Rezension: Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore von Bruno Varese

Es kommt selten vor, dass ich einer Buch-Veröffentlichung entgegenfiebere. Eigentlich fallen mir nur zwei Autoren und Buch-Reihen ein, bei denen das der Fall ist. Eine ist die Harry-Hole-Reihe von Jo Nesbo, die andere, die Matteo-Basso-Reihe von Bruno Varese. Bei den letztgenannten Büchern handelt es sich um eine Krimi-Reihe, die am Lago Maggiore spielt. Seit Anfang Mai ist nun der vierte Teil im Handel: Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore. Ich habe ihn bereits gelesen.  

Auf die Krimis von Bruno Varese stieß ich vor einigen Jahren zufällig. Im Sommer 2015 war ich mit meiner Mutter am Lago Maggiore, weil wir Cannobio besuchen wollten. Dort verbrachte meine Mutter während ihrer Kindheit mit ihren Eltern einen tollen Campingurlaub. Wir waren begeistert von unserem Aufenthalt am See. Deshalb suchte ich für den darauffolgenden Muttertag nach einem Geschenk, das mit Italiens schönstem See in Verbindung steht. Ich recherchierte etwas und entdeckte Die Tote am Lago Maggiore, den ersten Krimi von Bruno Varese. Das Buch, das mir meine Mutter natürlich auch zum Lesen lieh und das ich hier besprochen habe, war ein Volltreffer. Ich war sofort Fan und ganz traurig, dass nach 2016, 2017 und 2018 kein neues Abenteuer von Matteo Basso auf den Markt kam. Aber die Zeit des Wartens hat ja nun zum Glück ein Ende.

Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore: Der Inhalt

Matteo Basso ist ein ehemaliger Polizeipsychologe aus Mailand, Ende vierzig und vor einigen Jahren zurück in seine Heimat Cannobio gezogen, um dort nach dem Tod seiner Eltern deren Macelleria weiterzuführen. Basso ist nicht gerade der gesellige Typ. Manchmal ist er geradezu menschenscheu und hört für sein Leben gern Verdi-Opern. Auch auf sein morgendliches Schwimmen im Lago und das Rauchen seiner Futura-Zigaretten verzichtet er nur ungern.

Die heimlichen Stars in der Basso-Reihe sind allerdings die drei alten Herren Flavio, Beppo und Luigi, die alle ungefähr Mitte 70 sind und sich eigentlich nur den ganzen Tag gegenseitig foppen. In Wahrheit könnten sie aber wohl nicht ohneeinander leben. Sie betreiben in Cannobio eine Werkstatt für Oldtimer und passen auf Bassos Hund Gustavo und die Macelleria auf, wenn der Fleischer wieder einmal in einen Kriminalfall verwickelt wird. Und das passiert natürlich auch wieder im vierten Teil der Reihe.

Obwohl Matteo Basso, wie erwähnt, Menschenansammlungen nicht gerade leiden kann, fährt er mit seinem Kumpel Flavio zum weltberühmten Filmfest nach Locarno in der Schweiz. Denn Flavio hofft dort seine Jugendliebe Karla zu treffen, die mittlerweile ein weltbekannter Filmstar ist. Die beiden sprechen tatsächlich auf dem Roten Teppich mit der Diva, doch das für nach der Filmvorführung angedachte Treffen fällt aus. Als die ersten Filmszenen über die Leinwand auf der Piazza Grande flimmern, fällt nämlich ein Schuss und trifft eine junge Schauspielerin tödlich. Matteo Basso nimmt die Ermittlungen auf.

Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore: Mein Fazit

Das lange Warten auf den vierten Teil der Basso-Reihe hat sich gelohnt. Bruno Varese schreibt gewohnt spannend, aber auch leicht verständlich. Man muss allerdings immer auf der Hut sein, denn selbst das kleinste Detail könnte für den späteren Verlauf der Handlung wichtig sein.

Bruno Varese bleibt sich seinem Stil auch diesmal treu und lässt Matteo Basso wieder nicht ausschließlich am Lago Maggiore ermitteln. Diesmal führt es ihn auch zum Comer See. In der Vergangenheit war er unter anderem schon in Mailand, Turin, an der ligurischen Küste und in Marseille unterwegs.

Aber keine Angst, die Gegend am Lago Maggiore kommt dennoch nicht zu kurz. Ganz im Gegenteil: Ich war verwundert, wie viele Orte mir diesmal wieder sehr bekannt vorkamen und auch durch Varese, der eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe zu haben scheint, lebendig beschrieben werden. Ich hatte beim Lesen viele Szenen wirklich bestens vor Augen.

Diesmal ermittelt Basso zusammen mit seiner Freundin, der Kommissarin Nina Zanetti, unter anderem in Cannobio, in Cannero Riviera, in Locarno und in Ascona auf dem berühmten Monte Verità. Aber es kommen natürlich auch Orte vor, die selbst ich noch nicht so gut kenne und die direkt auf meine Muss-ich-sehen-Liste für meinen nächsten Aufenthalt am See gewandert sind. Vor allem das Valle Cannobina sollte ich wohl mal besser erkunden.

Besonders angenehm finde ich die Art und Weise, wie Varese Fakten über den Lago Maggiore vermittelt. Er schafft es, eine Menge Wissen über die Region in seinen Krimis zu verpacken, ohne langatmig zu referieren. Und auch diesmal habe ich wieder ein paar Kleinigkeiten dazu gelernt, obwohl ich schon ein großes Wissen habe, wenn es um den Lago Maggiore geht. Aber es geht nicht nur um den Lago Maggiore, sondern auch um die Filmindustrie. Das empfand ich überraschend unterhaltsam, obwohl ich nicht die größte Cineastin bin.

Bei der Figurenentwicklung hatte Varese ebenfalls wieder ein gutes Händchen. Die Charaktere haben Tiefgang und sind geheimnisvoll. Irgendwann war ich mal wieder an dem Punkt angelangt, an dem ich allen – außer den Alten und den Ermittlern – einen Mord zugetraut hätte. Apropos Ermittler: Die größte Überraschung war für mich die Figur des Schweizer Kommissars Alberto Orler, der ebenfalls mit Basso und Zanetti ermittelt und unfassbar sympathisch ist. Er kann gerne in einem fünften Teil wieder mit von der Partie sein.

Insgesamt bin ich begeistert von dem Buch, was ich auch denjenigen ans Herz legen kann, die die vorherigen Teile nicht kennen. Denn Varese streut die wichtigsten Infos hin und wieder geschickt in einigen Nebensätzen ein, so dass der Leser keine Wissenslücken haben dürfte.

Eine Sache ist mir ganz am Ende noch aufgefallen. Auf den Buchumschlägen sind in den Basso-Krimis immer Karten abgedruckt, damit auch Menschen, die nicht ortskundig sind, in etwa verfolgen können, wo die Ermittler sich so aufhalten. Ausgerechnet auf die Karte ganz am Ende hat sich ein Fehler geschlichen. Der Rocca di Angera ist falsch eingezeichnet. Dort wo „Rocca di Angera“ steht, müsste eigentlich Santa Caterina del Sasso stehen. Dabei handelt es sich um ein wunderschönes Kloster am Ostufer des Sees südlich von Reno. Die Burg in Angera ist – wie der Name vermuten lässt – in Angera und genau gegenüber von Arona, also ein Stück weiter südlich. Ich habe mal nachgeschaut. Dieser Fehler hatte sich auch schon auf die Karten in Band 2 und 3 geschlichen.

Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore: Umfang und Preis

Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore von Bruno Varese ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen, umfasst 288 Seiten und kostet 11,00 Euro. Falls du es haben möchtest, kannst du es hier direkt bestellen*. In der gleichen Reihe sind in chronologischer Reihenfolge ebenfalls erschienen: Die Tote am Lago Maggiore*, Intrigen am Lago Maggiore* und Totenstille über dem Lago Maggiore*.

Ich danke dem Verlag Kiepenheuer & Witsch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Meine Meinung bleibt – wie immer – dadurch unbeeinflusst.

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2 Kommentare zu “Rezension: Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore von Bruno Varese

  1. Renate

    Liebe Christine,

    ich lese sonst selten Krimis, aber wenn sie in Städten oder Regionen spielen, die ich kenne bzw. besucht habe, finde ich sie spannend. Du kannst die die einzelnen Plätze besser vorstellen. Es ist fast als wärst du dabei. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass du dem Buch entgegengefiebert hast.

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Renate,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, es ist genau der Punkt, dass ich mir bei dieser Art von Krimis wunderbar vorstellen kann, wo die Ermittelnden sich gerade bewegen und das macht mir mehr Spaß. Und wenn es um den Lago Maggiore geht, bin ich ja ohnehin immer Feuer und Flamme. 😉

      Liebe Grüße
      Christine

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