Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Ein Erfahrungsbericht (Teil 1)

In den vergangenen Wochen habe ich viele Fragen erhalten, wie das denn nun mit einem Urlaub in Coronazeiten am Lago Maggiore so läuft. Ich konnte leider nur allgemeine Infos weitergeben, weil ich in diesem Jahr noch nicht am See war. Bis jetzt jedenfalls. Denn ich komme gerade quasi von einer Reise zurück. Eine knappe Woche war ich am schönsten See der Welt und berichte dir gerne, wie sich der Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten für mich anfühlte.

Ich bin ganz ehrlich: Wenn ich über dieses Thema in den ersten 24 Stunden nach meiner Ankunft am See geschrieben hätte, wäre das Fazit ganz anders ausgefallen. Es wäre wahrscheinlich voller nicht so netter Worte gewesen. Denn das, was ich anfangs am Lago Maggiore sah und erlebte, war einfach nur schockierend: Kaum jemand beachtete die Coronaregeln. 80 Prozent der Menschen trugen die Maske unter Nase oder dem Kinn oder missachteten die Masken- und Abstandspflicht in Geschäften oder anderen geschlossenen Räumen einfach komplett. Vor allem Einheimische fielen mir negativ auf, aber auch zahlreiche Touristen. Und es gab auch einfach kaum jemanden, der die Masken- und Abstandsverweigerer darauf aufmerksam machte, dass eine Maskenpflicht besteht. Die im Internet vielbeschriebenen Polizeikontrollen sah ich nur ein einziges Mal. Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber zum Glück waren das nur Eindrücke, die ich auf wenige Orte einschränken kann, aber dazu später mehr.

Zwei kleine Hinweise noch: Ich diskutiere nicht über Sinn oder Unsinn der bestehenden Coronaregeln. Ich beschreibe lediglich meine subjektiven Erfahrungen während meiner knapp einwöchigen Reise zum Lago Maggiore.

Da ich meine Erfahrungen sehr ausführlich beschrieben habe, musste ich den langen Text splitten. Im ersten Teil geht es hauptsächlich um Reisevorbereitungen, An- und Abreise und die Erfahrungen in einem Hotel. Im zweiten Teil dann um die Erfahrungen im zweiten Hotel am See und Themen wie einkaufen, Restaurantbesuche und die Besuche von Sehenswürdigkeiten.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Hotel oder Ferienwohnung?

Seitdem ich den Lago Maggiore als Reiseziel für mich entdeckt habe, war ich in noch keinem Jahr so selten am See. In diesem Jahr wollte ich eigentlich mindestens dreimal hin. Eine Reise war für vier Wochen im Sommer geplant und stand seit Oktober 2019 fest. Die anderen Aufenthalte wollte ich spontan buchen. Mittlerweile habe ich eine Wohnung, in der ich immer bin, wenn ich für vier Wochen oder mehr am See bin. Sie ist direkt im Zentrum von Stresa und die Vermieterin ist extrem unkompliziert.

Irgendwann rückten der Reisetermin für meine Sommerreise und der letzte Tag für eine kostenlose Stornierung immer näher. Die Grenze nach Italien hatte aber noch nicht geöffnet. Das heißt: Ich musste eine Entscheidung treffen, ohne dass ich erste Erfahrungswerte abwarten konnte. Schweren Herzens sagte ich die Reise ab. Vier Wochen alleine im Ausland, dazu im von Corona besonders schwer getroffenen Norditalien waren mir im Frühsommer noch zu heikel. Zudem ich aufgrund einer Lungenvorerkrankung zur Risikogruppe zähle, was Corona angeht. Ich bin lieber einmal zu vorsichtig, als einmal zu wenig. Für meine Vermieterin tat es mir besonders leid, aber sie reagierte sehr nett und verständnisvoll auf meine Absage.

Ich verfolgte nach Grenzöffnung die Situation am See genau, zwar nur aus der Ferne, aber irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich mir – trotz vorbelasteter Lunge – eine Lago-Maggiore-Reise alleine zutraute, allerdings nicht vier Wochen lang. Ich überlegte, ob ich eine Ferienwohnung oder ein Hotel nehmen sollte. Wenn es um die Einhaltung von Abständen etc. geht, war ich mir sicher, dass eine Wohnung vielleicht besser wäre. Doch „meine“ Wohnung war zu meinem geplanten Reisezeitraum nicht frei und passende Alternativen fand ich ebenfalls nicht. Also schaute ich nach Hotels und stieß auf ein interessantes Angebot, den Piemonte Voucher.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Der Piemonte Voucher

Den Piemonte Voucher hat der Tourismusverband Piemont während der Coronakrise ins Leben gerufen, um den Tourismus nach der Grenzöffnung wieder anzukurbeln: Das Angebot klingt erstmal toll. Buche drei Nächte im Piemont und zahle nur eine. Eine Nacht spendiert dir das Hotel, in dem du wohnst, die andere Nacht der Tourismusverband.

Ich las schon früh nach Grenzöffnung von dem Angebot, doch die meisten Informationen musste ich mir mühsam besorgen. Deshalb schrieb ich eine E-Mail an den Tourismusverband, die im Spam-Ordner landete, aber dann irgendwann doch noch beantwortet wurde. Ich wurde an einen Kollegen in Deutschland verwiesen, der alle meine Rückfragen zu dem Thema ausführlich beantwortete. Danke an dieser Stelle noch einmal.

Du kannst leider keinen Blanko-Gutschein kaufen und ihn dann im Hotel deiner Wahl einlösen. Das wäre viel zu einfach gewesen. Nein, vielmehr hatte die Buchung eines Urlaubs mittels des Piemonte Vouchers was von der Suche nach dem Passierschein A38.

Auf der Website von VisitPiemonte suchst du dir erstmal deine bevorzugte Reiseregion aus. In meinem Fall war das Alto Piemonte. Auf der Website dieses Verbandes wurden anschließend alle Hotels aufgeführt, die an der Voucher-Aktion teilnahmen. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass man Gutscheine auch kombinieren kann, also erst drei Tage in Stresa in Hotel Nummer eins wohnen konnte und anschließend in Hotel Nummer 2. Wichtig war nur, dass man in das andere Hotel umzieht, um den Vorteil des Vouchers wieder nutzen zu können.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Die Buchung

Dann begann die Hotelsuche. Denn nicht jedes Hotel, das an der Aktion teilnahm, kam auch infrage. Manche Hotels machen nur wenige Wochen mit, manche schlossen Wochenend-Reisen aus und, und, und. Immer, wenn ich auf die Liste der teilnehmenden Hotels schaute, hatten sich Teilnehmer-Hotels und Konditionen geändert.

Ich mache es mal kurz. Es dauerte drei Wochen, bis ich zwei Hotels in Stresa fand, in denen ich ein Zimmer über den Voucher bekam. Mein absolutes Wunschhotel, das Regina Palace, war dabei, das zweite Hotel war das Primavera, das ich auch schon gut kenne. Allerdings war es auch ein wirklicher Kampf. Viele meiner Anfragen an Hotels blieben unbeantwortet oder ich bekam nach der ersten Nachfrage keine Antwort mehr.

Selbst bei den Hotels, in denen ich gebucht hatte, musste ich den Buchungsbestätigungen tagelang hinterher rennen. Das war leider unfassbar zeitaufwändig, aber ich habe eine Menge Geld gespart und letztendlich nur zwei Nächte bezahlt, aber sechs Nächte am Lago Maggiore gehabt.

Der Gutschein ist offiziell bis zum 31.12.2020 buchbar, und zwar für Termine bis zum 31.12.2021. Derzeit sind aber keine Hotels am Lago Maggiore zu buchen, offiziell ist der Voucher am Lago Maggiore ausverkauft. Schau doch mal in den nächsten Wochen rein, vielleicht werden noch Kontingente freigegeben. Wichtig: Du kannst die gebuchten Reisen nicht stornieren. Du kannst zwar im Hotel anfragen, ob du im Fall der Fälle einen anderen Reisezeitraum bekommst, aber gehe davon aus, dass das nicht klappt und du im Zweifel dein Geld los bist.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Weitere Reisevorbereitungen

Normalerweise freue ich mich immer wie verrückt auf meine Aufenthalte am Lago Maggiore. Diesmal allerdings wollten Urlaubsstimmung oder gar Vorfreude so überhaupt nicht aufkommen. Ganz im Gegenteil. Ich bin ja vor jeder Reise ein wenig unruhig aufgrund der langen Autofahrt, aber diesmal hatte ich große Bauchschmerzen. Nicht wegen Corona. Also nicht direkt. Ich hatte bis zur Abfahrt große Angst, dass mir irgendwelche Coronaverordnungen oder ansteigende Fallzahlen noch meine Reise verhindern könnten. Ich habe tatsächlich erst geglaubt, dass der Urlaub auch klappt, als ich schon vor meinem ersten Hotel stand.

Auch die Reisevorbereitungen liefen diesmal ein klein wenig anders als sonst. In meinem Gepäck landeten aufgrund von Corona einige andere Dinge als gewöhnlich. Ich nahm diesmal natürlich einige Masken mit, dazu drei kleine Flaschen (50 ml) Desinfektionsspray und einige Plastikhandschuhe, die ich aber nicht benötigte. Auch ein Fieberthermometer reiste diesmal mit nach Italien. Und meine Reiseapotheke war diesmal etwas umfangreicher als sonst. Die Mautplakette für die Schweiz besorgte ich mir ebenfalls kurz vor der Reise (das geht zum Beispiel im Internet über den ADAC), um auch hier an der Grenze unnötigen Kontakt zu vermeiden.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Die Anreise

Meine Anreise zum Lago Maggiore gestalte ich immer in zwei Etappen, um Staus am Gotthardtunnel zu vermeiden. Am ersten Tag, der meist ein Sonntag ist, fahre ich vom Ruhrpott bis in den Schwarzwald. Ich übernachtete diesmal in Bad Krozingen, wie schon oft zuvor, und zwar im Hotel Vier Jahreszeiten*, wo ich auch schon häufiger war. Ich schätze hier vor allem die zentrale Lage an der A5 und die unkomplizierte Art der Mitarbeiter, die mir auch schon tolle Tipps für Ausflüge in der Umgebung gegeben haben.

Da ich immer gegen 5 Uhr morgens Richtung Schwarzwald starte, bleibt vor dem Check-in im Hotel immer noch genug Zeit für einen Ausflug. Eigentlich wollte ich ins Elsass, aber die stark steigenden Coronazahlen in Frankreich ließen mich meine Pläne ändern. So schaute ich mir die Fauststadt Staufen an, die nur acht Kilometer von Bad Krozingen entfernt liegt.

Der Check-in im Vier Jahreszeiten erfolgte am frühen Nachmittag. Ich fühlte mich dort sehr sicher. Die Mitarbeiter beachteten alle Coronaregeln, hielten Abstand, trugen ihren Mundschutz korrekt und es wurde Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Auch das Zimmer wirkte sehr sauber. Da ich schon um 3.30 Uhr nachts Richtung Italien aufbrach, sollte ich nach Absprache nur meinen Zimmerschlüssel auf die Theke der Rezeption legen, so wie ich es auch schon vor Corona immer gemacht habe. Kontaktloser geht es nicht.

Etwas Bauchschmerzen hatte ich auch, weil ich nicht wusste, was an den Grenzen auf mich zukommen würde. An der Schweizer Grenze hatte ich auch ohne Corona schon oft Probleme. Das Personal hat mich irgendwie auf dem Kieker und mein Auto ist schon oft durchsucht worden. Doch diesmal klappte alles problemlos. Ich sah noch nicht einmal einen Grenzbeamten, als ich gegen 4 Uhr morgens die Grenze passierte. Ähnlich war es wenige Stunden später, als ich nach Italien einreiste.

Da ich erst um 15 Uhr im Regine Palace in Stresa einchecken konnte, entschloss ich mich, das Ostufer entlangzufahren und dort hin und wieder an Orten, die mich interessierten, anzuhalten. Während am Westufer wenigstens noch ein Pappkarton mitten auf der Straße steht, wenn kein Grenzbeamter zugegen ist, war der Übergang am Ostufer um 8 Uhr morgens mutterseelenallein. Leichter konnte ich nie nach Italien einreisen.

Auch die Rückreisen verliefen genauso problemlos. Während meiner gesamten Reise sah ich nicht einen Grenzbeamten. Das hatte ich mir alles anders vorgestellt.

Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Der Aufenthalt im Regina Palace

Pünktlich um 15 Uhr checkte ich im Regina Palace in Stresa ein. Vor dem Betreten des Hotels wiesen Aufsteller auf Italienisch und Englisch auf die geltenden Regeln hin (Tragen von Masken, Abstand von einem Meter etc). Zudem standen an allen Eingängen und vor den Toiletten, den Restauranteingängen und den Fahrstühlen in der Lobby Desinfektionsspender. An der Rezeption gab es einen Spuckschutz in Form einer Plastikscheibe.

Mich checkten zwei Herren ein. Einer trug seine Maske korrekt, der andere hatte das Prinzip nicht verstanden, was ich nur von wenigen Mitarbeitern im Regina Palace sagen kann. Im Großen und Ganzen achtete das Personal sehr auf die Einhaltung der Regeln. Im Restaurant gab es nur einen Kellner, der es nicht schaffte und im übrigen Haus noch den einen Herrn an der Rezeption und – leider – einige Damen vom Housekeeping, von der keine einzige mir bekannt vorkam und ich war schon oft in dem Hotel. Letzteres führte bei mir auch zu dem Entschluss, dass ich keine der Damen während meiner Reise zum Putzen ins Zimmer ließ.

Auch mein Zimmer war nicht 100-prozentig okay. Die Stühle auf dem Balkon schienen ewig nicht gesäubert, was ich nachholte und auch die Fernbedienung machte einen klebrigen Eindruck, sodass sie selbst desinfizierte. Schade. Bisher hatte ich im Regina Palace nie etwas zu beanstanden.

Später erfuhr ich von einem Bekannten, der im Regina Palace im Restaurant arbeitet, dass das Personal in dieser Saison aus drei Hotels zusammengewürfelt wurde, da die Partner-Hotels Milan Speranza au Lac und Grand Hotel des Iles Borromees wegen Corona geschlossen blieben. Wohl auch deshalb lief es an einigen Stellen nicht so rund wie sonst. Doch insgesamt war ich dennoch zufrieden dort, weil auch das Auschecken problemlos und komplett kontaktlos erfolgte.

Jetzt bist du dran: Hast du auch schon Erfahrungen am Lago Maggiore seit dem Corona-Ausbruch gemacht? Wo warst du? Was hast du erlebt?

Weiterlesen: Urlaub am Lago Maggiore in Coronazeiten: Ein Erfahrungsbericht (Teil 2)

Lust bekommen? Hier erhältst du weitere Inspiration für Ausflüge am Lago Maggiore.*

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Auf der Suche nach passender Urlaubslektüre? Dann empfehle ich dir gerne Die Tote am Lago Maggiore* von Bruno Varese.

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