Brissago Inseln am Lago Maggiore: Rundgang über die Isola Grande

Kennst du das, wenn du eine vermeintlich gute Idee hast, die Umsetzung dann aber im Desaster endet? Vor meinem Ausflug zu den Brissago Inseln am Lago Maggiore hatte ich eine dieser vermeintlich guten Ideen …

Es war ein heißer Tag Ende August. Eigentlich wollte ich an dem Tag von Stresa einen Ausflug nach Turin unternehmen. Da die Aussicht auf 5,5 Stunden im Zug (Hin- und Rückfahrt) bei 30 Grad im Schatten keine Freudensprünge bei mir auslöste, plante ich um. Statt Turin stand nun Brissago auf meinem Tagesplan. Denn einen Ausflug zu den Brissago Inseln wollte ich ohnehin schon immer mal machen. Wäre ich mal lieber nach Turin gefahren …  

Brissago Inseln: Anreise mit Hindernissen

Da die enge und kurvige Uferstraße am Lago Maggiore nicht zu meinen Lieblingsstrecken zählt, entschied ich mich für eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Keine gute Idee: Bei uns im Ruhrpott ist es ja schon katastrophal wie schlecht sich die unterschiedlichen Verkehrsbetriebe untereinander abstimmen und somit immer wieder dafür sorgen, dass Menschen Anschlüsse verpassen und Pendler damit Tag für Tag wertvolle Lebenszeit vergeuden und sich schließlich doch wieder für eine Fahrt im Auto entscheiden. Die Verantwortlichen am Lago Maggiore könnten mit ihrer großartigen Abstimmung untereinander wunderbar hier im Ruhrpott arbeiten.

Da ich Sehenswürdigkeiten gerne möglichst früh anschaue, stieg ich bereits um 7.39 Uhr in den Bus von Stresa nach Intra. Dort kam ich um 8.05 Uhr an, der nächste Bus nach Brissago fuhr allerdings erst wieder um 9 Uhr. Um 9.55 Uhr kam ich in Brissago an. Als ich in der Schweiz ausstieg, sah ich gerade noch das Schiff zur Isola Grande ablegen. Das nächste Schiff fuhr erst wieder um 11.15 Uhr. Die im Internet beworbenen Motorboote, die einen jederzeit vom Ufer zur Insel und zurück bringen, habe ich nicht gesehen – in der Hauptsaison.

Also: 80 Minuten Wartezeit in brütender Hitze. Ich habe zum Glück immer genug Essen und Trinken dabei. Und das solltest du auch haben, wenn du nicht für 0,5 Liter Mineralwasser 5 Franken blechen möchtest oder für eine Kugel Supermarkteis 3,50 Franken. Um 11.30 Uhr kam ich endlich auf der Insel an – und musste mich ganz schön beeilen. Denn das nächste Schiff zurück kam um 12.55 Uhr. Dies musste ich nehmen, denn danach war erstmal Mittagspause und es fuhren länger keine Boote.

Bevor ich dir mehr über die Brissago Inseln erzähle, gibt’s noch einen kleinen Spoiler: Der Rückweg lief ähnlich großartig. Das Schiff zurück zum Festland kam halbwegs pünktlich. Doch als ich um 13.05 Uhr in Brissago auf den Busfahrplan schaute, traf mich fast der Schlag. Auch hier gab es eine Mittagspause. Nichts fuhr Richtung Italien. Erst um 15.05 Uhr ging es weiter. Um 15.50 Uhr war ich in Intra und – nach immerhin nur 20-minütiger Wartezeit – um 16.45 Uhr in Stresa. Ich war also 9 Stunden unterwegs für eine Besichtigung, die nicht einmal 1,5 Stunden dauerte. Da hätte ich mich auch in den Zug nach Turin setzen können. Es wäre sicherlich weniger stressig gewesen. Aber soviel nur zu den Umständen des Ausflugs. Sicher möchtest du erstmal einiges über die Isole di Brissago wissen.

Brissago Inseln: Ein paar Fakten

Vielleicht warst du schon bei der Überschrift meines Texts ein wenig irritiert. Wieso heißt es Brissago Inseln oder Isole di Brissago, aber ich schreibe die ganze Zeit nur davon, dass ich die Isola Grande besucht habe? Die Antwort ist einfach: Insgesamt gibt es zwei Inseln: Die Isola di Sant’Apollinare und die Isola Grande. Für Touristen zugänglich ist nur die Letztere.

Die beiden Inseln bestehen seit der Römerzeit, das belegen archäologische Funde, die in Locarno zu besichtigen sind. 1875 sollte auf den Inseln mal eine Dynamitfabrik errichtet werden, doch das Vorhaben wurde nie umgesetzt. Stattdessen erwarb die deutsch-russische Baronin Antoinette de Saint Léger die Inseln. Sie war es auch, die ein großes Haus und einen prachtvollen botanischen Garten errichten ließ. Doch sie verspekulierte sich und musste die Inseln 1927 an den Deutschen Max Emden verkaufen. Er errichtete ein neues Haus, einen Hafen und eine Orangerie. Sein Sohn, der die Inseln 1940 erbte, verkaufte sie 1949 ans Tessin.

Brissago Inseln: Was du auf der Isola Grande sehen kannst

Die Isola Grande ist in erster Linie ein wunderschöner botanischer Garten mit mehr als 2000 Pflanzenarten aus der ganzen Welt. An manchen Stellen wäre sogar das Wort Paradies angebracht, so prachtvoll präsentiert sich die Pflanzenwelt auf der Insel. Zudem gibt es einige Highlights, wie ein römisches Bad, einen Garten mit Giftpflanzen (aufpassen beim Besuch mit Kindern!), einen Bambuswald, zahlreiche Kamelien, verlassene Buchten, prachtvolle Palmen und Eukalyptusbäume. Es ist schwer, die Schönheit der Natur in Worte zu fassen, weshalb ich bei den botanischen Gärten am Lago Maggiore am liebsten immer Bilder sprechen lasse. Zudem stehen auf der Insel ein Restaurant und ein Hotel. In einigen Räumen des Hotels finden hin und wieder Kunstausstellungen statt.

Brissago Inseln: Lohnt sich der Ausflug zur Isola Grande?

Puh, das ist wirklich schwer zu beantworten. Ich habe die Isole di Brissago nun einmal gesehen, aber das reicht mir auch. Letztendlich habe ich mich aufgrund der geschilderten Umstände sehr geärgert. Da konnte auch die Schönheit der Insel, die natürlich vorhanden ist, nichts mehr ändern. So beeindruckend wie die Isola Bella oder die Isola Madre finde ich die Isola Grande in Brissago nicht. Allerdings kenne ich auch einige Leute, die die Insel besucht haben und sie viel toller fanden als die Borromäischen Inseln. Sowas ist ja immer Geschmackssache … Wenn du ohnehin im Tessin unterwegs bist, kannst du ja mal schauen, wie dir die Insel gefällt. Eine Extra-Anreise aus Stresa oder Baveno, dazu noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, würde ich nicht empfehlen.

Brissago Inseln: Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Der Garten ist von circa April bis Oktober geöffnet. Meine offizielle Anfrage nach den genauen Öffnungszeiten (ab wann morgens) blieb bis jetzt leider unbeantwortet. Leider präsentieren sich die Verantwortlichen des botanischen Gartens auch hier wieder sehr unprofessionell. Abends hat die Insel bis 18 Uhr geöffnet, so steht es jedenfalls in den offiziellen Infos, wenn du eine Führung buchen möchtest.

Zumindest Informationen zu den Eintrittspreisen kannst du auf der offiziellen Homepage finden. Bei meinem Besuch 2018 habe ich 8 Franken bezahlt. Kinder und Jugendliche (6 bis 16 Jahre) erhalten eine Ermäßigung. Außerdem sind Familientickets erhältlich. Bedenke bei der Planung deines Besuchs, dass du für die Überfahrt tief in die Tasche greifen musst. Ich musste für zwei kurze Überfahrten von Brissago zur Isola Grande und zurück 20 Franken blechen. Ich weiß, dass in der Schweiz alles teurer ist, aber das fand ich schon ziemlich unverschämt. Aber es passte ins Bild eines Tages, der dann eher zum Vergessen war …

Jetzt bist du dran: Warst du mal auf der Isola Grande in Brissago? Wie hat es dir gefallen?

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6 Kommentare zu “Brissago Inseln am Lago Maggiore: Rundgang über die Isola Grande

  1. Nina Salevsky

    Herrlich, ich habe wieder so gelacht beim Lesen! 🙂 Aber wirklich schade, dass der Tag nicht so verlaufen ist, wie ursprünglich geplant. Und das bei der Hitze! Danke, dass du das Erlebnis trotzdem mit uns geteilt hast!

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Nina,

      es freut mich, dass ich dich mit meinem Text so unterhalten konnte. 😉 Ich konnte wenigstens ein paar Lehren aus dem Tag ziehen. 🙂

      Liebe Grüße!

  2. R

    Hallo Christine,

    oh, das klingt aber nach einem sehr stressigen Ausflug! Dass die Schweiz sündhaft teuer ist, habe ich schon bei der Durchreise bemerkt. Sehr schöne Gegend aber wegen der Preise war ich noch nie länger dort.

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Renate,

      ja, das war wirklich stressig. 🙁
      Ich war tatsächlich auch nie länger in der Schweiz, nur einmal beruflich für zwei Nächte in Basel, aber da hat der Arbeitgeber fast alles bezahlt. 😉
      Dabei ist die Schweiz wirklich so schön: St. Gallen hat mir zum Beispiel gut gefallen. Aber vieles verliert seinen Charme auch durch die viel zu hohen Preise, wie zum Beispiel die Orte am Lago Maggiore (Brissago, Ascona, Locarno). Schade.

      Liebe Grüße
      Christine

  3. Agnes

    Liebe Christine,

    ich lese mich mit Vergnügen durch Deine Lago Maggiore Tipps. Wir sind Neulinge – fahren nun zum dritten Mal hin, dieses Mal nach Stresa, da es uns bei diversen Besuchen da sehr gut gefallen hat. Zweimal waren wir in Intra.
    So also Neue würde ich von Stresa zu den Brissago-Inseln nur mit dem Schiff fahren. War das nicht möglich?
    Ich finde es herrlich entspannend, mich über den See schippern zu lassen, die Aussicht zu genießen, das Anlegen und wieder Ablegen…. Wir sind dieses Mal nur drei Übernachtungen dort (über den Feiertag nächste Woche) – aber mindestens eine Schifffahrt ist dabei und eine Pizza in Mergozzo.
    Liebe Grüße
    Agnes

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Agnes,

      ich danke dir für deinen Kommentar.
      Mit dem Schiff hätte man auch fahren können, doch es hätte 2,5 Stunden pro Fahrt gedauert. Jetzt weiß ich auch, dass das schneller gewesen wäre. 😉 Es ist aber auch nicht gerade sehr günstig, mit dem Schiff von Stresa bis in die Schweiz zu fahren. Irgendwann möchte ich definitiv mal eine “Tageskreuzfahrt” über den Lago Maggiore machen. Morgens das erste Schiff in Arona nehmen bis Locarno und wieder zurück.
      Mergozzo ist auch sehr schön, da möchte ich schon lange drüber schreiben.

      Viel Spaß in Stresa!

      Liebe Grüße
      Christine

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