Halden im Ruhrgebiet: Tolle Aussichtspunkte im Pott

Halden im Ruhrgebiet Aufmacher 2 bearbeitet klein NEUDas Ruhrgebiet ist nicht gerade für seine bergige Landschaft bekannt. Dennoch kannst du im Pott zum Gipfelstürmer werden, und zwar indem du einfach eine Halde erklimmst. Was genau eine Halde ist, was du auf ihr erleben kannst und wo du schöne Halden im Ruhrgebiet findest, verrate ich dir gerne.

Den Spruch „Aus der Not eine Tugend machen“ kennst du sicher auch. Man benutzt ihn immer dann, wenn man aus einer nicht so schönen Situation einen Vorteil zieht. Im Ruhrgebiet sind wir Meister darin, aus der Not eine Tugend zu machen. Prominente Beispiele sind die Halden, von denen es mehr als 250 Stück im Ruhrgebiet geben soll.

Halden sind künstlich angelegte Berge. Zur Aufschüttung wurden Abfallprodukte verwendet, die zum Beispiel beim Bergbau entstanden. Aber auch Hausmüll, Trümmer oder Bauschutt sind zur Aufschüttung von Halden verwendet worden. Die bis zu 140 Meter hohen Berge sind längst beliebte Freizeit- und Erholungsorte geworden. Man könnte sogar von Sehenswürdigkeiten sprechen. Denn die meisten Halden sind längst renaturiert worden und ein wichtiger Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Von oben hast du zudem einen wunderbaren Ausblick über das Ruhrgebiet. An kaum einem Ort im Ruhrpott sind Industriekultur und Natur so eng verzahnt wie auf Halden. Denn auf den Gipfeln erwartet dich oft nicht nur der schon erwähnte Ausblick, sondern auch ein sehenswertes Kunstwerk. Gerne stelle ich dir zehn meiner liebsten Halden im Ruhrgebiet vor.

Halden im Ruhrgebiet: Halde Rungenberg Gelsenkirchen

Halden im Ruhrgebiet Bild 3 bearbeitet kleinEin toller Hingucker ist die Halde Rungenberg in Gelsenkirchen, denn der Berg besitzt gleich zwei Gipfel. Insgesamt hat er eine Höhe von 115 Metern. Aber vom Parkplatz aus musst du „nur“ 67 Meter überwinden. Ein besonderer Hingucker ist die Halde in Gelsenkirchen nachts. Denn auf jedem der beiden Gipfel befindet sich eine Lichtkanone, die bei Dunkelheit angeschaltet werden. Die Lichtstrahlen begegnen sich am Himmel und erzeugen die Illusion einer Pyramide.

Wenn du mehr über die Bergbaugeschichte im Ruhrgebiet erfahren möchtest, bist du an der Halde Rungenberg übrigens genau richtig. Denn an der Halde befindet sich „Das kleine Museum“, das sich die Erhaltung der Bergbaugeschichte zur Aufgabe gemacht hat. Du kannst über das Museum Haldenwanderungen mit Grubenlampen und anschließendem Bergmannsessen buchen. Auch ein Besuch im Museum selbst lohnt sich sehr. Ich selbst war in dem Museum mal für ein Fotoshooting inklusive Interview mit Joel Matip und habe den Termin natürlich auch für eine Besichtigung genutzt.

Halden im Ruhrgebiet: Halde Rheinelbe Gelsenkirchen

Halden im Ruhrgebiet Bild 4 bearbeitet kleinFotoshooting ist übrigens ein gutes Stichwort. Auch die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen kenne ich nämlich von einem Fototermin. Vor einigen Jahren haben wir Leroy Sané mal für ein Interview auf der Halde Rheinelbe fotografieren lassen. Diesen Termin habe ich allerdings nicht selber begleitet, sondern die Halde später mal angeschaut, weil mir die Fotos so gut gefielen. Denn auch auf der Halde Rheinelbe befindet sich ein Hingucker, der eng mit der Geschichte des Ruhrgebiets verbunden ist.

Wie so oft auf Halden steht auch auf dem Gipfel der 106 Meter hohen Halde Rheinelbe ein Kunstwerk, und zwar die Skulptur „Himmelstreppe“ von Herman Priganns. Die Himmelstreppe besteht aus 35 Fundamentstücken eines abgebrochenen Dortmunder Zechengebäudes. Die Skulptur selbst ist ebenfalls durch eine steile Treppe zu erreichen. Am Fuß der Halde kannst du auch noch was anschauen. Im Skulpturenwald sind weitere Kunstwerke von Herman Prigann zu sehen. Er hat auch bei diesen Ausstellungsstücken Gebäudereste und Grundmauern mit einbezogen.

Halden im Ruhrgebiet: Halde Haniel Bottrop  

Halden im Ruhrgebiet Bild 5 bearbeitet kleinDie höchste begehbare Halde im Ruhrgebiet ist die Halde Haniel in Bottrop. Sie thront 185 Meter über dem Meeresspiegel. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit dieses Berges. Über die komplette Halde zieht sich ein Kreuzweg mit 15 Stationen. Auf dem Kreuzweg sind die Leiden Christi in Kupferstichen von Tisa von Schulenburg dargestellt. Jeder der 15 Stationen sind zudem Gegenstände aus der Bergmannswelt zugeordnet. Diese Idee finde ich einfach nur großartig. Noch besser finde ich, dass das Kreuz, das am Ende des Kreuzzuges auf der Halde zu finden ist, von Papst Johannes Paul II geweiht worden ist.

Auch wenn du dich nicht für Religion begeisterst, ist die Halde Haniel einen Besuch wert. Die Aussicht auf den Ruhrpott ist wirklich atemberaubend. Außerdem gibt es auf dem Gipfel noch ein Kunstwerk: Der baskische Künstler Agustín Ibarrola hat 100 Totenpfähle am Haldenkamm aufstellen lassen, die er aus Bahnschwellen formen ließ. Sie schafften es sogar in den Tanzfilm „Pina“ von Wim Wenders. Ein weiterer Hingucker der Halde Haniel ist die „Bergarena“ in einer künstlichen Senke. Sie war sogar schon Schauplatz von Opernaufführungen. Unter anderem wurden in der 800 Personen fassenden Arena schon „Aida“, „Die Dreigroschenoper“ und „Der fliegende Holländer“ aufgeführt.

Halden im Ruhrgebiet: Halde Prosperstraße Bottrop

Halden im Ruhrgebiet Bild 6 bearbeitet kleinAuf eine ganz besondere Art und Weise wird die Halde Prosperstraße in Bottrop genutzt. Auf dem Gestein der Zeche Prosper 94 Meter über dem Meeresspiegel steht nämlich eine Skihalle und beherbergt einige Besonderheiten. Im Alpincenter Bottrop, das einst sogar die längste Skihalle der Welt war, findest du den am höchsten gelegenen Biergarten des zentralen Ruhrgebiets und die einzige Sommerrodelbahn im Pott, die einen Kilometer lang ist.

Außerdem kannst du dich auf der Halde Prosperstraße in einem Hochseilklettergarten auspowern, Paintball spielen oder im Indoor-Windtunnel einen Fallschirmsprung simulieren. Du merkst schon: Wenn du auf Action und Sport stehst, bist du auf der Halde Prosperstraße genau richtig. Aber auch wenn dem nicht so ist, lohnt ein Blick von der Halde auf die Umgebung.

Halden im Ruhrgebiet: Halde Beckstraße Bottrop

Halden im Ruhrgebiet Bild 7 bearbeitet kleinIn Bottrop gibt es noch eine dritte Halde, die ich dir dringend ans Herz legen möchte. Die Halde Beckstraße. Der Name sagt dir wahrscheinlich nichts, aber vielleicht klingelt es bei dir, wenn ich den Tetraeder Bottrop erwähne? Die Aussichtsplattform von Wolfgang Christ ist eins der bekanntesten Wahrzeichen im Ruhrgebiet.

Wenn du den Tetraeder anschauen möchtest, hast du mehrere Möglichkeiten. Ungeduldige Menschen können die „Direttissima“ wählen. Ist das nicht ein schöner Name für eine 387 Stufen zählende Treppe, die Haldenfuß mit Haldentop verbindet? Wer mehr Zeit hat und es bequemer mag, kann Serpentinen nutzen oder eine Spirale durch begrünte Hänge.

Vor dem Tetraeder musst du eine weitere Entscheidung treffen. Begnügst du dich mit der Aussicht vom Haldentop oder erklimmst du den Tetraeder und schaust von der Aussichtsplattform hinab? Wer sich für den zweiten Weg entscheidet, sei gewarnt. Die Treppen zur Plattform hängen an Stahlseilen und schwingen leicht.

Übrigens: Auch nachts ist der Tetraeder ein Hingucker. Dank der Lichtinstallation „Fraktal“ von Jürgen LIT Fischer strahlt er auch in der Dunkelheit.

Halden im Ruhrgebiet: Heinrich-Hildebrand-Höhe Duisburg

Halden im Ruhrgebiet Bild 8 bearbeitet kleinDie Heinrich-Hildebrand-Höhe wird dir sicher im ersten Moment – ähnlich wie das schon bei der Halde Beckstraße war – nichts sagen. Doch wenn ich dir nun sage, dass das die Halde ist, auf der das Kunstwerk Tiger and Turtle steht, wirst du vielleicht hellhörig.

2,7 Kilometer lang ist der Weg, der auf die Spitze der Deponie führt. Der Weg selbst ist sehr grün und es gibt ausreichend Bänke, um auch mal eine kleine Pause zu machen oder nur mal die Aussicht zu genießen. Auf dem Gipfel erwartet dich das vielleicht spektakulärste Kunstwerk des gesamten Ruhrgebiets: Tiger and Turtle.

Die 18 Meter hohe Skulptur ist tagsüber schon ein echter Hingucker, aber auch nachts, da sie dann angestrahlt wird. Die Achterbahn, wie sie auch heißt, ist ein Werk der Künstler Ulrich Genth und Heike Mutter. Der Name der begehbaren Skulptur ist Programm. Denn wie ein dynamischer Tiger (oder eben eine Achterbahn) sieht sie aus, begehen sollte man sie aber langsam wie eine Schildkröte.

Weitere tolle Ausflugsziele in Duisburg und Essen stelle ich dir in diesem Blogpost vor.

Halden im Ruhrgebiet: Tippelsberg Bochum

Halden im Ruhrgebiet Bild 9 bearbeitet kleinIch mag ja, wenn es zu bestimmten Orten Sagen, Legenden oder Mythen gibt. Über den Tippelsberg Bochum sagt man, dass es den Berg nur gibt, weil ein Riese an der Stelle einst seine Schuhe entleert habe. Andere Quellen hingegen schreiben, dass ein Riese von einem anderen Riesen an der Stelle mit Steinen beworfen worden sei. Diese Geschichten finde ich weitaus amüsanter als die trockene Wahrheit. Denn eigentlich ist der Tippelsberg ein Ausläufer des Ardeygebirges, der in den 1980ern durch die Aufschüttung von Schutt zu einer Halde wurde.

Nicht nur der Blick von der Halde ist sehenswert, wie du auf dem Foto sehen kannst. Auch auf dem Gipfelplateau der Halde wartet ein Hingucker. Du findest dort nämlich ein auf Gabionen liegendes Gipfelkreuz. Ein weiteres Highlight ist der „Weg der Kinder“, der die verschiedenen Geschichten um die Entstehung des Tippelsbergs wieder thematisch aufnimmt. Auf dem Weg, der aus verschiedenen Bodenbelägen besteht, findest du – unter anderem – in Stein gegossene Fußspuren eines Riesen, aber auch zahlreiche Spielmöglichkeiten.

Halden im Ruhrgebiet: Halde Brockenscheid Waltrop

Halden im Ruhrgebiet Bild 10 bearbeitet kleinDie Zeche Waltrop I und II galt als eine der schönsten Schachtanlagen im gesamten Ruhrgebiet. Und auch die Halde Brockenscheid auf dem ehemaligen Zechengelände kann sich wirklich sehen lassen.

Einprägsamer Hingucker ist hier vor allem die pyramidenförmige Landmarke, die auf den ersten Blick ein wenig an den Tetraeder aus Bottrop erinnert. Das Kunstwerk in Waltrop stammt allerdings von Jan Bormann und ist aus 1000 Spurlatten errichtet worden, die früher auch im Bergbau wichtig waren. Denn Spurlatten leiteten die Fahrkörbe im Bergbauschacht in die Tiefe. Sie sorgten außerdem dafür, dass die Körbe in der Spur blieben. Ich mag solche Kunstwerke, die auch einen Bezug zum Bergbau haben, wirklich sehr. Wie den Tetraeder in Bottrop, kannst such auch das Kunstwerk in Waltrop betreten. Vom 12 Meter hohen Spurwerkturm kannst du wunderbar auf das ländliche Umland in Waltrop schauen.

Auf dem Haldengipfel erwartet dich außerdem noch ein Kreuzweg, der von Paul Reding entworfen wurde. Er endet in einem Birkenwald.

Halden im Ruhrgebiet: Halde Schwerin Castrop-Rauxel

Halden im Ruhrgebiet Bild 11 NEU bearbeitet kleinDie Halde Schwerin ist mit einer Höhe von 147 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkt in Castrop-Rauxel. Auch hier gibt es wieder mehrere Highlights.

Am Haldenfuß findest du Kunstwerke, wie den „Wassertempel“ von Peter Strege und „Sinus Pergola“ von Klaus Corzilius. Das „Geo-Kreuz“, das in die vier Himmelsrichtungen ausgerichtete Treppenanstiege darstellt, stammt von Künstler Jan Bormann. Ja, richtig gelesen. Das ist derjenige, der auch den Spurwerkturm der Halde Brockenscheid in Waltrop entworfen hat. Die Treppen des Geo-Kreuzes führen dich direkt zum größten Highlight der Halde: der Sonnenuhr. Die 24 Edelstahlsäulen auf dem höchsten Punkt der Halde bilden einen Kreis mit einem Durchmesser von 16,5 Metern.

Halden im Ruhrgebiet: Schurenbachhalde Essen

Halden im Ruhrgebiet Bild 12 bearbeitet kleinDie Schurenbachhalde in Essen besuche ich gerne, weil man von ihr einen wunderbaren Ausblick auf Essen hat. Die Halde selbst wirkt aufgrund der kargen Schotterwege manchmal wie eine Mondlandschaft und ist ein toller Ort, wenn du gerne fotografierst. Auf dem Gipfel erwartet dich wieder ein Kunstwerk. Im Gegensatz zu den vielen anderen Kunstwerken, die ich dir bisher vorgestellt habe, gefällt mir dieses aber ganz und gar nicht.

Auf der Halde steht eine verrostete Platte. „Bramme für das Ruhrgebiet“ nennt sich das 15 Meter hohe und 70 Tonnen schwere Werk des US-Künstlers Richard Serra. Ganz ehrlich: Ich habe große Richard-Serra-Sperre. In Bochum haben wir nämlich auch so ein hässliches Ungetüm des talentfreien Künstlers. Es steht direkt vor dem Hauptbahnhof und heißt „Terminal“. Für dieses Ding soll die eigentlich immer klamme Stadt Bochum 1979 stolze 350.000 Mark hingelegt haben. Serra lacht wahrscheinlich heute noch.

Nichtsdestotrotz ist die Halde Schurenbach wirklich einen Ausflug wert. Denn am Haldenhang wartet viel Natur. Im Grün leben viele Vögel und Insekten und vor allem abends kannst du den Konzerten der Kröten lauschen.

Jetzt bist du dran: Bist du schon einmal im Ruhrgebiet gewesen? Hast du dir sogar eine oder mehrere Halden angeschaut? Welche Halden kennst du? Hast du eine Halde gesehen, die ich hier nicht erwähne? Hast du sogar eine Lieblingshalde? Oder kannst du mit Halden nichts anfangen?

Weiterlesen: Gerne stelle ich die weitere Ausflugsziele im Ruhrgebiet vor. Auch lesenswert: 8 schöne Orte im Ruhrgebiet. Ich habe auch spezielle Tipps für Witten, Hattingen und den restlichen Ennepe-Ruhr-Kreis.

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2 Kommentare zu “Halden im Ruhrgebiet: Tolle Aussichtspunkte im Pott

  1. Netreisetagebuch

    Das Tetraeder war das absolute Highlight auf unserer Route bei der Staffelwanderung „Ruhrpottliebe“. Allerdings sollte man unbedingt schwindelfrei sein, wenn man hoch hinauf zur Aussichtsplattform will. Denn sowohl die Stufen als auch die Plattformen bestehen aus einem Lochgitter.
    Liebe Grüße
    Annette

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Annette,

      Oh ja, das kann ich bestätigen. Habe ganz schön geschwitzt auf den Treppen.

      LG
      Christine

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