Brescello: Auf den Spuren von Don Camillo und Peppone

Was macht für dich einen guten Film aus? Ich habe nur ein Kriterium: Er muss alle in der Familie ansprechen: meinen 90-jährigen Opa genauso wie mich oder meinen Bruder. Diese Sorte von Filmen gibt es tatsächlich nicht oft. Die Streifen über Don Camillo und Peppone gehören für mich ohne Frage zu dieser raren Spezies.

Dass ich wegen einer Filmkulisse eine bestimmte Stadt besuche, ist mir auch noch nie passiert. Denn eigentlich bin ich alles andere als eine Cineastin. Aber als ich kürzlich einen kurzen Ausflug vom Lago Maggiore nach Desenzano am Gardasee plante und sah, dass Brescello, der Drehort von “Don Camillo und Peppone”, nur einen “kleinen” Umweg von insgesamt 110 Kilometern bedeutete, konnte ich einfach nicht anders. Ich musste einen kurzen Zwischenstopp einplanen.

Brescello: Wer sind Don Camillo und Peppone?

Leider muss ich immer wieder feststellen, dass in meiner Generation viele Leute nichts mit den Filmklassikern “Don Camillo und Peppone” anfangen können, was echt schade ist. Falls du die beiden also auch nicht kennst, erkläre ich dir gerne kurz, wer sie sind.

Don Camillo und Peppone sind zwei Kunstfiguren aus den gleichnamigen Romanen des Autors Giovannino Guareschi, die zwischen 1948 und 1969 (postum ein Jahr nach seinem Tod) veröffentlicht wurden. Don Camillo ist katholischer Priester, sehr schlagkräftig und ein ziemliches Schlitzohr. Peppone ist ebenfalls sehr schlagkräftig und im gleichen Ort kommunistischer Bürgermeister. Katholik gegen Kommunist, das ist Stoff für ziemlich viele Konflikte, die in den Filmen erzählt werden. Beiden geht es um die Lösung der sozialen Probleme ihrer Zeit, beide haben ihren eigenen Ansatz. Irgendwie können Don Camillo und Peppone nicht miteinander, aber auch nicht ohneeinander. Und, glaube mir, das ist sehr unterhaltsam. Die Geschichten über Don Camillo und Peppone gelten als Abbildung der italienischen Gesellschaft der 1960er-Jahre gefangen zwischen Aufbruchstimmung und tradierten Werten in Zeiten des Kalten Krieges.

Ein großer Erfolg waren und sind bis heute die fünf Filme, in denen Fernandel (Don Camillo) und Gino Cervi (Peppone) die Hauptrollen übernahmen. Leider erschien kein sechster Teil mit den beiden Hauptdarstellern, denn Fernandel erkrankte während der Dreharbeiten zum sechsten Teil an Lungenkrebs und starb. Der Film blieb unvollendet. Der sechste Teil wurde mit neuer Besetzung (Cervi weigerte sich, ohne Fernandel weiterzumachen) gedreht und veröffentlicht, konnte aber nicht im geringsten an die vorherigen Filme anknüpfen. Don Camillo und Peppone, das sind einfach Fernandel und Cervi, die kann man nicht umbesetzen.

Wenn dir die Filme nichts sagen, dann kann ich dir nur empfehlen, sie dir unbedingt anzusehen. Ich war damals auch skeptisch. Heute gehören die Streifen zu meinen Lieblingsfilmen. Wenn sie – meist an Feiertagen – im Fernsehen laufen, kann ich nicht wegschalten.

Brescello: Die Anfahrt

Ich steuerte Brescello von Stresa aus an. Mein Navi erlaubte sich einen Spaß und schickte mich circa 20 Kilometer vor dem Ziel über eine schmale Straße, die den Namen nicht verdient hatte und rechts und links in einem Graben endete. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn mir eine Auto entgegengekommen wäre … Ein Glück, dass ich bereits um 4.30 Uhr in Stresa losgegefahren war und um 7 Uhr an einem Sonntagmorgen die Wahrscheinlichkeit für Gegenverkehr dort mitten im Nirgendwo echt gering war. Ich war dennoch heilfroh, als ich heile um 7.15 Uhr in Brescello ankam.

Dauerorganisiert wie ich bin, habe ich mir im Vorfeld selbstverständlich bereits einen Parkplatz rausgesucht und ins Navi eingegeben (Via F. Cavallotti/Piazza Geometra Pompeo Mingori). Als ich in Brescello ankam, merkte ich, dass der Parkplatz, den ich zuvor recherchiert hatte, tatsächlich direkt vor dem Museum über Don Camillo und Peppone ist. Allerdings wäre die vorherige Recherche nicht nötig gewesen. Der Ort ist wirklich sehr klein. Verfahren ist eigentlich unmöglich. In den Seitenstraßen sind einige Parkboxen. Da solltest du fündig werden, wenn du einen Besuch in Brescello planst.

Stresa ist übrigens nicht gerade der beste Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Brescello. Der 5600-Seelen-Ort liegt gut 20 Kilometer von Parma, 60 Kilometer von Modena, 80 Kilometer von Desenzano am Südufer des Gardasees und rund 90 Kilometer von Verona entfernt. Von dort aus ist ein Ausflug locker möglich und sinnvoll, wenn du auch nur ein klein wenig für die beiden Streithähne aus Brescello übrig hast.

Brescello: Der Kirchplatz

Ich liebe es ja, Orten beim Aufwachen zuzuschauen. Deshalb steuere ich gerne fremde Städte in aller Herrgottsfrühe an. Der Vorteil: Du kannst ganz in Ruhe den Ort auf dich wirken lassen. Außerdem stört dich keiner beim Fotografieren. 😉

Ich lief vom Parkplatz aus einfach drauflos und kam schnell an den Kirchplatz. Obwohl die Stadt mich anfangs irritierte – ich kannte sie aus den Filmen halt nur in Schwarz-Weiß – erkannte ich die Kirche sofort.

Der Kirchplatz ist das Herzstück von Brescello. Und weißt du was? Auf der Piazza findest du tatsächlich auch Don Camillo und Peppone, und zwar in Form von zwei Bronzefiguren. Während Don Camillo vor der Kirche stehend Richtung Rathaus grüßt, steht dort Peppone, der seinen Hut zum Gruß Richtung Don Camillo zückt. Was für eine tolle Idee!

Es hat sich wirklich ausgezahlt, so früh in Brescello aufzuschlagen. Ich bin nämlich eigentlich kein Selfie-Fan. Mehr noch: Ich hasse Selfies. Aber bei Don Camillo und Peppone bin selbst ich mal schwach geworden … Völlig ungestört konnte ich drauflosknipsen. Als ich gegen 10.30 Uhr nochmal über den Platz lief, traute ich übrigens meinen Augen nicht. Diverse Touristengruppen waren mittlerweile angereist und prügelten sich fast, um ein Foto mit Don Camillo und Peppone zu bekommen. Da hatte ich bereits alle im Kasten.

Brescello: Der sprechende Jesus

Neben Don Camillo und Peppone gibt es in den Filmen noch eine dritte Hauptfigur: den sprechenden Jesus beziehungsweise ein Kruzifix, durch das Don Camillo die Stimme Jesu hört. Toll für Fans: Das Original-Kreuz aus den Filmen kannst du in der Kirche Santa Maria Nascente in Brescello besichtigen.

Ich fand es jedoch erstmal nicht. Denn in den Filmen hängt das Kreuz vor dem Hochaltar. Ich war deshalb zunächst ganz schön enttäuscht, als ich in der Kirche stand und das Kreuz nicht an der vermuteten Stelle vorfand. Doch es war dennoch da, und zwar in der Nähe des Haupteingangs links in einer Seitenkapelle. Dort steht sogar ein Schild: “Il Crocefisso parlante di Don Camillo”. Mit mir wollte Jesus an dem Tag aber leider nicht sprechen. Schade.

Brescello: Das Museum “Peppone e Don Camillo”

Selbstverständlich besuchte ich auch das Museum “Peppone e Don Camillo”. Vorsicht: Die Eintrittskarten kaufst du nicht im Museum, sondern in der Touristeninfo gegenüber vom Museum. Ich habe ganz stolz auf Italienisch aufgesagt, was ich möchte. Meine Aussprache verrät mich wohl immer wieder. Die freundliche Mitarbeiterin antwortete direkt auf Deutsch … na ja.

Wenn du das Museum betrittst, empfängt dich schon die unvergleichliche Titelmelodie der Don-Camillo-Filme. Herrlich. Das Museum selbst ist im ersten Stock des Hauses und nicht sehr groß, aber extrem nett gemacht. Es zeigt Original-Requisiten aus den Filmen, Zeitungen von damals, Filmplakate, einen Nachbau von Peppones Büro, Informationen zur Entstehung der Filme und, und, und. Alle Erklärungen sind auch auf Deutsch. Außerdem beinhaltet das Museum noch einen kleinen Shop.

Ich war ungefähr 45 Minuten in der Ausstellung, hätte aber noch viel mehr Zeit dort verbringen können, wenn ich mir alle Zeitungsausschnitte und Infos rund um die Welt von Don Camillo und Peppone durchgelesen hätte. Fazit: Echt gut gemacht und eine große Freude für Fans der beiden.

Mehr über das Museum erfährst du in diesem Blogpost.

Brescello: Und sonst?

Natürlich ist Brescello hauptsächlich auf die Touristen eingestellt, die wegen Don Camillo und Peppone da sind. Aus diesem Grund besuchte ich ja auch Brescello. Auf dem Kirchplatz findest du zum Beispiel noch ein “Caffè Don Camillo” und ein “Caffè Peppone”, wo du für humane Preise einen Happen essen kannst (Primi Piatti ab 6 Euro). Dazu hat fast jedes Geschäft oder Lokal ein lustiges Bild von Don Camillo und Peppone im Schaufenster, Hotels sind nach ihnen benannt und du kannst bei einem Rundgang durch die Stadt noch weitere Details aus den Filmen entdecken, wie zum Beispiel das Haus von Peppone, auf dessen Balkon er in einem der Filme seinen neugeborenen Sohn präsentiert oder die berühmte Glocke, die eigens für den Film aus Pappmache gefertigt worden ist. Praktisch: Damit du auch keinen sehenswerten Punkt aus den Filmen verpasst, sind in der Stadt kleine Tafeln aufgestellt, die dir den Weg zu den Sehenswürdigkeiten weisen.

Aber Brescello hat noch mehr zu bieten als Don Camillo und Peppone. So gibt es zum Beispiel auch ein archäologisches Museum und das Museum “Brescello e Guareschi”, wo es um den Autoren der Don-Camillo-Geschichten geht. Ganz ohne Don Camillo geht es aber auch in diesem Museum nicht. Mein Tipp: Schau mal bei allen Museen rein: Das Museums-Ticket, das du in der Touristeninfo erwirbst, gilt nämlich für alle drei Museen.

Brescello: Schöne Mitbringsel

Wenn du schöne Souvenirs suchst, wirst du auch fernab der offiziellen Shops im und am Don-Camillo-Museum fündig. Ich habe zum Beispiel in der örtlichen Macelleria (Piazza Giacomo Matteotti 8, gleich neben dem Caffè Don Camillo auf dem Kirchplatz), die gleichzeitig eine Art Tante-Emma-Laden ist, tolles für Brescello typisches Honiggebäck für die Daheimgebliebenen gekauft. Besonders gut gefallen mir die Blechdosen. So habe ich auch noch ein Stückchen Brescello und Don Camillo und Peppone, wenn die Kekse schon längst verputzt sind.

Jetzt bist du dran: Kennst du Don Camillo und Peppone? Wie findest du die Filme? Würdest du auch gerne mal nach Brescello fahren? Warst du vielleicht sogar schon mal in Brescello? Oder hast du zumindest nun Lust auf die Filme der beiden bekommen? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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Da meine Kamera sehr heiß lief, zeige ich dir gerne noch weitere Eindrücke aus Brescello:

4 Kommentare zu “Brescello: Auf den Spuren von Don Camillo und Peppone

  1. Jürgen

    Hallo Christine,

    auch ich liebe diese zwei “Schlitzohren” sehr und schaue mir die Filme
    auch immer und immer wieder an, wenn sie im TV zu sehen sind.

    Hast du den “Geist” dieser zwei in Brescello gespürt?

    LG
    Jürgen

    P.S.
    Toller Artikel!

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Jürgen,

      ich danke dir. 🙂
      Irgendwie war es schon besonders dort. Vor allem, wenn man Orte aus dem Film erkannt hat. Nun schaue ich die Filme etwas anders und sehe zum Beispiel “Fehler”. Wenn Don Camillo zum Beispiel zum Bahnhof geht, dann geht er in eine Richtung, in der der Bahnhof nicht ist. Aber es ist für den Film natürlich unerlässlich, dass er auf dem Weg zum Zug am Rathaus vorbeikommt. Käme er aber eigentlich nicht, weil der Bahnhof hinter der Kirche liegt.
      Normalerweise sind mir Kirchenbesuche auf Reisen nicht wichtig. Aber in Brescello wollte ich unbedingt in die Kirche hinein und hab mich sehr gefreut vor dem “sprechenden Jesus” zu stehen.

      LG
      Christine

      1. Jürgen

        Hallo Christine,

        also ich habe es mit Kirchen auch nicht unbedingt so… aber falls es mich auch mal nach Brescello verschlagen sollte, würde ich die Kirche auch besuchen 🙂
        Das du den Film nun mit etwas anderen Augen siehst (kleine Fehler entdeckst) kann ich mir sehr gut vorstellen.

        Achja…. mal die Hand aufs Herz:
        Als du vor dem “sprechenden Jesus” gestanden bist, hast du da etwas zu ihm gesagt?

        LG
        Jürgen

        1. Christine Autor des Beitrags

          Hallo Jürgen,

          klar habe ich was gesagt, aber wahrscheinlich hat er meinen Ruhrpott-Dialekt einfach nicht verstanden. 😉 Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum er nicht mit mir gesprochen hat …

          LG
          Christine

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