geschmack hat Eric Pfeil zu wenig aktuelle Künstler und Songs ausgewählt. Nur 12 von 100 vorgestellten Liedern sind nach dem Jahr 2000 veröffentlicht worden. Das ist unglaublich schade, denn es gibt so viele gute aktuelle Musik und Bands, über die man Geschichten erzählen könnte, zum Beispiel „Il Volo“, „Benji und Fede“ oder „Måneskin“, die ja im vergangenen Jahr den ESC gewannen und in Italien schon lange davor sehr bekannt waren. Doch von der letztgenannten Band hält der Autor leider nichts, weil die Band bei einem Auftritt in seinen Augen aussah, „als habe sich Oliver Stone die Gruppe für ein missglücktes Glamrock-Biopic ausgedacht“. Vom Aussehen auf die Qualität der Musik zu schließen, ist leider sehr schwach. Im Buch gibt es einige dieser „lustigen“ Vergleiche.

Ja, das waren nun einige Kritikpunkte. Aber das heißt nicht, dass dir das Buch nicht gefallen würde. Viele Dinge, die ich angesprochen habe, zum Beispiel der Schreibstil, sind auch eine reine Geschmackssache. Azzurro ist ein Buch, das man immer mal zur Hand nehmen kann, wenn man auf der Suche nach neuen Musiktipps ist oder Hintergründe zu einem seiner italienschen Lieblingssongs ist.

Rezension Azzurro: Umfang und Preis

Das Buch Azzurro – Mit 100 Songs durch Italien von Eric Pfeil ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen. Es umfasst 368 Seiten und kostet 14,00 Euro. Wenn du es haben oder verschenken möchtest, kannst du es direkt hier bestellen*.

Ich danke dem Verlag Kiepenheuer & Witsch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Meine Meinung bleibt – wie immer – dadurch unbeeinflusst.

Weiterlesen: Ich habe auch noch ein paar Musiktipps für dich. Gerne verrate ich dir 15 italienische Lieder, die dich in Urlaubsstimmung bringen und meine meine italienische Playlist für den Sommer.

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