Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Ein Erfahrungsbericht

Ich habe noch nie eine Reise vorzeitig abgebrochen oder abbrechen müssen. Aber bei meinem Urlaub in Travemünde im Oktober 2020 war ich kurz davor. Wenn meine Mutter nicht innerhalb der Urlaubswoche Geburtstag gehabt hätte, wäre ich einen Tag nach meiner Ankunft in Travemünde bereits wieder abgereist. Aber ich blieb. Wegen Mama.

Ich komme aus dem Ruhrgebiet und bin Menschenmassen gewohnt, aber was sich da am ersten Oktoberwochenende in Travemünde in Coronazeiten über die Uferpromenade bewegte, war unnormal und unangenehm zugleich. Travemünde schien mir nicht der perfekte Ort für Erholung oder gar ein sicherer Ort während einer Pandemie zu sein.

Seit mehr als 20 Jahren fahre ich nun schon regelmäßig nach Travemünde. Ich kenne den Ort wie meine Westentasche, war schon im Sommer da, wenn in NRW Ferien waren, und ich besuchte die Lübecker Bucht auch schon im ruhigeren Herbst. Niemals zuvor habe ich so viele Menschen in Travemünde gesehen wie Anfang Oktober 2020 und das während einer Pandemie, wo Abstand halten angesagt ist. Nur wie soll das gehen in einem überlaufenen Ort?

Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Reisevorbereitungen

Der ganze Urlaub stand ohnehin unter keinem guten Stern. Schon bei der Planung passierten uns einige Fehler. Als wir nach einem Reisedatum suchten, schauten wir vorab nur, wann NRW Ferien hat, weil wir ungerne in große Staus kommen wollten und in der Coronakrise auch keine Lust auf viele Menschen hatten. Wir entschlossen uns, vor den Herbstferien in NRW zu fahren, sodass wir den Geburtstag meiner Mutter im Urlaub würden feiern können.

Dummerweise hatten wir bei der Planung aber nur auf NRW geschaut. Zum Zeitpunkt unserer Reise hatten jedoch, unter anderem, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Herbstferien. Normalerweise war das nie ein Problem und wirkte sich nur unwesentlich auf die Besucherzahlen am Meer aus. Aber dieses Jahr nicht. Aufgrund der Pandemie schienen viele einen Urlaub nahe der Heimat zu bevorzugen.

Und ein zweiter, weit größerer Fehler, passierte uns ebenfalls. Wir informierten uns vorab nämlich nicht über die aktuell geltenden Coronaregeln in Schleswig-Holstein. Wir gingen ganz naiv davon aus, dass dort die gleichen Regeln gelten wie in Nordrhein-Westfalen, also eine Maskenpflicht in Restaurants und Geschäften und Abstand einhalten. Aber dem war leider nicht so …

Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Am Anfang war ich irritiert

Nach meinem ersten Rundgang in Travemünde war ich deshalb nicht nur aufgrund der vielen Menschen unfassbar irritiert. Immer, wenn ich in Geschäfte oder Restaurants schaute, dachte ich, ich sehe nicht richtig. An den Schaufenstern wurde zwar immer auf Maskenpflicht hingewiesen, nur leider trugen so gut wie keine Mitarbeiter von Läden oder Restaurants einen Schutz.

Aufgrund meiner Irritation fragte ich bei einigen Reiseblogger-Kollegen nach, die aus der Gegend kommen. Sie klärten mich auf und schickten mir aktuelle Verordnungen, durch die ich mich wühlte. Tatsächlich galt in Schleswig Holstein zum Zeitpunkt meiner Reise eine Maskenpflicht für Kunden und Gäste, aber nur eine Empfehlung zum Tragen einer Maske für Mitarbeiter, also Kellner, Kassierer und Co.

Normalerweise schreibe ich an dieser Stelle immer, dass ich nicht über geltende Coronaregeln diskutieren möchte, aber hier muss ich mich mal auslassen, weil es mich so unfassbar wütend macht. Was ist das bitte für ein Quatsch? Wie unsinnig und verantwortungslos können Politiker und Ladenbesitzer eigentlich handeln?

Ich habe kein Problem damit, meine Mitmenschen durch das Tragen einer Maske zu schützen. Das ist für mich sogar selbstverständlich. Aber ich erwarte genau das Gleiche auch von meinen Mitmenschen. Das erwarte ich erst recht an einem Ort, wo Menschen aus so vielen Bundesländern zusammenkommen. Das Verhalten vieler Mitarbeiter, Kellner und Restaurantbesitzer ist schlichtweg respektlos dem Gast oder Kunden gegenüber. Da habe ich kein Verständnis für.

Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Meine sonstigen Eindrücke

Nachdem der erste Reisetag, ein Samstag, der auch noch Feiertag war, schon eine Katastrophe war, hoffte ich, dass es in den folgenden Tagen besser würde. Doch auch am Sonntag war es rappelvoll an der Küste. Halb Hamburg war da und auch viele Menschen aus Lüneburg und Umgebung. Etwas leerer wurde es ab Montag, aber wirklich besser wurde der Urlaub nicht mehr.

Ich war kurz vor meiner Reise an die Lübecker Bucht noch am Lago Maggiore. Auch dort gab es Covidioten und Menschen, die zu dumm oder respektlos waren Abstände einzuhalten oder Masken korrekt zu tragen. Aber diese Menschen waren – ausgenommen an zwei Orten – in Unterzahl und die Ausnahme.

Wenn einer die Regeln in einem Geschäft am Lago Maggiore nicht einhielt, dann kaufte ich da halt nichts. Wenn in einem Restaurant am Lago Maggiore die Coronaregeln nicht eingehalten wurden, dann aß ich da halt nicht. In Travemünde wäre ich verhungert, hätte ich Geschäfte und Restaurants gemieden, in denen keine Masken getragen oder Abstände nicht eingehalten wurden.

Egal, wo man hinging oder hinschaute, Infektionsschutz oder Aha-Regeln wurden von den allermeisten Menschen einfach nicht eingehalten. Drei Situationen sind mir besonders in Erinnerung geblieben.

Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Einprägsame Erlebnisse

Zum einen erinnere ich mich an einen Besuch im Drogerieladen. Eine Omi kam herein und wusste nicht so recht, wie sie mit ausreichendem Abstand an dem Security-Mann vorbeikommen sollte, der mitten im Weg stand. Sie bewegte sich auf den Mann zu. Dabei rutschte ihr die Maske minimal unter die Nase. Plötzlich brüllte der Idiot sie an, dass sie gefälligst ihre Maske richtig aufzusetzen habe. Wohl gemerkt. Der brüllende Herr trug gar nichts. Und mit den Abständen nahm er es auch nicht so genau.

In Erinnerung geblieben sind mir zudem viele Restaurants, in denen die Tische vor allem am überfüllten ersten Oktoberwochenende ohne jeglichen Abstand auf den Außenflächen platziert waren. Den Vogel schoss ein Kellner in einem Café in der Vorderreihe ab, der einen verdreckten Tisch mit der Speisekarte (!!) säuberte, bevor er ihn neu besetzte. Desinfektionsmittel war übrigens in allen Orten, die ich in der Woche besuchte, die absolute Ausnahme. Mir ist das egal, ich habe ohnehin mein eigenes Spray dabei, aber gut ist dennoch anders.

Das dritte einprägsame Erlebnis hatte ich auf dem Wochenmarkt in Travemünde, wo ich mich brav mit Abstand am Gemüsestand anstellte und jedes Mal irgendwelche Menschen an mir vorbeizogen und sich IN meinen Sicherheitsabstand stellten. Die haben das Abstandhalten da entweder nicht gelernt oder immer noch nicht verinnerlicht.

Schade auch: Wenn ich in Italien Menschen mal darauf hingewiesen habe, dass sie mir gerade ein wenig nah kommen oder sie bat, die Maske über die Nase zu schieben, wenn sie mit mir auf engem Raum zu tun hatten, waren die allermeisten Angesprochenen sehr einsichtig. In Schleswig-Holstein kam meist der Hinweis, dass die Infektionszahlen ja niedrig seien. Ich würde gerne mal wissen, wie viele Menschen das Virus von dort in ihre Bundesländer geschleppt haben.

Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Positive Ausnahmen

Ja, das war jetzt sehr viel Gemecker. Drum möchte ich nun noch einmal ausschließlich die Orte nennen, an denen der Infektionsschutz vorbildlich eingehalten wurde und an denen ich mich sicher fühlte.

Im Atlantic Grand Hotel Travemünde* haben wir das Kuchenangebot („Süße Verführung“) ausprobiert und dabei nicht nur wunderbar und edel gesessen und lecker gegessen. Der Infektionsschutz wurde von den Mitarbeitern gut umgesetzt. Im Café Niederegger Travemünde ebenso, was ich aber im Gegenzug leider nicht von den Mitarbeiterinnen im Verkauf sagen kann.

Ebenso positiv hervorheben möchte ich das griechische Restaurant Ellas in Eutin, wo wir nun schon seit Jahren hingehen und immer sehr zufrieden sind. Auch dort wurde penibel auf den Infektionsschutz geachtet und der Gast respektiert, indem das Personal Masken trug und Abstände eingehalten wurden.

Und im Laden M & Molt an der Strandallee in Scharbeutz passierte tatsächlich ein Wunder. Die sehr freundliche Mitarbeiterin bat die Kunden tatsächlich darum, doch bitte an die Abstände zu denken und schritt ein, wenn dies nicht geschah. Leider war sie in der einen Woche an der Lübecker Bucht damit die einzige Mitarbeiterin eines Geschäfts, die dies tat.

Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Mein Fazit

Wie du dir schon denken kannst, fällt mein Fazit zum Urlaub an der Lübecker Bucht in Coronazeiten nicht gerade positiv aus. Ich habe mich meist nicht sicher gefühlt und mich mehr als einmal geärgert, dass ich Geld in einem Bundesland lasse, dass so respektlos mit seinen Gästen umgeht. Vor allem die Tagesausflügler haben die Orte an den Wochenenden zu unangenehmen Terrain gemacht. Und dass Regeln nicht wirklich eingehalten wurden beziehungsweise schwachsinnige Regeln zum Zeitpunkt meines Urlaubs galten, habe ich ja auch ausführlich erläutert.

Ich habe in meiner Zeit in Travemünde leider nie jemanden gesehen, der die Einhaltung der Hygieneregeln mal kontrolliert und ich war täglich an der Promenade und in der Vorderreihe unterwegs und habe immer in den gleichen Läden Verstöße gesehen und bei einigen Läden auch die Bewertungen im Internet nachgelesen, wo teils seit Monaten auf fehlenden Infektionsschutz hingewiesen wird.

Gerade an dem völlig überfüllten Wochenende hätte das Ordnungsamt präsent sein müssen. So viele Verstöße gegen die geltenden Verordnungen habe ich seit Beginn der Pandemie nirgends gesehen, nicht in Italien, nicht im Schwarzwald, nicht bei mir im Pott, nirgends. Das ist nicht nur hochgefährlich, weil Urlauber im Fall der Fälle das Virus in andere Bundesländer schleppen. Es macht mich auch einfach traurig und tut mir Leid für die wenigen Selbstständigen, die die Regeln in Travemünde und Umgebung penibel einhalten.

Der Umgang der Gastronomen und Ladenbesitzer vor Ort mit Kunden und Gästen hat leider dazu geführt, dass ich mich noch mehr einschränken musste, als ich gedacht hätte. Einige Läden, die ich gerne besucht hätte, musste ich meiden, aufgrund des fehlenden Infektionsschutzes.

Dieser Urlaub wird mir im Nachhinein in nicht ganz so schöner Erinnerung bleiben, auch wenn die Torte im Café Niederegger am Geburtstag meiner Mutter zum Besten gehört, was ich jemals gegessen habe.

Jetzt bist du dran: Warst du seit dem Corona-Ausbruch in Travemünde? Wie hast du den Ort erlebt? Was hast du für Erfahrungen gemacht?

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2 Kommentare zu “Urlaub in Travemünde in Coronazeiten: Ein Erfahrungsbericht

  1. Ulrike

    Hallo Christine,
    da hast du ja wirklich etwas erlebt. Ich war am 30.09. mit meiner Mutter in Travemünde. Wir haben ihr zum Geburtstag einen Kurztripp nach Lübeck geschenkt und von dort einen Abstecher nach Travemünde gemacht. Die Schiffstour war ganz angenehm, da nur sehr wenig Touristen an Board waren und in Travemünde war es Gott sei Dank auch nicht sehr voll. Wahrscheinlich haben wir gerade den richtigen Zeitpunkt erwischt. Die Masken wurden von allen getragen, zumindest von den Menschen, die wir gesehen haben. Mein Bericht ist leider noch nicht ganz fertig.
    Viele Grüße
    Ulrike

    1. Christine Autor des Beitrags

      Hallo Ulrike,

      toll, dann habt ihr echt den perfekten Zeitpunkt erwischt, das freut mich.
      Ich denke, dass bei mir der Feiertag am Samstag ein riesiges Problem war (Stichwort: Tagestouristen) und die Tatsache, dass genau an dem Wochenende in einigen Bundesländern die Herbstferien starteten.
      Ich bin gespannt auf deinen Bericht.

      Liebe Grüße
      Christine

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